Pressespiegel zum Wörterbuch
Kleiner Pressespiegel zu: Wörterbuch der Redensarten zu der von Karl Kraus 1899 bis 1936 herausgegebenen Zeitschrift »Die Fackel«. Herausgegeben von Werner Welzig. Wien: Verlag der Östereichischen Akademie der Wissenschaften 1999.
Das Wörterbuch ist durch die Verfügbarkeit der kompletten Fackel im Internet und auf DVD mehr oder weniger Makulatur geworden, die seinerzeitige Aufregung um das Projekt inzwischen nur noch historisches Dokument.
Michael Cerha: Zitate und »Gschichterln« (Der Standard, 2. 12. 1999)
Cornelius Hell: Ausdauer und Askese (Der Standard, 16. 12. 1999)
Dietmar Krug: Lexikon der Unverständlichkeit (Der Standard, 2. 12. 1999)
Leo A. Lensing: Fleiß und sieben Siegel (Die Presse, 4. 12. 1999)
Joachim Riedl: Vermessene Sprachvermessung (Format, 11. 12. 1999)
Sigurd Paul Scheichl: Mehr als ein Mäuslein (Falter 51–52/99)
Walter Schübler: Des Präsidenten neue Kleider (Wespennest 117, 10. 12. 1999)
uwm: Harakiri und Wissenschaft (Süddeutsche Zeitung, 6. 12. 1999)
Zitate und »Gschichterln«
Michael Cerha; Der Standard, 2. 12. 1999, Seite 15.
Schlägt man das Buch auf, stößt man auf das durchaus
übersichtliche Gestaltungsschema […]: In der breiten, hell
grundierten Mittelspalte laufen die Texte der Fackel-Zitate, von
den schmaleren, dunkel grundierten Randspalten enthalten die linke
Quellenangaben, die rechte Interpretationshilfen, die von bloßen
stichwortartig zusammenfassenden Überschriften über kurze
historische Notizen bis zu »Gschichterln« reichen.
[…]
Zwei Indizes sind dem Wörterbuch vorangestellt: Das eine ist eine
Aufzählung jener 144 »Redensarten« […], von denen im Hauptteil
sämtliche 6000 Belege chronologisch zitiert werden. Der zweite
Index umfasst rund 9000 weitere »Redensarten« und nennt die
Seiten, auf denen sie – unkommentiert und lediglich im Zug der
Zitate – vorkommen. Dass das Bedürfnis manches Lesers nach
detaillierterer Information gehen könnte, räumt Evelyn
Breiteneder, Sprecherin des zehnköpfigen Redaktionsteams des
Wörterbuchs, durchaus ein.
[…]
Auf mangelhafter Information beruhe allerdings die Vorstellung, der für das Projekt eingescannte Fackel-Text könne einfach kopiert und quasi direkt als CD-ROM- Version der Fackel ediert werden. Dazu bedürfte es laut Breiteneder noch umfänglicher Vorarbeiten und nicht zuletzt eines ausgeprägteren Interesses des Urheberrechtsträgers, des Frankfurter Suhrkamp Verlags.
Ausdauer und Askese
Cornelius Hell, Der Standard, 16. 12. 1999.
Welzig präsentierte und verteidigte sein »Fackel-Wörterbuch«.
Wien – Eine »Buchbegehung« ist zumindest ein ungewöhnlicher Akt.
Werner Welzig verstand sie als Metapher für die langsame Begegnung
mit Büchern, als er am Dienstag in der Alten Aula der Akademie der
Wissenschaften das von ihm herausgegebene Wörterbuch der
Redensarten, den ersten Band des Wörterbuchs zur Fackel von Karl
Kraus, präsentierte.
[…]
Werner Welzig zitierte zwar die Frage eines Kollegen, ob man ein Wörterbuch wie einen Fehler begehen könne, verteidigte jedoch die Arbeit daran mit Hinweis auf die erschlossenen Textbezüge, die weit über Karl Kraus hinausgingen, und die wissenschaftlicher Arbeit eigene »Ausdauer und Askese, die die Zeitung nicht verlangt« – ein Seitenhieb auf das »so genannte Presseecho«.
Lexikon der Unverständlichkeit
Dietmar Krug, Der Standard, 2. 12. 1999, Seite 35.
Die Fackel wurde auf Datenträger eingescannt und damit für
elektronische Recherchen zugänglich gemacht. Dadurch konnten
Redensarten wie »Schulter an Schulter« oder »die Stirn bieten« auf
den mehr als 20.000 Seiten der Zeitschrift mühelos gefunden werden.
[…]
Allerdings kann der Leser nur rätseln, warum an der einen
Stelle die Stirn geboten und an der anderen Schulter an Schulter
gekämpft wird. Ja, er weiß häufig nicht einmal, wer im jeweiligen
Textausschnitt das Wort führt.
[…]
Das Dilemma rührt daher, dass die Textbelege aus dem jeweiligen Zusammenhang der Fackel gerissen
und somit für den Leser oft völlig unverständlich sind.
[…]
Um das Desaster zumindest in der Optik etwas zu entschärfen, wurden die
Artikel in ein edles Layout gekleidet und mit knappen Randglossen
versehen, von denen der Herausgeber selbst sagt, dass es für sie
»keinen fachsprachlichen oder standardsprachlichen Ausdruck« gebe.
In der Tat, denn es handelt sich um eine beliebige Sammlung von
Zitaten und Assoziationen, die weder einem wissenschaftlichen
Mindeststandard genügen noch im Geringsten die Lektüre erleichtern.
[…]
Schuld am Scheitern des Projekts ist nicht das Autorenteam,
das zuzeiten versucht hat zu retten, was zu retten war. Dieser
Hinweis ist mehr als Fairness gegenüber ehemaligen Kollegen, er ist
Ausdruck des Bedauerns darüber, was mit diesem Team und diesen
Mitteln alles möglich gewesen wäre.
[…]
Welzig […] hatte es in der Hand, etwas für einen bedeutenden österreichischen Autor zu tun. Er hat eine große Chance vertan. Er hätte ihm aber noch einen weiteren Dienst erweisen können. Die Fackel auf CD-ROM mit entsprechenden Recherchemöglichkeiten hätte – für einen Bruchteil der Kosten im Vergleich zum Wörterbuch – der Kraus-Forschung ein wichtiges Tor in die Fackel geöffnet.
Fleiß und sieben Siegel
Leo A. Lensing, Die Presse, 4. 12. 1999, Spectrum, S. V.
»Und er maß ihre Mauer, hundert und vierundvierzig Ellen, nach Menschenmaß, das der Engel hat«. Offenb. 21, 17
Denjenigen, die Die Fackel als Ganzes in den Griff zu bekommen
versucht haben, mußte die Zeitschrift von Karl Kraus oft wie ein
Buch mit sieben Siegeln erscheinen. Dass sie wie die Mauer um das
heilige Jerusalem mit 144 »Basisformen« zu messen sei, wird wohl
bisher kaum jemandem eingefallen sein. Ob diese in der
Offenbarung des Johannes öfters vorkommende mystische Zahl ins
Konzept bewußt geschlichen ist? Die 144 von Werner Welzig und
seinen redaktionellen MitarbeiterInnen ausgewählten Redensarten,
die in ebenso vielen »Artikeln« belegt und kommentiert werden,
stehen jedenfalls quasi als kanonisierte Kurztexte diesem
bibelartigen Band voran.
[…]
Neben der graphischen Gestaltung und dem imposanten Format des
Buches […] erinnert auch die konfessionelle Überzeugung des
Vorworts an das Buch der Bücher. Dessen Ton trifft am besten
aber eine der 144 Redensarten: »ernst, aber zuversichtlich«
[…]
Die schöne, durch die hervorragende Typographie erzeugte
Gliederung der Texte und Hinweise verdeckt aber ein Defizit, das
in der über lange Strecken leerstehenden rechten Spalte sichtbar
wird. Der Leser wird mit einer beinahe überwältigenden Masse von
Fackel-Texten konfrontiert, die nicht nur von »Redensarten«
sondern auch von nach Registrierung und und Erläuterung
schreienden Namen, Begriffen und Zitaten überquellen. Aber es
gibt nicht einmal ein Personenregister.
[…]
Neben solchen lexikographischen Vorbehalten sind auch
literaturhistorische und -wissenschaftliche Bedenken zu melden.
Besonders problematisch erscheint die Entscheidung, die in Form
von Kurzzitaten »erfassten Belege« ohne Titel- und Autorenangabe
zu drucken. Ohne diese Grundinformationen fehlt ein Zusammenhang,
der häufig genug nicht im Wörterbuch selbst, denn nur ein Teil
dieser Kurzzitate wird in die thematisch organisierten,
»rekontextualisierten« Beleggruppen aufgenommen, sondern erst
durch Nachschlagen in der Fackel selbst wieder hergestellt werden
kann.
[…]
An solchen Stellen muß man sich über die Bezeichnung des
Kommentars als »Gschichterl« wundern, die aus der
»Werkstattsprache« des Herausgeberteams leider in das Buch
aufgenommen wurde. Vorsichtigere Kommentatoren hätten sich wohl
durch Kraus’ auch im Wörterbuch zitierte Beteuerung, daß für ihn
das »Pupperl« und das »Momenterl« zu den »entsetzlichsten Dingen
des Wiener Lebens« gehöre, abschrecken lassen.
[…]
Wie sind zum Beispiel in einem Werk, das »ein ungeschwätziges
Instrument der Literaturgeschichte und Literaturwissenschaft«
sein will, sechs Zeilen über die Architektur des Neuen Wiener
Allgemeinen Krankenhauses oder zehn Zeilen über angereiste
deutsche Premierenbesucher von Elfriedre Jelineks Sportstück zu
rechtfertigen? Besonders irreführend wirkt die verfälschende
Reproduktion von Bildsatiren aus der Fackel als bloßes
Illustrationsmaterial. Zweimal werden Fotos von Hermann Bahr
nämlich ohne die dazugehörigen satirischen Überschriften
abgebildet.
[…]
Trotz der biblischen Dimensionen und Ambitionen dieses ersten Bandes der Fackel-Wörterbücher, kann man sich noch nicht vorstellen, daß sie auch alle zusammen zu den Büchern des Buches werden.
Vermessene Sprachvermessung
Joachim Riedl, Format, 50 / 1999 (11. 12. 1999), S. 135.
Ein lexikalisches Mammutprojekt möchte das Gesamtwerk von Karl
Kraus ergründen – ein Akt der akademischen Hybris.
[…]
In der irrigen Annahme, ein Sprachgebäude könnte ähnlich wie ein architektonisches Monument vermessen werden, legt nun ein zehnköpfiges Redaktionsteam unter der Leitung von Werner Welzig, dem Präsidenten der Akademie der Wissenschaften, das erste Ergebnis seiner vieljährigen Forschungsarbeit vor: einen gewichtigen Quartband (3,8 Kilo, acht Zentimeter dick), das »Wörterbuch der Redenarten« für alle »Fackel«-Jahrgänge beeinhaltend […].
Das mit 15 Subventionsmillionen geförderte Unterfangen ist ein
Versuch in angewandter Absurdität. Es geht von der fragwürdigen
Annahme aus, die vielschichtigen Texte der »Fackel« bildeten eine
monolithische Einheit, die sich in Textbausteine (eben
Redensarten) dekonstruieren lasse. Eher willkürlich, denn
systematisch haben die Sprachforscher aus 9000 identifizierten
Redewendungen 144 Idiome von vorgeblich zentraler Bedeutung für
das Gesamtwerk ausgewählt, die sie ausführlich und mit genauen
Quellenangaben versehen auf tausend Seiten auflisten – freilich
aus dem historischen ebenso wie dem ideelen Zusammenhang
gerissen.
[…]
Die Kategorien dieser linguistischen Spiegelfechterei bleiben nämlich ebenso unergründlich wie die Sinnhaftigkeit des gesamten Unternehmens (geschweige dessen Gebrauchswert) schleierhaft ist.
Mehr als ein Mäuslein
Sigurd Paul Scheichl, Falter, 51–52/99, S. 84.
Ein Wörterbuch in irgendeinem traditionellen Sinn darf man sich
freilich von diesem »Textwörterbuch«, wie es sich – zu Recht –
mit einem neuen Begriff nennt, nicht erwarten. Hier liegt
vielmehr ein Lesebuch aus Kraus’ »Fackel« vor, gegliedert nach
einem höchst originellen Gesichtspunkt: nach dem Vorkommen von
festen Wortverbindungen, eben von ›Redensarten‹.
[…]
Eine so geordnete Anthologie ermöglicht zum ersten Mal – wiewohl
nur an Beispielen – die Lektüre des Autors unter dem
Gesichtspunkt eines seiner wichtigsten Stilelemente, ja überhaupt
unter dem Gesichtspunkt seines Stils, der für ihn selbst das
Wesentliche seines Werks gewesen ist, während bisher auch die
Literaturwissenschaft fast nur dessen Themen beachtet hat.
[…]
Die Lektüre lässt auf Anhieb die Sprachfantasie des Autors [Karl
Kraus] erkennen, seine Fähigkeit, sprachliche Beziehungen
zwischen verschiedenen Bereichen herzustellen, etwa zwischen dem
im damaligen Wien geflügelten Angebot der Fiaker »fahr’n ma, Euer
Gnaden« und dem »fahrma«, das der nachmalige Kaiser Karl beim
Begräbnis seines Onkels Franz Ferdinand gesagt haben soll
(281 ff.). Dadurch dass nicht nur Kraus’ eigener Gebrauch von
Redensarten vorgeführt, sondern auch deren Vorkommen in den von
ihm zitierten Texten belegt wird, integrieren Welzig und seine
Mitarbeiter den Sprachgebrauch des Satirikers implizit stets in
den seiner Zeit. Den Erkenntniswert der Anthologie wird man erst
nach längerer Arbeit mit ihr ermessen können; Vergnügen bereitet
sie auf den ersten Blick.
[…]
Die exemplarische Beschränkung auf 144 eingehend behandelte –
recht repräsentative – Redensarten ist ein Vorzug des Buchs. Wie
es zur Entscheidung für eben sie gekommen ist, erfährt man leider
nicht. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, es hätten vor
allem solche Wendungen Aufnahme gefunden, deren Bearbeitung dem
Team Spaß gemacht hat – was ein so schlechtes Auswahlkriterium
nicht wäre.
[…]
Vor allem schreit das Buch, zumal der Index, nach weiteren
Suchmöglichkeiten; man möchte den Kontext anderer Redensarten in
der »Fackel« finden. Ganz unpolemisch muss auch ich an Akademie
und Suhrkamp-Verlag appellieren, rasch die rechtlichen Hindernisse
für ein Zugänglich-Machen der eingescannten »Fackel«
in Form einer CD-ROM aus dem Weg zu räumen, selbst wenn deren
Benützung vorerst nur an ausgewählten Institutionen möglich sein
sollte.
[…]
Auch wenn manches noch recht experimentell wirkt, geht das innovative ›Textwörterbuch‹ neue Wege zur Erschließung der »Fackel« und vielleicht überhaupt der Literatur.
Des Präsidenten neue Kleider
Walter Schübler, aus: Wespennest 117 (10. 12. 1999).
»Die erfindende Satire«, heißt es in Fackel 366, 32, »hat
hienieden nichts mehr zu suchen. Es gibt nichts zu erfinden. Was
noch nicht da ist, kommt morgen. Abwarten!« Was nun da ist, ist
dem bombastischen Schwulst, mit dem es seit Jahren angekündigt
wird, angemessen – eine Haupt- und Staatsaktion von Buch, die an
Aufgeblasenheit schwerlich ihresgleichen haben dürfte.
[…]
Mit einem gigantischen Personal- und Sachaufwand »erarbeitet«
Welzig mit dem Wörterbuch der Redensarten ziemlich genau das, was
er im Mai 1995 noch – zu Recht – als »keiner Wortmeldung würdig«
erachtete, als er das »statistische Faktum« des 103maligen
Vorkommens der Redensart »Schulter an Schulter« in der Fackel als
solches qualifizierte: 144 »Redensarten« – von A bis Z […]
werden nach einem gleichbleibenden Schema aus der Fackel exzerpiert.
[…]
Sprachlich und gedanklich peinigend wird versucht,
herbeizuschreiben, was zwar gerade das Novum dieses
Textwörterbuchs ausmachen sollte, was es aber schuldig bleibt:
Belege nicht bloß anthologisch aufzulisten, sondern sich »auf
Redensarten in ihrem Kontext einzulassen«.
[…]
Die rechte Spalte »contains the texts that perform interpretive
actions upon the Fackel Excerpts« […] und ist über weiteste
Strecken gähnend leer. Es wird zwar unablässig versucht, den
»interpretativ hergestellten Sinnzusammenhang«, die
»Rekontextualisierung« herbeizureden, doch werden weder die
Eigennamen, Realien oder Anspielungen der sieben- bis über
siebzigzeiligen Fackel-Zitate im einzelnen erläutert, noch wird
auch nur ein Wort über den Kontext des Entstehens der jeweiligen
Fackel-Texte als Ganzes verloren. Das befremdet in einem Werk,
das sich nicht primär als Nachschlagewerk versteht, sondern als
»Lesebuch«, doch einigermaßen. Vom vielversprechenden
ursprünglichen Konzept, mit einem Textwörterbuch linguistisch-
lexikographische und literaturwissenschaftliche Fragestellungen
zu verknüpfen, ist man alles schuldig geblieben.
[…]
Wird die digitale Fackel öffentlich zugänglich und nutzbar, ist das hypertrophe Projekt, dessen Verdienst sich darin erschöpft, aus dem Fackel-Korpus Material zu kompilieren, endgültig so überflüssig wie ein Kropf. Das Lachen vergeht einem ohnehin, wenn man sich vor Augen hält, was in den gut sechs Jahren, die das Projekt nun läuft, mit dem Aufwand an Personal und Sachmitteln geleistet wurde: Zu 144 Redensarten wurde in der Fackel Material gesammelt – digital, per Volltextsuche. Wozu? Um nachzuweisen, was Kraus’ Zeitgenossen längst schon aufgefallen war und seit Jahrzehnten ein Gemeinplatz der Kraus-Philologie ist: daß Karl Kraus in Redensarten »hineingreift«, daß er sie »abbiegt«, »von hinten anschaut«, sie »aus allen Schlupfwinkeln« treibt (Leopold Liegler, 1882 bis 1949; zitiert nach Welzig).
Harakiri und Wissenschaft
uwm, Süddeutsche Zeitung, 6. 12. 1999.
Die einzigartige Wirkung von Karl Kraus auf seine Nachwelt wird noch
durch den Umstand verstärkt, dass eben diese Wirkung im umgekehrten
Verhältnis zur tatsächlichen Lektüre steht.
[…]
Dass die Zitatenschleuder künftig noch einfacher zu bedienen ist, dafür sorgt
[…] ein »Wörterbuch der Redensarten zu der von Karl Kraus von 1899
bis 1936 herausgegebenen Zeitschrift Die Fackel«
[…]
Das Konvolut ist […] von zweifelhaftem Wert. Argumente gegen die gewichtige
Publikation kommen sogar von Wissenschaftlern, die an ihr mitgewirkt
haben.
[…]
»Geschichterl« (O-Ton der Redaktion) in Randglossen der
Ausgabe ersetzen methodisch abgesicherter Kommentierungen – bei
einem Autor, dem die verkleinernde Nachsilbe zu den »entsetzlichsten
Dingen des Wiener Lebens« zählte. Ein zweiter Index mit 9 000
Wendungen steht unkommentiert hintan. Vielfach bleibt vollkommen
unklar, wer was in welchem Kontext geschrieben oder wen warum und
mit welcher Intention zitiert hat.
[…]
Bleibt am Ende nur die Lektüre des Originals? Mit Sicherheit aber auch eine wiederkehrende »Redensart« von Karl Kraus über akademische »Vielwisser«: Die »dürften in dem Glauben leben, dass es bei der Tischlerarbeit auf die Gewinnung von Hobelspänen ankommt«.