Aus meinen Backups I: Ein Vortrag zum Internet aus dem Jahr 1996

19. Oktober 2016, 15.45 Uhr

Da stöbere ich in alten Backups und stolpere über Notizen zu einem Vortrag zum Thema „Internet“, den ich – damals noch Chefredakteur von pl@net – vor 20 Jahren auf einer von mir längst vergessenen Veranstaltung gehalten habe. 20 Jahre sind eine ziemlich lange Zeit. Doch auch, wenn die ein oder andere Passage von der Realität überholt wurde und manches etwas pathetisch daherkommt – so im Großen & Ganzen hat sich der Vortrag eigentlich auch jenseits des bloßen Dokumenten-Charakters ganz gut gehalten. Der Text ist nur stellenweise ausformuliert, manches ist in Stichworten gehalten, da habe ich wohl frei improvisiert. Ich habe den Text von seinen gröbsten Tippfehlern befreit, die Rechtschreibung aktualisiert und ihn ansonsten unverändert gelassen.

Great Expectations

Meine Damen und Herren,

ich muss Sie enttäuschen: Ich werden Ihnen – im Gegensatz zur Ankündigung im Programmheft – nichts zum Kulturraum Internet erzählen. Es wäre vermessen, glaubte man diesem Thema in 30 Minuten gerecht werden zu können. Doch damit nicht genug: Auch die sich anschließende Frage, ob das Internet Spiegel der Gesellschaft sei, werde ich nicht beantworten. Mein Vortrag könnte sich sonst auf ein einziges Wort beschränken: Nein.

Nein, das Internet ist natürlich kein Spiegel der Gesellschaft. In dieser Frage artikuliert sich weniger der Versuch, in Erfahrung zu bringen, was das Netz ist, sondern nur die völlige Verstrickung im Netz der veröffentlichten Meinungen.

In dieser Frage klingt jene typische Mischung aus Missverständnissen und falschen Hoffnungen an, auf die wir immer wieder und immer häufiger stoßen, wenn’s ums Internet geht.

Dass das Netz ein Spiegel der Gesellschaft sei ist da nur einer und gar nicht mal der größte der populäre Mythen, die zum Thema Internet kursiert.

Ich werde überhaupt keine Frage beantworten, aber dafür um so mehr stellen. Ich habe keine Antworten. Und ich glaube auch nicht daran, dass die einfachen Antworten, die uns die digitalen Heilsbotschaften verkünden, haltbarer sind, als das Computersystem, auf dem ich diese Notizen schreibe.

Statt dessen werde ich mich mit ein paar populären Vorurteilen zum Internet beschäftigen, die inzwischen zu den Gründungsmythen der sich selbst als CyberSociety begreifenden Ansammlung gehören.

Anspruch auf Vollständigkeit wird nicht erhoben.

Dabei ist die allgemeine Hysterie, dieser geballte Willen zum Positiven derart mächtig, dass ich im folgenden manches bewusst über-, aber hoffentlich nicht verzeichne. Man muss in diesem kollektivem Rausch etwas fester auf den Tisch hauen, um den betörenden Stimmen der digitalen Heilspropheten vom Schlag eines Negroponte oder Gates etwas entgegen halten zu können.

Bevor ich mich diesen Mythen widme, zur Einstimmung ein knapper Rückblick auf das Internet als Medienthema und Medienspektakel.

Seit knapp eineinhalb Jahren– also seit Januar 1995 – entdeckt das öffentliche Bewusstsein das INTERNET. Nachdem 1995 immer häufiger das Thema zuerst in der Fachpresse auftauchte, schließlich auch seinen Weg in Tageszeitung und Wochenmagazine fand, signalisierte spätestens das Presse-Echo Ende 1995 auf die sogenannten Newsgroup-Zensur bei Compuserve, dass Online/Internet endgültig zu einem Thema geworden ist, das sein Publikum auch jenseits der kleinen Schar der Fachpresse findet

Anfangs tauchte das Netz – so es nicht ohnehin nur den UNIX-Freaks und der Wissenschaft vorbehalten wurde – am Rande und nur als Kuriosum auf.

Den üblichen Prognose-Artikeln zu Beginn des Jahres ist das Internet entweder nur ein paar Sätze wert oder es taucht erst gar nicht auf. Dafür wurde jedoch der endgültige Durchbruch von Multimedia ebenso prognostiziert wie der Total-Flop von Intels PCI-System eine angeblich sichere Sache war. Heute, 1½ Jahre später, ist PCI das dominierende System und Multimedia noch immer das inhaltsleere Schlagwort, das es seit eh und je ist.

Da, wo man sich vorher für Multimedia und den ConsumerPC begeistern konnte (jener kruden Mischung aus PC und Fernseher, die außer den Markt- und Werbestrategen bei Peacock, Siemens-Nixdorf & Co. niemanden interessiert und schon gar nicht die Konsumenten, die den Schrott gefälligst kaufen sollten), griff immer stärker das Schlagwort vom INTERNET um sich. Plötzlich stolperte man allenthalben über Information-Highway, Datenautobahn, Netz der Netze etc.

Internet – oder genauer: das World Wide Web – tauchte in anfangs nur unter Schlagzeilen wie Online-Absurditäten auf. Das Netz als Tummelplatz allerlei kurioser Gestalten. Typische Meldungen dieser Zeit beschäftigten sich mit den Kaffee-Kameras, der virtuellen Frosch-Sezierung, online Pizzabestellung und so weiter. Im Vordergrund standen eindeutig die Unterhaltung, das Netz war ein kurioses Nebenbei, nichts, was man wirklich kennen muss, aber etwas, was ganz lustig war. Es ist die Zeit, wo der Webauftritt eine Firma noch eine Meldung wert ist.

Im Laufe des Jahres tauchten immer häufiger Direcotries auf (also Web-Wegweiser), die Internet-Yellow-Pages erscheinen (und bekommen prompt eine einstweilige Verfügung: der Begriff „Gelbe Seiten“ ist als Marke geschützt)

Das Thema bekommt einen neuen Unterton. Zur Unterhaltung kommt der schiere Größe und der ein wenig chaotische Charakter des Netzes. Und prompt entsteht ein weiterer Mythos zum Netz: Es ist alles da, man muss es nur finden.

Kaum eine Computer-Zeitschrift kann es sich noch leisten, ohne eigene Internet-Ecke auszukommen, der Focus und Stern richten Computer-Ecke ein,

Allmählich entdecken immer mehr Menschen das Netz und allenthalben bricht die große Sinnsuche aus. Cooles Chaos allein kann’s ja nicht sein, da muss es noch mehr geben. Wo man den Schwerpunkt setzt, hängt von persönlichen Präferenzen ab.

  • Multimedia wieder einmal, diesmal soll das WWW dafür sorgen, dass das Wort einen Sinn bekommt. Zu PC & TV kommt noch online. Set-Top-Boxen. Video on Demand. Es gibt die ersten ernsthaften Experimente mit Liveübertragung im Netz. RealAudio. Rolling Stones.
  • Business Einkaufen übers Internet, das ja für Unternehmen wie Quelle oder Neckermann ohnehin der einzige Sinn einer CD-ROM ist. Das Kaufhaus im Wohnzimmer (fragt sich nur, wo mein Wohnzimmer dann ist)
  • Sicherheit / Paranoia Kreditkarten. Überwachung. Datensicherheit.
  • Schmutz und Schund Kinderpornographie und Neonazis.

Das sind ein paar der wichtigsten Aspekte, die dem Netz in den Medien abgewonnen werden. Heute ist das Internet das große diffuse Etwas, von dem jeder redet, auf das jeder hofft und in das jeder seine Wünsche & Träume projiziert. Und über das eine Reihe von Vorurteilen und Mythen im Umlauf sind.

Mythos 1: Das Netz ist ein Spiegel der Gesellschaft

Das ist aus verschiedenen Gründen falsch und ein wenig unpräzise.

Welche Gesellschaft ist damit gemeint? Unsere? die der USA? gar der Welt?

Aber ganz gleich, welche Gesellschaft wir nehmen – sie wird nicht im Netz gespiegelt. Dafür müsste sichergestellt werden, dass jede Gruppe der Gesellschaft in irgendeiner Form Zugang zu Netz hat (ob direkt oder über eine Lobby ist egal). De facto ist es allerdings so, dass nur ein verschwindend kleiner Teil Zugang zum Netz hat.

Und dieser kleine Teil sitzt außerdem an der Westküste der USA, ist weiß, männlich und so um die 30.

Und exakt diese Gruppe spiegelt sich in der Tat im Netz. Aber das ist wohl nicht gemeint.

Mythos 2: Es steht alles im Netz, man muss es nur finden

Das ist eines der beliebtesten Vorurteile: Das Netz ist schließlich so groß, da muss es einfach zu allem etwas geben. Kaum jemand wendet einen Gedanken daran, dass nur das im Netz ist, was jemand reingetan hat. Bevor Sie einen online-Recherche in, sagen wir mal, Shakespeares Werk starten können, muss sich erst jemand die Mühe gemacht haben, und Shakespeares Werk digitalisiert haben.

Bei Shakespeare haben wir übrigens Glück: Sein Werk gehört zu der – gemessen an der Zahl der publizierten Werke – raren Auswahl an Literatur, die vollständig digitalisiert ist. Dazu gehören noch Klassiker wie z.B. die Bibel oder 1001 Nacht. Aber ansonsten wird’s schon eng. Und dazu muss man gar nicht mal besonders ausgefallene Autoren suchen: Selbst Goethes Werk ist im Internet auch nicht annähernd präsent.

Die Inhalte des Netzes unterliegen der völligen Willkür der Teilnehmer, selten, dass jemand im staatlichen oder kommerziellem Auftrag Inhalte digitalisiert, fast immer stammen die Inhalte von Enthusiasten, von Fans, die in nächtelanger, aufopferungsvoller Arbeit den Inhalt ins Netz hacken.

Und so finden wir eine ganze Menge Material zu populären Kultur, ein paar abseitige Anekdoten, wenig (geistes)wissenschaftliches – und eigentlich nichts wirklich brauchbares.

Denn wer freiwillig eine Arbeit übernimmt, der kann sie auch freiwillig wieder aufgeben. Was zur Konsequenz hat, dass die meisten Sites eher einem ungepflegte Schrottplatz gleichen als einer Bibliothek. Möglichkeiten, die Informationen, die aus dem Netz stammen, zu verifizieren haben Sie kaum: Vertrauen ist der Anfang von allem.

Mythos 3: Im Internet weiß niemand, wer Du bist oder Die Identität kann frei gewählt werden.

Das ist wohl der populärste Mythos übers Netz. Und seltsamerweise auch der beliebteste. Da mich keiner sieht, erkennt mich auch keiner. Wenn ich will, dann kann ich mir ein völlig neues Ich erschaffen, einen neuen Körper, eine neue Biographie.

Sind wir uns selbst derart unerträglich geworden, dass wir uns nichts dringlicher wünschen, als uns neu zu erfinden? Sind wir uns selbst eine derartige Last, dass wir uns danach sehnen, jemand anders zu sein? Ist uns unser Körper so widerlich, dass wir uns vom ihm schleunigst trennen müssen?

Wie auch immer – alles was ich tun muss ist, es den anderen im Netz zu erzählen. Ich schreibe. Und so bin ich.

Bei Gates ziemlich unerträglichem Buch über Den Weg nach vorn findet sich die Vision eines Bildtelefons, bei dem das Bild nicht live abgefilmt wird, sondern vom PC in Echtzeit berechnet. Die Art und Weise, wie Gates davon schwärmt, sagt uns einiges über Billies Neurosen und ziemlich offensichtlicher Körperfeindlichkeit (und nichts über die Netzrealität).

Seine Vision plaudert arglos aus, was der Preis wäre, den wir für die Verwirklichung dieser Vision zu zahlen hätte: Mit unseren Körpern verlieren wir vieles. Und unter anderem auch das Vertrauen in uns und unsere Mitmenschen. Gates Paradiesvision gerät ihm unter der Hand zur Beschreibung einer zwischenmenschlichen Hölle aus Unzufriedenheit, Missgunst, Neid und Lüge:

Genauso einfach wird Ihr Telefon ein Bild senden können, auf dem jemand anders Ihre Worte spricht, oder eine idealisierte Version von Ihnen. Wenn Sie mit einem Unbekannten sprechen und einen Leberfleck oder ein schlaffes Kinn verbergen wollen, wird der Anrufer oder die Anruferin nicht entscheiden können, ob Sie wirklich so große Ähnlichkeit mit Cary Grant (oder Meg Ryan) haben oder ob Ihr Computer ein bisschen nachgeholfen hat.

Und außerdem – aber das verschweigt Gates – können wir es niemals mehr wissen.

Ist der Zweifel erstmal gesät, kann die Ernte nur noch Zwietracht sein.

Glücklicherweise ist aber die ganze Aussage vom Bildtelefon der Zukunft ebenso pubertärer Techno-Quatsch wie die Behauptung, dass man sich neu erfinden könne. Wir nehmen uns immer mit, auch in den Cyberspace. Sein Ich wird man nicht los.

Natürlich kann man einfach behaupten, man sei jemand anders – aber das hält man nicht lange durch: Ein komplettes Leben zu erfinden kann anstrengender sein, als sich mit seinem eigenem abzufinden. Alles andere gehört in die Psychiatrie

Mythos 4: Das Internet ist ein demokratisches Medium und erzieht zur Toleranz

Noch ein Wunschtraum, der mehr über uns als über die Realität sagt. Nein, weit davon entfernt, dass das Netz demokratisch sei, ist es ein Medium, in dem immer noch der Stärkere siegt. Wo es keine Regeln gibt, gibt es auch keine Verpflichtungen. Und wo ich nicht zur Verantwortung gezogen werden kann, kann ich tun und lassen was ich will.

Dementsprechend ist das Netz keine Gemeinschaft (allenfalls in der Arroganz einig, etwas besseres zu sein). Das Netz zerfällt in unzählige egoistische Monaden. Fremdenfeindlichkeit, Hass auf Andersdenkende, Sektierertum etc. sind weit eher für das Miteinander im Netz typisch.

Sicher, es gibt die von Howard Rheingold beschworenen Virtuellen Gemeinschaften, aber sie sind sehr sehr selten. Als Karin Spaink in pl@net über Ihre ausnehmend positiven Erfahrung mit ihrer Newsgroup nl.misc berichtete, über den sozialen Charakter der Gruppe, den Zusammenhalt und über die Sympathiebekundungen, die sie erfahren hatte, bekam sie von deutschen Lesern E-Mails, mit der Bitte, sie in die Newsgroup einzuführen. Offensichtlich hatte Karins Beschreibung einen Wunsch getroffen.

Die Toleranz des Netzes, die vor allem von den selbstverliebten Netzbewohnern behauptet wird, ist meist sofort erschöpft, wenn sich ein paar Leute nicht an die Spielregeln halten. Oder aber wenn sie nicht der aktuellen Mode gehorchen (und z.B. über einen AOL-Account ins Netz gehen). Die Vorurteile blühen im Netz mindestens genauso heftig

Die Gruppe ist nur zu ihren eigenen Mitgliedern tolerant. Wen wundert’s? Mich nicht.

Mythos 5: Das Internet ist ein Meer aus Informationen

Machen wir’s kurz: Aus einem willkürlichem Durcheinander von Einsen und Nullen wird nicht qua Verfügbarkeit Information. Der egalitäre Charakter des Netzes besteht ja recht eigentlich darin, dass es in ihm keine Bedeutungen, sondern nur noch Zeichen gibt. Wo alles – vom Pornofoto bis zum Bibelvers – auf 1 und 0 reduziert wird, ist auch alles wortwörtlich: gleich-gültig.

Informationen sind Daten im Kontext. Nicht Daten auf einem Haufen, durch den ich mich per Hyperlink faul hindurchklicke. Die Information, in deren Erlangung ich nur ein paar müßige Mausklicks investieren muss, ist wertlos. Sie versinkt im ewigen Einerlei des Datenmüllkippe Internet.

Was leicht erreicht wird, wird auch leicht verloren. Was ich ohne Einsatz bekomme, verliert an Wert. Wo jeder Wunsch sofort befriedigt wird, bin ich wunschlos unglücklich. Wo überall etwas ist, ist kein Platz mehr für mich.

Mythos 6: Mit dem Netz wird alles gut

Das traut sich so deutlich fast keiner zu sagen, selbst der Überoptimist Negroponte gibt ein paar Schattenseiten des herbeigewünschten digitalen Paradieses zu. Aber nur, um sie mit hemdsärmeligem Optimismus um so nachhaltiger zu bannen.

Das Internet soll alle Probleme lösen, mit denen wir uns herumschlagen. Das Paradies ist Morgen, wartet’s nur ab. Und immer ist die nächste Generation von Hardware / Software der Glückbringer. Je kürzer die Lebenszyklen, um so hektischer die Prognosen. Manchmal erinnert das ganze an die Situation im frühen Christentum: Jeden Augenblick geht die Welt unter und kommt das Jüngste Gericht. Und wenn nicht heute, dann morgen.

Und so taumeln wir in eine glorreiche Zukunft, die jeden Augenblick anbricht. Reisende in einem ewigen Kreuzzug ins Glück, wie ihn die Toten Hosen besingen: »Mit vollem Bauch / und leerem Kopf, auf einem Auge blind / wir stolpern einfach vorwärts / in ein weiteres Jahrzehnt«.

Derzeit wird das Paradies angeblich noch von den fehlenden Bandbreiten aufgehalten. Der Ausbau der digitalen Straßen werde zur Erfüllung führen. Das ist völliger Quatsch. Als hätte der Straßenausbau jemals zu einer Regulierung des Verkehrs geführt. Das ist eine regressive Phantasie, die allerdings in der gegenwärtigen Lemming-Gesellschaft Hochkonjunktur hat. Ein kindisches Augen-Verschließen: Vor den realen Problemen. Vor den realen Möglichkeiten. Vor den eigenen Fähigkeiten. Und vor allem: Vor den Grenzen.

So, wie die nahe Zukunft das Leben der Gegenwart verdrängt, so lenkt die schon zwanghafte Fixierung auf den globalen Charakter des Netzes von den lokalen Möglichkeiten ab.

Menschen, die es nicht fertigbringen, sich mit ihren realen Nachbarn zu unterhalten, brennen angeblich nur so darauf, sich mit virtuellen Geistesverwandten in Japan auszutauschen. Da fragt man sich, was schlimmer ist: Diese ahnungslose Überzeugung – oder unsere fatale Ahnung, dass das tatsächlich so sein könnte.

So wurde mir in einer Online-Diskussion zum Thema »Cyberpolitik« allen Ernstes entgegengehalten:

BTX selber halte ich nun nicht für der Weisheit letzten Schluss, vor allem weil es ein nationales Konzept ist. Das Internet hingegen ist international und damit den Vorstellungen der SPD deutlich näher.

Wer über die Zukunft nachdenkt, der kann sich nun mal nicht mehr um den Kleinkram des Alltags kümmern. Wer das Große Globale Ganze in den Blick nimmt, der verliert die lästigen lokalen Lappalien aus den Augen. Das mag mancher vorausschauend & planend nennen. Das kann man aber auch als infantile Fluchtbewegung interpretieren und für durchaus typisch halten.

Es wird Zeit, die Erwartungen etwas nach unten zu stimmen. Wenn wir nicht mehr das Paradies anpeilen, könnte es uns vielleicht gelingen, den Alltag zu bestehen. Wer vom Web nicht gleich die Lösung seiner Probleme erwartet, kann das enorme Potential von E-Mail oder dem Usenet nutzen.

Wir leben heute, nicht morgen. Unser Leben muss in der Gegenwart gelingen, nicht in der Zukunft. Das Leben ist jetzt. Oder gar nicht.

Abschließend ein Leserbrief zur Kündigung des Abo:

Ich möchte mein Abo der Zeitschrift »pl@net« hiermit kündigen. Der Grund liegt nicht in der Qualität des Magazins, sondern darin, dass ich meinen langjährigen Online-Account nicht mehr habe. Er hat mir außer leidenschaftlich tiefer Frustration und hoher Telefonrechnungen ohnehin nie etwas gebracht.

Mit freundlichen Grüßen
….

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Brother HL-1430 und die „geplante Obsoleszenz“

3. Oktober 2016, 10.35 Uhr

Es ist ja immer mal wieder die Rede von geplanter Obsoleszenz – mag sein, dass es das gibt. Für meinen um die 15 Jahre alten Laserdrucker Brother HL-1430 gilt das jedenfalls nicht, der druckt seit eh und je brav vor sich hin. Heute hat er sich allerdings endgültig geweigert, auch nur noch 1 Seite auszugeben: Die Trommel ist nach exakt 17.331 Seite am Ende. Bislang hab ich in all den Jahren nur gelegentlich neuen Toner gebraucht, jetzt also eine neue Trommel für ca. 21 Euro.

Ich war kurz versucht, gleich einen neuen Drucker zu kaufen, etwa den Brother HL-L2340DW für knapp 100 Euro. Das „D“ steht für Duplexdruck, das „W“ für WLAN. Beides wäre ausgesprochen praktisch. Ich drucke zwar nur wenig, aber ein paar Mal im Jahr dann doch mehrere Hundert Seiten am Stück. Da wären diese beiden Eigenschaften schon arg bequem (ganz zu schweigen davon, dass der neue Drucker sehr viel schneller und besser druckt).

Doch Bequemlichkeit und besseres Druckbild hin oder her – die Druckqualität des HL-1430 reicht, seine Druckgeschwindigkeit auch, für den Doppelseitendruck kann ich die Seiten wie gewohnt manuell umdrehen, WLAN ist nett, aber kein Muss. Es widerstrebt mir einfach, Geräte, die zwar etwas in die Jahre gekommen sind, aber tadellos funktionieren, kurzerhand wegzuwerfen (verkaufen könnte ich den bei den aktuellen Preisen wohl nicht mehr).

Also hab ich mich dann doch für eine neue Trommel entschieden. Und wer weiß ob ein neuer Brother-Drucker noch so robust und zuverlässig ist wie mein guter alter HL-1430.

Update 6. Oktober: Da hab ich mich wohl leider zu früh gefreut. Der Drucker nimmt die neue Trommel auch nach einem Trommel-Reset nicht an, nach ca. 50 Seiten war’s aus. Er würde wohl noch weiter drucken, wenn ich Original-Bauteile von Brother benutzte. Aber die kosten mehr als der ins Auge gefasste HL-L2340DW, den ich jetzt dann doch bestellt habe.

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Schwierige Screenshots mit iOS ganz einfach

25. September 2016, 13.50 Uhr

Bildschirmfotos mit iOS sind eigentlich ganz simpel: Gleichzeitig Standby- und Home-Taste drücken, und schon landet der aktuelle Bildschirminhalt als PNG-Datei in der Fotos-App. Problematisch wird es nur, wenn man Inhalte einfangen will, die sich partout nicht einfangen lassen.

Möchte man etwa zeigen, wie das iPhone auf das Ausschalten reagiert, weigert sich iOS, das Bild zu speichern. Probleme gibt es auch mit Bildschirmfotos von der Einrichtung von Touch ID. Hier wird der Druck auf die Home-Taste als Eingabe für Touch ID gewertet. Möchte man einen eintreffenden Anruf per Screenshot dokumentieren, geht das ebenfalls nicht, da hier der Druck auf die Standby-Taste als Abbruch interpretiert wird. Schwierig wird es auch, wenn man mit zwei Fingern auf dem Display eine Geste macht, deren Auswirkung dokumentiert werden soll – es ist dann praktisch unmöglich, auch noch die Standby- und Home-Taste gleichzeitig zu drücken. Zudem hat Apple mit iOS 10 den DRM-Schutz für Videos verschärft. Bei Screenshots von Videos wird nur ein schwarzer Bildschirm eingefangen, zu sehen sind allenfalls eingeblendete Menüs und Navigationselemente, das Standbild vom Video wird nicht übernommen.

Assistive Touch iOS 10Für die meisten Probleme gibt es aber eine verblüffend simple Lösung: AssisitiveTouch. Dabei wird eine bewegliche Taste auf dem Bildschirm eingeblendet, über die sich eine Reihe von Systemfunktionen aufrufen lassen, insbesondere solche, für die man den Home-Button drücken muss. Gedacht ist diese Funktion natürlich für Personen, deren Muskelkraft nicht ausreicht, um einen vom System erkennbaren Druck auszuüben oder die aus anderen Gründen nicht in der Lage sind, auf den Home-Button zu drücken oder etwa die Mitteilungszentrale aufzurufen.

Mit AssistitveTouch lassen sich standardmäßig die wichtigsten Grundfunktionen aufrufen, aber auch eine von 15 weiteren Funktionen konfigurieren – darunter auch: Bildschirmfoto.

AssistiveTouch wird über Einstellungen > Allgemein > Bedienungshilfen > AssistiveTouch aktiviert. Hier wählt man Hauptmenü anpassen, tippt auf eine beliebige Taste und belegt diese mit Bildschirmfoto. Alternativ lässt sich auch eine neue Taste hinzufügen, der man diese Funktion zuweist. In Zukunft lässt sich praktisch alles, was auf dem iPhone-Bildschirm zu sehen ist, problemlos als Screenshot einfangen. Dazu tippt man auf die graue Taste zum Aufruf von AssistiveTouch und dort auf Bildschirmfoto.

Bleibt noch das Problem mit Screenshots von Videos. Hier hilft AssisitveTouch leider nicht weiter. Möchte man die Video-Wiedergabe in einem Screenshot einfangen, dann geht das nur, wenn man den Bildschirminhalt des iPhones oder iPads am Computer spiegelt und dort einen Screenshot macht (das kann der Mac mit dem Quick Time Player übrigens von Haus aus).

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„Ähnliche Videos“

12. September 2016, 13.47 Uhr

Wenn Algorithmen ähnliche Videos empfehlen, dann kommt so etwas dabei heraus:

Screenshot von welt.de

Gesucht hatte ich nach Animationen, die Angriffe via Internet in Echtzeit visualisieren. Gefunden hab ich unter anderem die Cyberthreat real-time map von Kaspersky. Und ein Video bei welt.de. Der Beitrag heißt: „3D-Animation zeigt Cyber-Angriffe in Echtzeit“. Das sind die 10 Videos, die welt.de für ähnlich hält:

  • Vier von zehn Deutschen würden auf Sex verzichten
  • Darum könnte der Brexit eine Chance für die EU sein
  • Zu dieser Uhrzeit sollten Sie tanken
  • Livestream – FDP-Chef Lindner zur Flüchtlingspolitik
  • Das ist die höchste Schrägseilbrücke der Welt
  • So schlecht steht es um Deutschlands Straßen
  • Das sommerliche Wetter kommt für den Urlaub zu spät
  • Discounter kämpfen gegen Billig-Image
  • 8000 Jobs bei Kaiser´s Tengelmann in Gefahr
  • Lufthansa will Strecken von Air Berlin übernehmen

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Kleine Nachhilfe für Frauke Petry

11. September 2016, 13.47 Uhr

Wie Die Welt meldet, möchte Frauke Petry, dass das Wort „völkisch … wieder positiv besetzt ist“. Die Klassifzierung des Begriffs als „rassistisch“ sei eine „unzulässige Verkürzung“. Dumm nur, dass der Begriff immer schon rassistisch/nationalistisch war und positiv nur von Rassisten/Nationalisten und natürlich den Nationalsozialisten benutzt wurde.

Ich glaube, Frau Petry braucht ein klein wenig Nachhilfe. Schauen wir und doch einfach mal in Googles Ngram-Viewer an, wann das Wort seine Blüte hatte:

Google Ngram-Viewer für 'völkisch'

Tja. Das ist ein eindeutig besonders zwischen 1933 und 1945 sehr beliebter Begriff – wie um alles in der Welt soll der heute „wieder positiv besetzt“ werden? Und was weiß das Wörterbuch „NS-Deutsch. ‚Selbstverständliche‘ Begriffe und Schlagwörter aus der Zeit des Nationalsozialismus“ von Karl-Heinz Brackmann und Renate Birkenhauer (Straelen 1988) zu diesem Begriff (S. 194) zu sagen? Das hier:

völkisch
[…] um 1875 aufgekommene Verdeutschung von ‚national‘ mit der Bedeutung: rassisch und „blutmäßig“ bedingt; positiver Gegenbegriff zu dem verachteten Wort „international“ (das meist mit dem Zusatz „jüdisch“ versehen wurde) […] „darum arbeiten völkische und politische Erziehung weniger mit Verstandesübungen als mit Symbolen. Im Hakenkreuz und Hitlergruß, im Glauben an Blut und Boden und an das Dritte Reich stecken bindende Kräfte.“

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Algorithmen als Spiel

5. September 2016, 13.31 Uhr

Algorithmen und Programmierung können ausgesprochen lustig daherkommen – zum Beispiel in Form des Logik-Puzzles Human Resource Machine (Windows, Mac, iOS), von den Leuten, denen wir auch die hübschen Spiele „World of Goo“ und „Little Inferno“ verdanken. Bei Human Resource Machine muss man kleine Programmieraufgaben lösen. Dazu steuert man ein Männchen, dessen Job darin besteht, Pakete, auf denen Ziffern und Buchstaben stehen, von der Inbox in die Outbox zu befördern. Zur Steuerung stehen einfache Anweisungen zur Verfügung, die im Laufe des Spiels stetig erweitert werden. Aus diesen Anweisungen lässt sich einfacher Programmcode erzeugen, den das Männchen ausführt – immer unter den strengen Augen seiner Vorgesetzten, die ihn bei Fehlern anraunzen. Programme setzt man einfach zeilenweise zusammen, man kann kleine Testläufe durchführen, ein Programm Schritt für Schritt ausführen und gegebenenfalls debuggen.

Anfangs ist alles noch ganz einfach, da hat man die Befehle inbox – das Männchen nimmt ein Paket aus der Inbox – und outbox – das Paket wird in die Outbox gelegt. Die erste Aufgabe besteht darin, den Inhalt der Inbox in die Outbox zu befördern. In der Inbox sind drei Pakete, also:

inbox
outbox
inbox
outbox
inbox
outbox

Beim nächsten Mal kommt ein jump hinzu. Man soll wieder alle Pakete von der In- in die Outbox befördern, aber nur 3 Anweisungen benötigen:

inbox
outbox
jump inbox

Mit jedem Level werden die Aufgaben etwas komplizierter, es kommen Anweisungen wie copyto, copyfrom, add oder jump if zero hinzu, als Zwischenspeicher dient der Fußboden. Später werden vermutlich noch weitere Anweisungen hinzukommen, aber so weit bin ich noch nicht.

Das klingt jetzt ziemlich abstrakt und nicht besonders spaßig – also rasch ein Beispiel. Hier soll man alle Nullen in die Outbox befördern:

Human Resource Machine Screenshot

Die Lösung dieser Aufgabe ist simpel. Aber es gibt auch Sonderaufgaben für die Größe und die Laufzeitoptimierung:

Human Resource Machine Screenshot

An der Laufzeitoptimierung hänge ich derzeit übrigens fest (ich könnte natürlich auch einfach mit dem nächsten Level weitermachen).

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Why can’t we have one of those?

31. Mai 2016, 13.22 Uhr

In der Folge „Ted“ der zweiten Staffel von „Buffy the Vampire Slayer“ scheint es so, als habe Buffy einen Menschen getötet. In der deutschen Fassung gibt es daraufhin folgenden Dialog:

Cordelia: Ich versteh’ das nicht. Buffy ist die Jägerin. Sollte sie nicht sowas …
Xander: … wie ’ne Lizenz zum Töten haben?
Cordelia: Nicht einfach so, aber sie ist so etwas wie Superman. Sollten für sie nicht andere Regeln gelten?
Willow: Klar doch, vielleicht in ’ner Diktatur.
Cordelia: Genau! Na ja, wär wohl der einzige Vorteil daran.

Ziemlich langweilig und sehr brav. Das Original schlägt da doch deutlich andere Töne an:

Cordelia: I don’t get it. Buffy’s the Slayer. Shouldn’t she have …
Xander: What, a license to kill?
Cordelia: Well, not for fun. But she’s like this superman. Shouldn’t there be different rules for her?
Willow: Sure, in a fascist society.
Cordelia: Right! Why can’t we have one of those?

Dazu passt auch: Superfrau, Nazi like.

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Die Listings aus „Jetzt lerne ich PHP & MySQL“ (2012)

19. März 2016, 12.13 Uhr

Vor rund vier Jahren erschien beim damaligen Verlag Markt + Technik mein Buch „Jetzt lerne ich PHP & MySQL“, ein gutes halbes Jahr nach Erscheinen stellte Markt + Technik den Computerbuch-Bereich überraschend ein*, ein paar Monate später wurde der Verlag komplett verkauft. Die Namensrechte und das Logo wurden von anderen übernommen, so dass es heute zwar wieder Bücher von Markt + Technik gibt, die aber mit dem ursprünglichen Verlag nichts zu tun haben.

Auf der U4 meines Buches steht eine Webadresse, unter der man die Listings aus dem Buch herunterladen konnte. Diese Adresse führt heute natürlich ins Leere.

In letzter Zeit habe ich mehrfach Leserpost bekommen, in denen nach den Listings zum Buch gefragt wurde. Da ich die Listings selbst nicht mehr greifbar hatte, habe ich diese Anfragen leider alle negativ beantworten müssen. Aber jetzt habe ich mir mal ein wenig Zeit genommen und etwas tiefer in meinen Backups und Archiven gewühlt. Und siehe da: Die Manuskriptdateien sind zusammen mit den Listings wieder aufgetaucht.

Ich stelle die Listings also hier zum Download bereit – enter at your own risk!

Cover Damaschke Jetzt lerne ich PHP & MySQLHinweis: Das Buch ist aus dem Jahr 2012 und hat etwas Patina angesetzt. Die Listings werden so bereitgestellt, wie sie sind. Support kann ich nicht leisten, Fragen zur Programmierung nicht beantworten:

Die Listings aus „Jetzt lerne ich PHP & MySQL“ (2012) (ZIP-Datei)

* Die Einstellung kam aus heiterem Himmel und sorgte dafür, dass meine Kalkulation, die auf der Annahme basierte, das Buch werde mehrere Jahre lieferbar sein, gewaltig in die Binsen ging. Für mich war das Buch ein empfindliches Verlustgeschäft, das die ökonomische Grundlage meiner kleinen Textmanufaktur in bedrohliche Schieflage brachte. Für 4 Monate Arbeit an dem Buch habe ich rund 1.800 Euro bekommen, an den antiquarisch verkauften Bücher verdiene ich nichts.

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24 Nullen oder Gottes Größe

20. Februar 2016, 22.53 Uhr

B.: Für die weltanschauliche Einstellung Mays während der erwähnten ersten drei Perioden, seien stellvertretend die behäbig=verantwortungslosen ‹Geografischen Predigten› erwähnt; aus der Perlenschnur der Platitüden nur eine …….

C. (kindlich=wichtig, voll kleiner Gelehrsamkeit): »Die Heimat des Menschengeschlechtes, Erde genannt, die sich mit einer Geschwindigkeit von 1687 Komma 5 Kilometern in der Stunde um sich selber bewegt, wiegt ungefähr sechs Null Null Null Null (leiser werdend, immer weiter, bis 24 Nullen voll sind) ……«

A. (hineinsprechend): Er erspart uns von der Quadrillion keine der 24 Nullen, auch im Druck nicht: und wo wäre der Verstockte, der bei 24 Nullen nicht Gottes Größe empfindet?!

Arno Schmidt: „Abu Kital. Vom neuen Großmystiker“. (1957, BA II/2, S. 31–59; hier: S. 42)

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Old Shatterhand in Moabit

19. Februar 2016, 13.09 Uhr

Am 12. April 1910 erlebte Karl May eine der schlimmsten Niederlagen seines Lebens. Vor dem „Königlichen Schöffengericht Charlottenburg“ unterlag der Schriftsteller in seiner Privatklage gegen Rudolf Lebius, dem er es untersagen lassen wollten, ihn als „geborenen Verbrecher“ zu bezeichnen. Der Prozess wurde zu einem Debakel für May, der den Fall in greller Verkennung der Realität als reine Formsache betrachtete, sich selbst eher ungeschickt verteidigte, und am Schluss gegen den unglaublichen Wust an Verzerrungen, Verleumdungen und dreisten Lügen nur noch ein hilfloses „Es ist ja alles gar nicht wahr“ vorbringen konnte. Erst 20 Monate später, am 18. Dezember 1911, kam es in einem Berufungsverfahren in Berlin-Moabit zu einer letzten Genugtuung. In dem Verfahren, in dem May nun, auf Vermittlung Maximilian Hardens, den renommierten Strafverteidiger Erich Sello an seiner Seite hatte, wurde Lebius schließlich verurteilt. Während der erste Prozess eine auch für heutige Verhältnisse unglaubliche Pressekampagne gegen May zur Folge hatte, löste die Rehabilitierung praktisch kein Echo mehr aus. Wenige Monate später war May tot.

Um diese beiden Prozesse kreist Walter Püschels kleines Hörspiel „Old Shatterhand in Moabit“, das der Autor 1988 für den Berliner Rundfunk (DDR) schrieb, und das nun in einer wohlfeilen Edition bei Pidax Film erschienen ist. Das gut 40-minütige Hörstück montiert erläuternde Sprechertexte mit fiktiven Spielszenen, in denen uns ein altersmüder Karl May (glänzend gesprochen von Günter Naumann) präsentiert wird, der gleichsam in einer eigenen Zwischenwelt lebt, in der sich Realität und Fiktion übergangslos mischen und nicht mehr klar zu trennen sind. So kann er sich einerseits immer wieder angelegentlich und ernsthaft beim Hotelportier erkundigen, ob denn immer noch kein Brief von Lord Lindsay eingetroffen sei oder Klaras Hinweis, ihr Mann sei „müde von der Reise“ kühl mit einem „Ich habe andere Strapazen aushalten müssen als eine Bahnfahrt von Radebeul nach Berlin“ kontern (was nun allerdings, recht bedacht, durchaus stimmt) und doch gleichzeitig mit seinen Rollen und Gesten eher spielerisch umgehen. Püschels Hörspiel ist sicherlich kein Meilenstein, aber ein schönes und anrührendes Dokument, das jedem May-Freund die letzten Lebensjahre Karl Mays ein wenig näher bringen kann. Als „Bonusmaterial“ hat Pidax dem Hörspiel ein Radio-Feature von Christian Heermann beigegeben. In knapp 30 Minuten zeichnet „Meine bösen Jahre“ (1986) die politischen Hintergründe um die beiden Prozesse und den Fall May vs. Lebius nach. Im schönsten DDR-Jargon, aber in der Sache korrekt und engagiert.

Walter Püschel: Old Shatterhand in Moabit; Christian Heermann „Meine bösen Jahre“. 1 CD, 72 Minuten. Pidax film 2015; 4,90 Euro.

Geschrieben für „Karl May & Co“

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Umzugsarbeiten (III)

25. Januar 2016, 10.44 Uhr

Nach einem kleinen Malheur mit falschen DNS-Einstellungen sind nun auch die beiden Blogs Der Briefwechsel zwischen Schiller und Goethe und Gespräche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens auf den neuen Server umgezogen. Es kann sein, dass die RSS-Feeds neu abonniert werden müssen.

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Der Mac für Ein- und Umsteiger: El Capitan

25. Januar 2016, 10.41 Uhr

Giesbert Damaschke Der Mac für Ein- und Umsteiger CoverEinmal im Jahr aktualisiert Apple sein Betriebssystem OS X, einmal im Jahr aktualisiere ich mein Buch „Der Mac für Ein- und Umsteiger“. Das ist auch heuer nicht anders: Die Ausgabe zu El Capitan gibt es derzeit als E-Book, die gedruckte Version kommt am 4. Februar:

Der Mac für Ein- und Umsteiger. OS X El Capitan Grundlagen einfach und verständlich. Obergriesbach: Amac-Buch 2016. ISBN 978-3-95431-041-8. 372 Seiten. 19,95 Euro.

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Das sind die Fakten

1. Januar 2016, 14.01 Uhr

Die ARD klärt auf:

Screenshot Newsfeed Tagesschau

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Erst als der Schnee verschwunden war, fand man seine Leiche und auch die Brote.

30. Dezember 2015, 17.56 Uhr

Karl Mays Autobiographie „Mein Leben und Streben“ ist ein anrührendes Dokument der Selbsterforschung und ein Stück unverächtlicher Prosa, dessen lakonischen Beginn ich nicht ohne Erschütterung lesen kann:

Ich bin im niedrigsten, tiefsten Ardistan geboren, ein Lieblingskind der Not, der Sorge, des Kummers. Mein Vater war ein armer Weber. Meine Großväter waren beide tödlich verunglückt. Der Vater meiner Mutter daheim, der Vater meines Vaters aber im Walde. Er war zu Weihnacht nach dem Nachbardorf gegangen, um Brot zu holen. Die Nacht überraschte ihn. Er kam im tiefen Schneegestöber vom Wege ab und stürzte in die damals steile Schlucht des „Krähenholzes“, aus der er sich nicht herausarbeiten konnte. Seine Spuren wurden verweht. Man suchte lange Zeit vergeblich nach ihm. Erst als der Schnee verschwunden war, fand man seine Leiche und auch die Brote.

Karl May, Mein Leben und Streben, 1910

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Umzugsarbeiten (II)

29. Dezember 2015, 9.33 Uhr

Nachdem im Zuge der Umzugsarbeiten die Site zu Hans Wollschläger und die Mailinglisten zu Arno Schmidt, Karl Kraus und Karl May inzwischen auf den neuen Server umgezogen sind, bin ich jetzt dabei, nach und nach meine anderen Sites ebenfalls umzuziehen, was noch einige Zeit dauern wird.

Dabei habe ich mich dazu entschlossen, insidemac-blog.de ganz aufzugeben. Ich habe einfach keine Zeit, das Blog regelmäßig mit Inhalten zu befüllen (2015 gab es dort ganze sechs Beiträge). Also hatte ich dort kurzerhand einen Redirect eingerichtet, der ohne Rückfrage und Information direkt zu damaschke.de umleitet.

Das aber scheint zu Irritationen zu führen und bescherte mir diese Lesermail:

Betreff: insideMac-So bekommen Sie Ihre Mails von Thunderbird
Guten Tag,

an Hand Ihrer Bücher über Macbetriebssysteme, habe ich Sie für einen seriösen Autor gehalten.

Aber diese Adresse lehrt mich eine gespaltene Zunge kennen gelernt zu haben.

Das mußte ich los werden.

[Name]
PS. ich möchte keine Diskussion
.

Also gibt es beim Aufruf von insidemac-blog.de jetzt einen Hinweis.

Nebenbei: der im Betreff der Mail eines frustrierten Lesers genannte Beitrag ist von 2008 und seit langer Zeit obsolet – Mail kann Thunderbird-Daten inzwischen direkt und ohne Umwege importieren.

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Neues aus der Wortspielhölle

13. Dezember 2015, 12.56 Uhr

Macbett, München

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Umzugsarbeiten

12. Dezember 2015, 14.53 Uhr

Ich bin dabei, meine bislang auf drei Server verteilte Sites auf einen gemeinsamen Server umzuziehen. Die Umzugsarbeiten bei www.hans-wollschlaeger.de sind abgeschlossen, die diversen anderen Sites werden im Laufe der nächsten Wochen/Monate folgen.

Im Rahmen dieser Umzugsarbeiten werden auch die bislang unter damaschke.de betriebenen Mailingliste eine andere Heimat finden: www.gelehrtenrepublik.de.

Den Anfang macht die Mailingliste der Karl-May-Gesellschaft, die bereits umgezogen ist.

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Dr. May erklärt die Welt (19): Woran man einen falschen Charakter erkennt

24. November 2015, 10.28 Uhr

Es kam ein kleiner, dicker Kerl in den Hof, welcher nicht den allerbesten Eindruck auf mich machte. Er schielte. Zwar bin ich keineswegs gegen Leute, welche an diesem Naturfehler leiden, voreingenommen; aber der Mann hatte einen schleichenden, katzenartigen Gang und eckig gebogene Kinnbacken, und ich habe stets gefunden, daß solche Personen einen falschen Charakter besitzen.

Karl May, In den Schluchten des Balkan (1892) (Fehsenfeld IV, S. 349)

Weitere Welterklärungen von Dr. May.

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Dr. May erklärt die Welt (18): Warum der Westläufer keine freie Stunde hat

3. September 2015, 10.43 Uhr

Winnetou, der größte Meister im Lanzenwerfen und Lanzenfechten, hatte sich auch da so lange mit mir abgequält, bis wenigstens etwas sitzen geblieben war. Bei einem Westläufer giebt es eben keine freie Stunde; hat er nichts anderes zu thun, so übt er sich. Daher die staunenswerte Fertigkeit und Sicherheit, die man an solchen Leuten zu bewundern hat. Wer da nur zuschaut, hat keine Ahnung von der Mühe und Arbeit, welche dazu erforderlich war.
Karl May, Satan und Ischariot II (1896/1897)

Weitere Welterklärungen von Dr. May.

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Ein Bierdeckel

18. Juli 2015, 12.34 Uhr

Die Rückseite eines Bierdeckels der Ayinger-Brauerei:

Bierdeckel Aying Rückseite

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