Pustekuchen

30. Januar 2010, 20.50 Uhr | Giesbert Damaschke

Ab und an betreibe ich das, was als Vanity- oder auch Egosurfing bekannt ist: Ich gebe meinen Namen in Google ein und schaue nach, was dabei herauskommt. Da findet man mitunter erstaunliches. Zum Beispiel, dass Amazon in den USA zwei Bücher von mir aufführt, die mir bis dato völlig unbekannt waren:

Ein Sachbuch für Schüler? Meinetwegen. Aber einen Radatlas? Zu Mallorca?

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Das Opfer des Bombardements von Kundus in Afghanistan

23. Januar 2010, 11.29 Uhr | Giesbert Damaschke

Aber als dann Franz Josef Jung Opfer des Bombardements von Kundus in Afghanistan wurde …

Stephan-Andreas Casdorff, Chefredakteur des Berliner Tagesspiegel; via Riesenzwerge.

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DVDs im Dezember

1. Januar 2010, 13.01 Uhr | Giesbert Damaschke

The Incredible Hulk (2008)
Nach Ang Lees enttäuschender Filmversion der Hulk-Comics aus dem Jahr 2003 muss man schon von seinem Sujet überzeugt sein, um es noch einmal zu versuchen. Louis Leterrier (der mir bislang nur durch Danny the dog/Unleashed bekannt war – und auch das erst, als ich ihn gerade in der IMDB nachgeschlagen habe) ist zumindest dem Comic-Ursprung näher als Lee. Er hält sich nicht lange mit einer Vorgeschichte und Erklärungen auf, sondern setzt voraus, dass die Zuschauer zumindest in groben Zügen mit der Figur Hulk vertraut sind. Es gibt eine amüsante Anspielung auf Lees Film und auch Robert Downey Jr. hat einen kleinen Gastauftritt als Tony Stark aka Iron Man (der Film lief im gleichen Jahr an wie The Incredible Hulk). Es gibt ein paar nette Actionsequenzen und ziemlich gute Tricks. Was es leider nicht gibt ist eine Story oder einen Spannungsbogen, der der Rede wert wäre. Aber das macht nichts. Man sollte den Film nicht ernster nehmen als er selbst tut, dann kann man sich zwei Stunden ganz gut amüsieren. Kann man sehen, muss man nicht.

You Don’s Mess With The Zohan (2008)
Wenn man Punch-Drunk Love (2002) als wohl eher untypisch außen vor lässt, war Zohan mein erster Adam-Sandler-Film. Der Film erzählt die schräge, überwiegend alberne Geschichte des Mossad-Top-Agenten Zohan, der aber lieber Friseur sein würde. Also inszeniert er seinen eigenen Tod und versucht sein Glück in New York. Der Film hat jede Menge wirklich schlechter Witze, allerlei Geschmacklosigkeiten, aber auch einige ziemlich gute und witzige Einfälle. Er thematisiert mit erfrischender Selbstverständlichkeit Sex im Alter, ohne die Liebesbedürftigkeit älterer Menschen lächerlich zu machen (nach dem Haarschnitt geht Zohan mit seinen Kundinnen, die allesamt die 50 deutlich hinter sich haben, ins Hinterstübchen des Friseursalons).

The Contract (2006)
Bruce Beresford, Morgan Freeman, John, Cusack, Alice Krige. Klingt gar nicht so schlecht. Ist der Film auch nicht, aber auch nicht weiter aufregend. Ein recht solider Action- und Verfolgungsfilm, mit dem man gut 90 Minuten verbringen kann. Aber nicht unbedingt muss.

Star Trek (2009)
J. J. Abrams hat Star Trek kräftig renoviert und den doch deutlich in die Jahre gekommenen Star-Trek-Kosmos ordentlich aufgemöbelt. Die Effekte sind sehr sehenswert, das Tempo ist hoch, die Story ordentlich und es gibt jede Menge Anspielungen auf TOS. Was kümmert es einen da, dass die Schauspieler eher ausdruckslos in den Kulissen herumstehen und das Flair der alten Serie vollständig flöten gegangen ist? Für Star-Trek-Fans ein klares „sollte man gesehen haben“, für alle anderen ein etwas flacher, aber wohl unterhaltsamer SciFi-Film. Nach wie vor ist First Contact (1996) allerdings ungeschlagen. Es geht doch nichts über einen guten Bösewicht – und gegen die Borg haben die anderen einfach keine Chance.

Eagle Eye (2008)
Überwachungs-/Verfolgungs-Thriller aus der Kategorie „Kann man gucken“. Es kracht ordentlich und das Tempo ist, nach einer gewissen Anlaufphase (die allerdings für die Handlung notwendig ist), sehr hoch. Der Grundeinfall ist gut, wird aber leider durch übertriebene KI-Inszenierung verwässert und nicht konsequent durchgezogen. Das hätte ein ziemlich guter Film werden können, ist aber halt nur ganz ok geworden. Der deutsche Titel ist wie gewohnt dämlich und gibt den entscheidenden Plottwist eigentlich schon preis.

Frost/Nixon (2008)
Nach den ganzen „Kann man sehen“-Filmen ist Ron Howards Filmversion von Peter Morgans Theaterstück ein wirklich sehenswerter Film. Es geht um das legendäre Mammut-Interview – legendär unter Leuten, die sich auskennen, mir war das neu ;-) –, das David Frost mit Richard Nixon führte und in dem dieser unter anderem erklärte, wenn der Präsident etwas tue, dann sei das per se nicht illegal: „Are you really saying the President can do something illegal?“ – „I’m saying that when the President does it, that means it’s not illegal!“ (mit einer ähnlichen Formel verteidigte Condoleezza Rice übrigens auch die Regierung Bush). Das Interview, das Nixon als lukrative Gelegenheit zur Aufbesserung seines Images geplant hatte, geriet – wohl für alle Beteiligten überraschend – zum Fanal. Er gestand seine Schuld an Watergate ein und dass er das amerikanische Volk und die Demokratie beschädigt habe. Ein epochales Interview, das (zumindest in Howards Film) aus denkbar eogistischen Motiven entstand: Frost brauchte dringend Einschaltquoten, Nixon wollte Geld und glaubte, er könne Frost, der bislang nur Unterhaltungs-Moderator und Gastgeber von TV-Shows war, locker in die Tasche stecken. Ein spannender und intelligenter Film, der mit hervorragenden Darstellern aufwartet und sich nebenbei auch noch kluge Gedanken zum Fernsehen und der medialen Öffentlichkeit macht.

Harry Potter and the Half-Blood Prince (2009)
Der sechste Film der Harry-Potter-Serie hat mindestens zwei Probleme. Er basiert auf einem eher schwachen Roman und er ist für Zuschauer, die die übrigen fünf Filme nicht kennen, ziemlich unverständlich. Die Handlung tritt weitgehend auf der Stelle und die Spieler beziehen ihre Position für das große Finale in Teil sieben. Mehr passiert eigentlich nicht. Wie bei allen Filmen der Serie werden auch die Vorgaben aus dem Buch ein wenig atemlos und pflichtschuldig abgehakt, eine eigenständige, filmische Umsetzung des Stoffs ist so natürlich unmöglich. Wie immer sind die Tricks beachtlich und die Optik mitunter beeindruckend. Nicht mehr, nicht weniger.

Jurassic Park (1993)
Nach dem eher enttäuschenden Harry Potter war es Zeit für einen guten Film. Jurassic Park funktioniert auch beim wiederholten Sehen immer noch tadellos, er ist ziemlich perfekt inszeniert  – ich wüsste jetzt kein Szene zu nennen, die nicht nahtlos ins Große Ganze eingepasst und Suspense-geladen ist. Spielberg erweist sich hier einmal mehr als legitimer Nachfolger von Alfred Hitchcock. Ein Klassiker, den ich sicherlich noch lange nicht zum letzten Mal gesehen habe.

Lost World: Jurassic Park (1997)
Die Dinosaurier sind noch beeindruckender als im ersten Teil, die Handlung relativ ähnlich („Oh, yeah. Oooh, ahhh, that’s how it always starts. Then later there’s running and screaming“), was Spielberg durch gleich zu Beginn deutlich macht, wenn er von der in Großaufnahme schreienden Mutter auf den gelangweilt gähnenden Ian Malcolm schneidet. Der Film zitiert allerlei Monster-Movies von Nosferatu (die Ankunft des Totenschiffes in San Diego) über King Kong bis Godzilla, was ihn aber auch nicht wirklich rettet. Er ist immer noch sehenswert und bietet einige wirklich sauspannende Szenen – aber im Großen und Ganzen fehlt ihm die Frische und Geschlossenheit des ersten Teils. Vielleicht sollte man sich die beiden Filme nicht in so kurzem Abstand anschauen, aber sieht man Lost World direkt nach Jurassic Park, kann der Film nur abfallen.

I Am Legend (2007)
Ein trostloser Film mit einem überzeugenden Will Smith als letzten Überlebenden in einem von genetisch mutierten Menschen behausten New York. Viele ruhige Szenen, einige wenige, aber effektvoll beklemmende Action-Sequenzen. Vielleicht nicht unbedingt der Film, den ich mir Silvester hätte ansehen sollen ;-).

Eureka (Staffel 1, 2006)
Play.com bietet die erste Staffel (3 DVDs) für gerade knapp 6,50 Euro inklusive Versand an – eine willkommene Gelegenheit, den britischen Versandservice auszuprobieren. Das hat gut funktioniert und Play.com sich als empfehlenswerte Quelle für DVDs und CDs erwiesen. Die Serie um eine geheime Stadt voller hochkarätiger Wissenschaftler und seltsamen Erfindungen blieb allerdings hinter meinen Erwartungen zurück. Es beginnt ein wenig mühselig und lahm, wird aber im Verlauf dann sehenswerter. Eureka nimmt sich selbst nicht wirklich ernst und ist alles in allem recht amüsant. Die Staffel 2 werde ich mir wohl nicht zulegen.

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pl@net: „Irgendwas mit Internet“

24. Dezember 2009, 18.46 Uhr | Giesbert Damaschke

Vor ein paar Wochen wurde ich gefragt, ob ich nicht Lust hätte, für ein Büchlein zur Geschichte des Internets in Deutschland einmal zu erzählen, wie das mit pl@net seinerzeit eigentlich war. Heraus kam der folgende Text, den ich für das Blog um Links und einige Fußnoten ergänzt habe.

Cover der EA von pl@netAngefangen hat es mit einem Ende. Im August 1994 teilte die Verlagsleitung von ZD Deutschland der Redaktion mit, dass die aktuelle Ausgabe des „Windows Magazins“ die letzte sein würde. Von den rund 20 Redakteuren blieben drei: Alfons Schräder, Barbara Mooser und ich. Wir sollten wir uns an die Arbeit für ein „Consumer-Magazin machen, doch daraus wurde nichts. Alfons wechselte im Verlag zur „PC Professionell“ und ließ Barbara und mich in den leeren Büroräumen zurück.

Plötzlich hatten wir viel Zeit – und stellten fest, dass unser Netzwerk nicht nur eine Verbindung zu anderen Niederlassungen des Verlags, sondern auch zum Internet bot. Wir kannten das Netz bis dahin nur als Schlagwort und waren eher Mailboxen oder geschlossene Dienste wie CompuServe gewohnt. Das quicklebendige Treiben im Netz faszinierte uns mit seinem wilden Mischmasch aus Kommunikation, Klatsch und Kappes, und nach zwei Wochen war uns klar: Da kommt ein ziemlich dickes Ding auf uns zu, das die Art und Weise, wie wir mit Informationen aller Art umgehen, radikal verändern wird.

Was machen Redakteure, wenn sie auf dergleichen stoßen? Richtig, sie planen und konzipieren ein Magazin zum Thema. Den Anfang machte Mitte 1995 ein Sonderheft mit „1111 coolen Adressen“. Das war zwar nicht sonderlich originell, bot uns aber willkommene Gelegenheit, den lieben langen Tag ganz offiziell im Netz zu stöbern. Das Sonderheft war erfolgreich genug, um den Verlag davon zu überzeugen, dass man „irgendwas mit Internet“ als Periodikum herausbringen sollte. Das war die Geburtsstunde von „pl@net“.

Das heißt – nein, eigentlich noch nicht. Denn das, was später zu „pl@net“ wurde, sollte ursprünglich „NetLife“ heißen und das übliche Computermagazin mit dem üblichen Mix aus News, Tests, Technik, Tipps & Tricks sein. Nützlich, hilfreich und gut. Und bodenlos langweilig.

Während der Arbeit an dem geplanten Heft stellten wir allerdings fest, dass die gewohnten Strukturen beim Thema Internet nicht so recht greifen wollten. Auf die richtige Spur brachte uns eine Frage unseres amerikanischen Art-Directors Nick Pavkovic. Warum wir denn ein techniklastiges Heft produzieren wollten? Weil wir das immer so gemacht haben. Und warum dreht ihr das Heft nicht in Richtung Kultur und Gesellschaft? Weil – äh. Gute Frage. Als dann noch der Name „Planet“ gefunden wurde, war der Schritt zu „pl@net“ nicht mehr groß und wir mittendrin in einem verlegerischen Abenteuer.

Denn ein Abenteuer war es für alle Beteiligten. Wir brachen mit allen Regeln, nach denen bei ZD Hefte produziert wurden. Es gab keine Marktforschung, es gab keine Testnummern und es gab natürlich auch kein Budget, das seinen Namen verdient hätte. Dafür hatten wir etwas, was man in dieser Branche sehr selten hat: Große Freiheit. Da niemand – uns eingeschlossen – so recht wusste, was wir da eigentlich trieben, konnten wir machen, was wir wollten. Nick nutzte die Gelegenheit und zauberte uns ungewöhnliche, einfallsreiche und witzige Layouts. Unsere Layouterin Uschi Ferstl produzierte nicht nur Seiten, sondern knete aus Fimo Figurensets zu verschiedenen Themen. Barbara und ich holten Themen ins Heft, die für ZD bis dato völlig undenkbar waren und sorgten dafür, dass außer uns niemand die Proofs und Probeausdrucke zu Gesicht bekam.

Die erste Ausgabe von „pl@net“ erschien im November 1995 mit Johnny Mnemonic auf dem Cover und sorgte für so viel Aufsehen, dass wir weitermachen durften. Was wir auch taten. Wir brachten Artikel über das Internet in China, ließen Karin Spaink über ihren Ärger mit Scientology berichten, machten uns über Medien und Politiker im Internet ebenso lustig wie über das, was ein paar Jahre später als „Internet-Bubble“ platzen sollte und überschrieben einen Artikel zu Flame-Wars mit „Lies mich, Du Sau!“ (was überraschenderweise für Aufregung, gar Empörung sorgte). Als wir ein Schwerpunktthema „Zensur“ mit einem nackten Mann auf dem Cover produzieren wollten, zuckte die Verlagsleitung zurück und stoppte uns. Auch andere Cover-Ideen – Weihnachtskalender, weißer Prägedruck, Braille-Schrift – wurden abgeblasen.

Je deutlicher dem Verlag bewusst wurde, dass „pl@net“ zwar „irgendwas mit Internet“, aber ganz bestimmt nicht das war, was man sich gedacht hatte, desto absehbarer wurde das Ende. Ein englischer Kollege steckte uns, das Heft sei für ZD-Verhältnisse „too critical, too political, too negative“, das Controlling wedelte ein ums andere Mal mit allerlei Berechnungen, und wir sollten endlich Geld verdienen. Das Heft sollte technischer werden, nützlicher – und langweiliger. Das wurde es auch, allerdings unter dem Namen „Internet Professionell“ und ohne uns. Nach zehn Ausgaben war für Barbara und mich das Abenteuer „pl@net“ im Januar 1997 vorbei.

Geschrieben für: Sebastian v. Bomhard (e.a.): World Wide Was? Anekdoten und Skurrilitäten aus der Pionierzeit des deutschen Internet. SpaceNet: München 2009.

Das „Windows Magazin“ erschien von Juni 1993 bis September 1994. Chefredakteur war bis April 1994 Ralph Fischer, für die Ausgaben Mai und Juni zeichnete der leitende Redakteur Richard Joerges verantwortlich, ab Juli 1994 übernahm Alfons Schräder die Chefredaktion. Barbara Mooser war Software-Redakteurin, ich war verantwortlich für den News-Teil.

„Consumer-Magazine“ waren Mitte der 90er-Jahre der große Hit, dauerhaft etablieren konnte sich allerdings keines der zahlreichen Objekte. Barbara und ich arbeiteten seinerzeit an verschiedenen Sonderheften wie „Familie & Computer“ mit, das über einen Achtungserfolge allerdings nicht hinauskam.

Alle Niederlassungen von Ziff-Davis waren weltweit über Notes vernetzt. Als Mitarbeiter bekam man zudem eine MCI- und CompuServe-Adresse. Die Anbindung war für damalige Verhältnisse phänomenal, wenn ich mich richtig erinnere, hatten wie eine 2-MBit-Standleitung.

Das „Windows Magazin“ war mit einem sehr erfolgreichen und umsatzstarken Forum in CompuServe vertreten (das war noch die Zeit, in der man online Geld verdienen konnte). Wir diskutierten mit den Lesern, stellten Shareware zum Download bereit und veranstalteten regelmäßige Chat-Sessions mit Branchenvertretern und Lesern. Anstrengend, aber spaßig.

Der geplante Titel scheiterte an urheberrechtlichen Bedenken, gab es doch in den USA und in UK bereits ein gleichnamiges Heft.

Die mitunter zu lesende Vermutung, wir hätten uns „Wired“ zum Vorbild genommen, geht zumindest teilweise fehl. Natürlich kannten und bewunderten wir das Magazin und wurden von ihm beeinflusst, aber der mitunter missionarische und unbedingte Glaube an das „being digital“ befremdete uns. Entscheidender als „Wired“ war Nick, ohne dessen Layout und Anregungen „pl@net“ nie so geworden wäre, wie es wurde. Nick konzentriert sich seit einiger Zeit nur noch auf Musik und arbeitet jetzt als Komponist für Filmmusik.

Der Name wurde vom Anzeigenverkäufer Thomas Prucker geprägt, der damit den intern ausgeschriebenen Wettbewerb gewann und, wenn ich mich richtig erinnere, eine Kiste Prosecco bekam.

Auslöser für die regelmäßigen Fimo-Seiten im Heft war der Wunsch der Verlagsleitung, irgendwie die Themen „Mode“ und „Lifestyle“ – und damit entsprechende Anzeigen – ins Heft zu kriegen. Angesichts unserer fehlenden Kontakte in diesem Bereich waren wir da ein wenig ratlos. Bis Uschi meinte: „Ach was, das knete ich euch“. Wir hielten das zuerst für einen Witz, bis sie eines Tage mit zauberhaften Figuren daherkam und wir eine neue Rubrik hatten.

„Es war (fast) der erste Text über China und das Internet; der erste erschien zwei Monate zuvor in einem Zeit-Special über das Netz. Selbst Wired kam erst ein halbes Jahr später. Weitere China-Artikel folgten im Winter 1997/98 […].“ (Werner Pluta, Autor des Artikels.)

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Das Manuskript von „A Christmas Carol“

22. Dezember 2009, 12.54 Uhr | Giesbert Damaschke

Charles Dickens „A Christmas Carol“ dürfte die wohl berühmteste Weihnachtsgeschichte sein. Das Manuskript dieser 1843 aus Geldnot entstandenen Geschichte um den hartherzigen Knauser Scrooge, dem am Abend vor Weihnachten drei Geister erscheinen und Mores lehren, ist nun im Internet verfügbar. Die New York Times publiziert einen kommentierten Scan des 66-seitige Originals und stellt das komplette Manuskript als PDF  (2.000 × 2.464 Pixel, 62 MB) zur Verfügung:

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Jungle World lässt’s klicken

17. Dezember 2009, 13.10 Uhr | Giesbert Damaschke

Die linke Wochenzeitung Jungle World hat ihre Internetzugriffe analysiert. Die meisten Besucher kamen über Suchbegriffe wie „Tiersex“, „NPD“ und diversen Spielarten von „porno“. Die Redaktion zog die Konsequenz und versah die jüngste Ausgabe mit der völlig sinnfreien, aber klickmäßig ultimativen Titelzeile:

Sex mit Britney dank CIA-Routenplaner: Porno-Lesben mit Schweinegrippe kastrieren blutjunge Hitler-Aliens in Tokio Hotel.

Das Kalkül wird im Editorial erläutert:

Mit dieser Ausgabe werden wir nun alle Klick-Zahlen toppen, denn wir haben sämtliche Suchmaschinenrelevante Begriffe hier und im Titel untergebracht. Abgesehen von »Wetter« und »Megan Fox nackt« – aber auch das ist ja nun hiermit erledigt. Herzlich Willkommen also auf unserer Internetseite, Sie Vollhorst!

Einziger Haken: Das Internetangebot der Jungle World ist (bis auf Abowerbung) anzeigenfrei und komplett kostenlos. Früher oder später erscheinen hier sämtliche Artikel und das Archiv reicht weit zurück. Wer die Jungle World lesen will, kann dies im Internet also problemlos tun. Wer die Zeitung unterstützen möchte, sollte sie abonnieren. Für den Aboservice der Jungle World klicken Sie bitte hier.

Übrigens: bei damaschke.de sind die häufigsten Suchphrasen: „mein kampf“, „mein kampf verboten“ und „lucky luke“. Aber vielleicht ändert sich das ja nach diesem Blogbeitrag. Der fährt schließlich schamlos im Kielwasser der Jungle World und enthält alle klickträchtigen Reizwörter.

Update 14.00 Uhr: Hat schon geklappt. Dieser Beitrag wird bei der Suche nach der klickhungrigen Titelzeile von Google vor der Jungle World gelistet. Na also, geht doch.

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Eine der wichtigsten Seiten im deutschen Markt

14. Dezember 2009, 15.07 Uhr | Giesbert Damaschke

Mitte Oktober gab die Denic endlich „ein- und zweistellige Domains sowie reine Zifferndomains“ frei. Außerdem können nun „Domains, die einem Kfz-Kennzeichen oder einer TLD entsprechen“ registriert werden. Mein Versuch, „gd.de“ zu ergattern schlug (natürlich) fehl, und bei der Vergabe der neuen Domains kam es zu einigen Ungereimtheiten.

Und schon werden die Domainhändler aktiv. Heute war ein Schreiben von „co.de. Websuche und Search Technology GmbH & Co. KG“ in der Post, in dem man versuchte, mir die Registrierung von „damaschke.co.de“ schmackhaft zu machen. Die Domain soll schlappe 99 Euro im Jahr kosten (die Registrierung einer de-Domain kostet bei den großen Hostern üblicherweise deutlich unter zehn Euro im Jahr).

So weit, so erwartbar, so langweilig. Für Erheiterung sorgte allerdings die Begründung:

Da Sie mit www.damaschke.de eine der wichtigsten Seiten im deutschen Markt betreiben, möchten wir Sie mit diesem Schreiben über diese Sunrise-Phase informieren.

Niedlich. Wer fällt auf so einen Schmuh eigentlich herein?

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Dr. May erklärt die Welt (12): Wie man sicher stets einschläft

12. Dezember 2009, 16.48 Uhr | Giesbert Damaschke

Ich hüllte mich fester in den Teppich und schloß die Augen. Ich wollte schlafen, aber es gelang mir nicht. Ich sagte in Gedanken das Einmaleins auf – es half nicht. Da griff ich zu dem Mittel, welches sicher stets den Schlaf bringt. Ich verdrehte die geschlossenen Augen so, daß die Pupillen ganz nach oben zu stehen kamen, und bemühte mich, an gar nichts zu denken. Der Schlummer kam und – – halt, was war das?

Karl May: Durch Wüste und Harem. Freiburg i. Br.: Fehsenfeld 1892, S. 198

Weitere Welterklärungen von Dr. May.

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Alle Jahre wieder …

6. Dezember 2009, 15.38 Uhr | Giesbert Damaschke

… kursieren die Urban Legends über absichtlich platzierte, aidsinfizierte Spritzen. Das liest sich etwa so:

Dies hat sich in einem Kino in Köln ereignet. Vor einigen Wochen hat sich in einem Kino eine Person auf etwas Spitzes gesetzt, das sich auf einem der Sitze befand. Als Sie sich wieder aufgerichtet hat, um zu sehen, um was es sich handelte, da hat sie eine Nadel gefunden, die in den Sitz mit einer befestigten Notiz gestochen war: “Sie wurden soeben durch das HIV infiziert”.

Und so weiter. Als Quelle wird eine Polizeidienststelle genannt. Nun traut man der Beamtenprosa ja so einiges zu, aber schon die eigenartig unbeholfenen Formulierungen, die umständliche Grammatik und das groß geschriebene „Sie“ deuten auf einen Nicht-Muttersprachler hin und sollten misstrauisch stimmen. Wirft man den Text Google vor, sorgen bereits die ersten beiden Treffer für Klarheit:

Die Aidswarnung ist eine klassische Urban Legend: Kursiert seit Jahren und ist schon längst als Hoax klassifiziert.

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DVDs im November

1. Dezember 2009, 23.01 Uhr | Giesbert Damaschke

Krabat (2008) – Ottfried Preußlers Krabat gehört zu den Büchern, die mich als Jungendlicher beeindruckt haben. Vor ein paar Jahren habe ich es noch einmal gelesen und fand es immer noch erstaunlich gut. Auf die Verfilmung des Buches war ich dann entsprechend neugierig. Kreuzpaintners Version ist so düster wie das Buch, was noch dadurch verstärkt wird, dass die eher schwankhaften Einlagen des Romans im Film durch eine Kampfszene mit marodierenden Soldaten ersetzt wurde. Nun ja. Wo Preußler kaum mehr als Andeutungen gibt, ist der Film plakativ deutlich, die Verführung zur Macht, die im Buch sich allmählich entfaltet, ist im Film eine regelrechte Überrumpelung und die Handlung wird (trotz einer Länge von zwei Stunden) stark zusammengestutzt. Ein wenig kann man den Eindruck gewinnen, dass der Film gekürzt worden ist, um ihm mehr Tempo zu geben – was bei der Geschichte nun allerdings nicht funktioniert. Krabat ist nicht der Herr der Ringe oder Harry Potter.

Jericho (Staffel 1, DVD 5, 6; Staffel 2) – Auch die letzten Folgen der Staffel 1 halten, was der Anfang verspricht. Eine spannende Serie, deren erste Staffel (ohne jetzt zuviel zu verraten) mit einem fiesen Cliffhanger endet und neugierig auf den Fortgang in Staffel 2 macht. Die wiederum wirft (und auch das darf man wohl verraten), einen eher finsteren Blick auf den Zustand der USA und dürfte wohl erklären, warum der Serie dann doch kein dauerhafter Erfolg beschieden war. Die Serie wurde nach Staffel 1 abgesetzt und erst nach massiven Protesten der Fans als wieder aufgenommen. Vereinbart wurden sieben Episoden, die mit geringerem Budget und engerem Zeitrahmen gedreht wurden. Von der letzten Folge gibt es zwei Versionen, einmal als Abschluss der Geschichte, einmal als Cliffhanger für eine mögliche dritte Staffel. Das Erzähltempo der sieben Folgen wurde deutlich angezogen, um den geplanten Inhalt von Staffel 2 unterzubringen. Schade, dass es keine dritte Staffel gegeben hat.

Inkheart (2008) – Die Verfilmung von Cornelia Funkes Roman Tintenherz hat die Romanhandlung arg zusammengestaucht, um sie in gut 100 Minuten unterzubringen. Manches ist rausgefallen, manches wurde komplett umgeschrieben, aber im Großen und Ganzen ist es ein guter Kinderfilm geworden, der dem Buch durchaus gerecht wird und mit einigen guten Darstellern aufwartet.

Drag Me to Hell (2009) – Nach den drei Spiderman-Großprojekten gönnte sich Sam Raimi eine Auszeit und drehte einen kleinen, fiesen Horrorfilm, der stilistisch an seine Evil-Dead-Filme anknüpft. Der Film zieht sein gradliniges Drehbuch konsequent durch und bietet eine hübsche Mischung aus sarkastisch überzogener Darstellung, Horroreffekten mit Ekelfaktor und Witz. Wie Raimi es im Interview mit der Berliner Zeitung formuliert: „Ich haue dem Zuschauer jedes Mal einen Vorschlaghammer über die Rübe. Aber so macht es mir nun einmal am meisten Spaß.“ Dem Zuschauer auch. Kein Meisterwerk, aber ein sehenswerter Genrefilm mit gnadenloser Moral.

Monsters vs. Aliens (2009) – Der Trailer zu diesem Animationsfilm sahen lustiger aus, als der Film tatsächlich ist. Die Story ist lustig, es gibt eine ganze Reihe guter Witze, B.O.B. ist eine wirklich komische Figur, aber trotzdem bleibt ein etwas fader Nachgeschmack. Das Geschehen lässt einen häufig kalt, die Figuren wirken eher steril und die Geschichte wird nicht konsequent genug vorangetrieben. Dreamworks ist halt nicht Pixar.

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