15 Minuten ohne Google

Dienstag, 10. Mai 2005, 16.25 Uhr

In der Nacht von Samstag auf Sonntag, kurz vor dem Zubettgehen, wollte ich noch rasch einen Blick in mein Postfach bei Google-Mail werfen. Doch zu meiner nicht geringen Irritation meldete mir mein Browser, er könne die Domain nicht finden. Misstrauisch geworden, versuchte ich, die Schlagzeilen von Google-News abzurufen und scheiterte erneut. Wieder konnte mein Browser den Domain-Namen nicht in einer IP-Adresse auflösen. Auch der Versuch, die Suchmaschine direkt anzuspringen, schlug fehl. Keine Frage – Google war weg. Zumindest für mich.Dergleichen passiert schon mal und es gibt unzählige Möglichkeiten, was da schief gegangen sein könnte. Ich hinterließ noch rasch eine Notiz in einem Online-Forum („8. Mai – 0:53 – Google ist weg. Derzeit zumindest“), tippte auf einen vorübergehenden Datenschluckauf bei meinem Provider und ging ins Bett.

Am nächsten Morgen funktionierte alles wieder wie gewohnt und ich hatte den nächtlichen Ausfall schon fast vergessen, als ich am Montagmorgen bei der täglichen, morgendlichen Sichtung der eingelaufenen Newsmeldungen auf die Nachricht stieß, dass es sich nicht um einen Panne meines Providers, sondern um einen weltweiten Ausfall handelte.

Was genau los war, scheint nicht so ganz klar zu sein. Sicher ist wohl nur, dass die IP-Adressen von Google in der Zeit von 15:45 bis 16:00 Uhr pazifischer Zeit (das entspricht hierzulande dem Zeitraum von 0:45 bis 1:00 Uhr, meine Ausfallbeobachtung liegt also exakt im Zeitfenster) aus den DNS-Servern im Internet verschwunden war. Konsequenz: Der Domain-Name „google.com“ konnte nicht mehr mit einer IP-Adresse verknüpft werden und der Browser also nicht wissen, welche Webseite er ansteuern sollte.

Wie immer in solchen Fällen schossen die Spekulationen ins Kraut. Da manche Browser so konfiguriert sind, dass sie bei der Nichterreichbarkeit einer Adresse eine Suchmaschine aufrufen, mutmaßten manche Surfer, Google sei Opfer eines Hacker-Angriffs geworden, der alle Google-Aufrufe an die Konkurrenz umleite.

Aber ein Hack kann ebenso ausgeschlossen werden, wie ein gezielter Angriff oder Sabotage. Vielmehr handelte es sich um eine simple technische Panne, die jedem Serverbetreiber passieren kann – und wohl auch passiert. Es fällt hat nur niemanden auf. Denn wenn nicht gerade eine Webseite wie Google verschwindet, kriegt man kurzfristige Ausfälle einer Site in der Regel überhaupt nicht mit.

Doch die technischen Details des Ausfalls sind unterm Strich gar nicht mal so wichtig . Wichtiger scheint mir, dass das System überhaupt ausgefallen ist. Denn das muss man sich einmal vorstellen: Für rund 15 Minuten verschwinden eine Site wie Google weltweit aus dem Internet. Einfach so. Da wird einem schlagartig klar, wie selbstverständlich man sich auf die ständige Verfügbarkeit von Online-Quellen im Allgemeinen und auf Google im Besonderen verlässt – und wie abhängig man von Google wird.

Nun ist Google natürlich nicht aus heiterem Himmel so populär geworden, sondern weil das Angebot nützlich und gut ist. Doch auch ein gutes Angebot kann sich als ungut entpuppen, wenn man sich freiwillig in seine völlige Abhängigkeit begibt.

Weshalb ich für meinen Teil aus der kleinen Panne den Vorsatz ableite, in Zukunft nicht immer nur Google, sondern auch die die anderen Suchmaschinen aufzurufen. Zumindest für 15 Minuten am Tag.

P. S.Die Umrechnung der verschiedenen US-Zeitangaben in unsere lokale Zeit ist nicht immer so ganz einfach. Muss man da jetzt Stunden addieren oder abziehen? Und wie viele eigentlich? Hier hilft ein Java-Applet, das die US-Regierung im Internet zugänglich macht und mit dem man die genau Zeit in den verschiedenen Zeitzonen der USA nachschlagen kann:

The Official U.S. Time


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