3 … 2 … 1 … meins! Leider

Sonntag, 1. August 2004, 17.11 Uhr

Eigentlich freut man sich ja, wenn man bei E-Bay ein Schnäppchen ersteigert, aber ich wäre liebend gern überboten worden: Das Geld wurde pünktlich überwiesen, aber auch nach drei Wochen ist das vermeintliche Schnäppchen nicht bei mir eingetroffen. Als ich auf meine Anfragen keine Antworten erhielt, wurde ich doch misstrauisch und schaute mir noch einmal das eigentlich sehr positive E-Bay-Profil des Verkäufers an. Und siehe da – zwar lag das Profil immer noch bei sehr guten 90%, aber die Einträge der letzten Tage sahen gar nicht gut aus: es häuften sich negative Beurteilungen und Betrugsvorwürfe. Noch ist die Sache nicht entschieden, aber die Indizien deuten auf ein Standardszenario hin: der Verkäufer – aus Bielefeld! Ausgerechnet, ich hätte es wissen müssen – hat sich in rund zwei Monaten mit einer Reihe kleiner Auktionen ein positives Profil zugelegt, um dann im großen Stil mit wertvolleren Angeboten vertrauensselige Schnäppchenjäger wie mich abzuzocken. Doch da nichts so schlecht ist, dass es nicht noch als gutes Beispiel für schlechtes Verhalten dienen kann – was lernen wir aus meinem Pech? Erstens: Man muss sich die Profile der Anbieter sehr genau anschauen und darf sich nicht auf die zusammenfassende Prozentangabe verlassen. Denn diese ist, zweitens, nur ein Mittelwert, in den die positiven Einträge der Vergangenheit auch dann noch maßgeblich einfließen, wenn die aktuellen Beurteilungen auf erhebliche Probleme hindeuten. Und drittens wissen wir es nun genau: Die Bielefeldverschwörung existiert. Bielefeld gibt es nicht.

Zuerst in: Internet Professionell, 8/2004