Alte Gedanken in jungen Köpfen

Sonntag, 23. September 2012, 23.14 Uhr

Zwei Bücher zweier bekannter PiratInnen sorgen derzeit für ein wenig Bewegung im Feuilleton. Das eine ist schon auf dem Markt – Julia Schramm, Klick mich –, für das andere hat Marina Weisband einen Vertrag unterzeichnet. Das eine Buch ist bei Albrecht Knaus erschienen (der zu Random House und damit zu einem der größten Verlagshäuser der Welt gehört), das andere erscheint im Frühjahr bei Tropen, einem Imprint von Klett-Cotta, auch nicht gerade ein Leichtgewicht unter den Verlagen.

Die beiden jungen Autorinnen und aktiven Politikerinnen einer Partei, die sich beim Thema Urheberrecht profilieren möchte und könnte, publizieren also ganz genau da, wo man just nicht publizieren sollte, wenn man es ernst damit meint, dass sich die herkömmlichen Strukturen zwischen Verlag und Autoren ändern müssen.

Was interessiert nun das Feuilleton an diesen beiden Büchern? Bei dem einem ist es das angebliche Vorschusshonorar von 100.000 Euro (nebenbei: es gibt nur eine schwammige Quelle zu dieser Zahl, was aber niemanden daran hindert, sie bei einer Besprechung des Buches zusammen mit einem völlig verdrehten Zitat einfließen zu lassen). Bei dem anderen ist die Information, dass die E-Book-Version ohne DRM herauskommen soll, die titelzeilenwürdige Nachricht.

Wie althergebracht in jungen Köpfen gedacht werden kann, zeigt ein Zitat von Marina Weisband:

Sowohl Julia, als auch ich, sind als Urheber in einer relativ schwachen Verhandlungsposition.

Das ist in den aktuellen Strukturen in der Tat so, aber ansonsten natürlich blanker Unfug. Als Urheber sollte man in der stärksten Position sein, die es da überhaupt gibt. Warum um alles in der Welt haben sich die beiden Autorinnen dem althergebrachten Modell so klaglos unterworfen? Warum sind sie nicht auf die Idee gekommen, selbst zu publizieren, warum gründen die Piraten nicht einfach einen eigenen Verlag oder warum haben die beiden nicht zumindest einen Verlag gewählt, der abseits der etablierten Machtstrukturen agiert und bei dem es nicht „richtig hart“ gewesen wäre, ein DRM-freies E-Book „durchzukriegen“, weil der Verlag schlau genug ist, nur DRM-frei zu publizieren? Doch, diese Verlage gibt es und sie könnten die Aufmerksamkeit, die ein Buch von Julia Schramm oder Marina Weisband unweigerlich auslösen würde, sicherlich gut gebrauchen.

Die Meldung zu den beiden Büchern lautet also nicht „100.000 Euro Vorschuss“ oder „DRM-frei“, sondern: Publizierende PiratInnen sind deprimierend einfallslos.


Ihr Kommentar Name (erforderlich):

Mail (wird nicht publiziert) (erforderlich):

Website:

Keine Kommentare zu „Alte Gedanken in jungen Köpfen“

Volle Zustimmug!!

Die Hoffnungen, die manch einer von uns in die Piraten gesetzt hat, werden durch derartige Dummheiten leider stark beschädigt. Ein wenig mehr Haltung zum Stellenwert des Urhebers als Schöpfer der Werte hätte ich von den Damen schon erwartet. Aber es geht wohl wieder in erste Linie ums Geldverdienen. und erst danach kommt der klägliche Rest der Moral.

Treffer. Versenkt. Und danke dafür.

Also, dass sich die ersten Piraten so schnell entzaubern! Respekt. Heute geht halt alles schneller 🙂
Wasser predigen…
Ich habe nichts anderes erwartet.
Sie hätte doch das Buch einfach verschenken können, oder?
Ich glaube kaum, dass es etwas wert ist.