Anna Maria Schenkel: Tannöd

Samstag, 18. August 2007, 22.02 Uhr

Bei Andrea Maria Schenkels Debüt-Roman Tannöd hat sich die Kritik ja schier überschlagen, es gab Lob und Begeisterung in den Feuilletons und auch beim Deuschlandfunk ließ man sich offensichtlich nicht lumpen. Zumindest zitiert der Verlag ein reichlich knalliges Diktum:

»Tannöd« ist ein spannendes, düsteres, unheimliches Buch: ein Meisterwerk, ein Geniestück.

Nunja. Das ist, sagenwirmal: übertrieben. Das Büchlein ist in der Tat ziemlich düster, unheimlich ist es eigentlich nicht, von eher mäßiger Spannung und der Mörder ist mehr als vorhersagbar.

Doch auch wenn der kleine Roman weder Meisterwerk noch Geniestück ist – das wäre ja auch ein seltsames Debüt, das zugleich Abschluss und Höhepunkt des erst noch kommenden Werkes wäre –, ist er trotzdem ein gelungenes Stück Spannungs- und Unterhaltungsliteratur, das ich gerne gelesen habe.

Die auf einen realen Mordfall basierende Geschichte ist abgründig genug und weiß in einem geschickten Spiel mit den einzelnen Mosaiksteinchen den Leser ein, zwei Stündchen zu beschäftigen, ohne ihn übers Ohr zu hauen.

Die Autorin arbeitet mit dem (nicht nur) in Krimikreisen beliebten Puzzle-Spiel aus Interviews, Dokumenten und Erzählszenen und bekommt, wie andere Autoren auch, das formale Grundproblem dieser erzählerischen Struktur nicht in den Griff, nämlich dass verschiedene Personen auch verschieden sprechen und der Autor zum veritablen Stimmenimitator werden muss. Das aber können nur die wenigsten und Schenkel gehört nicht zu ihnen. Die Figuren klingen entweder gleich oder unecht, falls sie nicht wie eine Parodie ihrer selbst wirken.

Aber das stört nicht weiter. Dazu hat man die 120 Seiten viel zu schnell gelesen und ist zu sehr mit dem Inhalt beschäftigt, als dass man noch groß Zeit hätte, sich über das Scheitern an dieser formalen Klippe zu ärgern.

Ich jedenfalls bin jetzt neugierig auf Schenkels zweitem Roman Kalteis.