Antrag zur Tagesordnung

Sonntag, 9. März 2003, 13.49 Uhr

Sicher, es gibt Ausnahmen. Robbie Williams etwa. Der hat keine Probleme mit Fans, die sich seine Songs aus dem Netz laden. Als cleverer Entertainer weiß er schließlich, dass ihm die Tauschbörsen unterm Strich nicht weniger, sondern höhere Stückzahlen und mehr Konzertbesucher bescheren. Doch andere sehen das normalerweise anders, nämlich so wie Kim Howells, seines Zeichens britischer Kultusminister. Für den stehen Tauschbörsen praktisch auf einer Stufe mit „internationalen Banden, die in Drogenschmuggel und Prostitution verwickelt“ sind. Diese lächerliche Aufregung um das Internet und die Tatsache, dass digitale Daten kopierbar sind, wäre amüsant, trieben in ihrem Kielwasser nicht auch bedenkliche Versuche der Industrie zur massiven politischen Einflussnahme und Vereinigungen wie die „Trusted Computing Platform Alliance“ (TCPA). Erklärtes Ziel dieser von Compaq, HP, IBM, Intel und Microsoft gegründeten und kaum beachtet vor sich hinwerkelnden Organisation, ist die Entwicklung sicherer digitaler Transaktionen – wobei Sie „Transaktionen“ ruhig beliebig weit auslegen können. Denn so nobel der Zweck, so bedenklich die Mittel, die er heiligen soll. Am Ende der TCPA-Visonen droht der Computer als Hochsicherheitstrakt, in dem die Hersteller die totale Kontrolle und die zahlenden Anwender allenfalls temporäre Nutzungsrechte haben. Nun muss, was droht, zwar nicht auch zwangsläufig eintreten. Doch es wird hohe Zeit, das Thema TCPA auf die Tagesordnung der öffentlichen Diskussion zu setzen.

Zuerst erschienen in: Internet Professionell, 3 / 2003


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