April, April

Freitag, 1. April 2005, 14.29 Uhr

Derzeit kursiert ein besonders gefährlicher Virus im Internet, der sich als Newsletter „Business-PC Daily“ tarnt. Sobald Sie diese Mail öffnen, wird Ihre Festplatte zerstört! Schuld ist ein bislang unentdeckter Fehler in Windows XP Home. Der Fehler wurde von Microsoft und Symantec bestätigt, einen Patch gibt es derzeit noch nicht! Schicken Sie diese Warnung an alle Ihre Bekannten!

Wie? Das glauben Sie jetzt aber nicht? Na, dann vielleicht das hier:

Die Firma Motorola verschenkt derzeit supermoderne Handys! Man will der Marktmacht von Nokia etwas entgegen setzen und die Bekanntheit von Motorola drastisch verbessern. Daher werden nagelneue UMTS-Handys verschenkt. Ein kleiner Haken ist allerdings dabei: Sie müssen mindestens acht Leute per E-Mail von der Aktion in Kenntnis setzen. Etwa vierzehn Tage später bekommen Sie dann Ihr Handy. Die Details erfahren Sie, wenn Sie eine E-Mail an folgende Adresse schicken …

Glauben Sie auch nicht? Wie wär’s denn dann mit dieser Meldung:

Machen Sie Jennifer eine letzte Freude! Jennifer lebt in Wien, ist acht Jahr alt und krebskrank. Sie weiß, dass Sie bald sterben wird. Ihr letzter Wunsch: Sie möchte die größte Visitenkarten-Sammlung der Welt haben. Schicken Sie Ihre Visitenkarten an die unten angeführte Adresse. Leiten Sie diese E-Mail an alle Ihre Bekannten weiter, damit Jennifers Wunsch in Erfüllung geht!

Das finden Sie jetzt aber geschmacklos? Ich auch.

Natürlich sind diese drei Meldungen erstunken und erlogen und allenfalls ein schlechter Scherz zum 1. April. Doch leider sind sie auch mehr, nämlich leichte Variationen von E-Mails, die ich in der letzten Zeit gleich mehrfach im Postfach gefunden habe. Absender waren Freunde und Bekannte, die Mitleid mit „Jennifer“ hatten, auf ein neues Handy spekulierten oder andere vor gefährlichen Viren schützen wollten.

Als hätten wir mit Viren, Trojanern und Phishing-Mails noch nicht genug Ärger, finden es ein paar Dummköpfe nämlich besonders spaßig, gefälschte Warnungen zu verschicken, über angebliche Gewinnspiele zu informieren oder – und hier schrecken die Macher wirklich vor keiner Geschmacklosigkeit zurück – scheinbare Hilferufe todkranker Menschen in die Welt zu setzen. Andere Spielarten solcher Mails sind Aufrufe, durch eine E-Mail an eine bestimmte Adresse das politische Tagesgeschehen zu beeinflussen oder einen zum Tode Verurteilten zu einer Begnadigung zu verhelfen.

Ziel dieses Treibens ist es, unerfahrene oder gutgläubige Internet-Nutzer hereinzulegen und sie dazu zu bewegen, die Nachricht an möglichst viele andere Empfänger zu verschicken.

Dergleichen ist nicht nur pubertäre Geschmacklosigkeit, sondern kann in Form der „Kettenmails“ auch ganz reale Schäden hervorrufen. Zwar stellen solche Kettenbriefe per se kein Sicherheitsrisiko dar, sind aber ungemein lästig und tendieren dazu, sich als kaum noch kontrollierbare Mailflut über die Server zu ergießen, die dann mit der Erledigung völlig überflüssiger Aufgaben ausgelastet sind. So bleibt wichtige Post liegen, es sind auch schon ganze Server wegen Überlastung durch Kettenmails ausgefallen.

Wenn Sie heute zum 1. April (und natürlich auch an allen anderen Tagen) eine E-Mail bekommen, die Sie – aus welchen Gründen auch immer! –, dazu auffordert, die Meldung an zahlreiche Bekannte weiterzuschicken, dann tun Sie sich und anderen einen Gefallen: Ignorieren Sie die Mail. Was immer man Ihnen erzählt – machen Sie nicht mit, werden Sie nicht zu einem Glied der Kette.

Wenn Sie sich unsicher sind, dann schauen Sie zuerst bei der TU-Berlin vorbei, denn dort gibt es den Hoax-Info Service, der Sie ausführlich über solche Kettenbriefe und schlechten Scherze informiert.