»Are you ready?«

Donnerstag, 14. September 2000, 17.28 Uhr

Warum mußte ich auch das Glas so dicht an die Tastatur stellen? Eine fahrige Bewegung und mein gutes, altes Notebook hauchte gegen 2 Uhr morgens im Weißweinbad sein digitales Leben aus. Nun gut, ich liebäugelte ohnehin mit der Anschaffung eines neuen Gerätes. Ein Thinkpad sollte es sein, von IBM. Jener Firma, die seit einiger Zeit so überzeugend mit ihrer E-Business-Kompetenz wirbt.

Anderntags im Büro klickte ich mich auf den IBM-Seiten zu den Notebooks durch, ließ mich vom Großrechnerjargon – der zu Big Blue gehört wie der Regen zum deutschen Sommer – nicht ablenken, bestellte, klick!, ein Thinkpad A20m und harrte der Dinge, die da kommen mochten.

Es kam eine E-Mail: Man werde sich mit mir in Verbindung setzen. Am nächsten Tag fand ich auf dem Anrufbeantworter die Nachricht, mein „im Internet“ bestelltes Gerät werde am 16. August – rund 14 Tage nach Bestellung, aber was soll’s – bei mir eintreffen, für Rückfragen könne ich jederzeit anrufen, die Nummer stünde „im Internet“.

Am 16. 8. kam nichts, am 17. auch nichts. Also suchte ich die IBM- Nummer „im Internet“ heraus, blieb kurz in der Warteschleife und legte wieder auf: Wofür gibt es E-Mail? Rund zwei Stunden später klingelte mein Telefon. Mit der Bestellung habe es ein Problem mit meiner Bank gegeben (!?), aber jetzt sei alles klar, man entschuldigte sich für die Verzögerung, geliefert würde am 22. Kurz drauf kündigte eine Mail die Lieferung für den 23. an. Der 23. kam und ging, was nicht kam, war mein Notebook.

Eine erneute Mail-Anfrage blieb ohne Echo, dafür brachte der Postbote am 24. eine Rechnung von IBM an Giesbert Damaschke in „Muchen, Germany“, der ich das „Lieferdatum: 22.08.00“ und Telefonnummer meines „zuständigen Kundenberaters“ entnehmen konnte. Ein Anruf verband mich mit einer freundlichen IBM-Mitarbeiterin. Doch leider stamme meine „IBM-Auftragsnummer“ noch vom alten Warenwirtschaftssystem („Die kann ich hier gar nicht eingeben“) und eigentlich sei man nur für Großkunden und Händler zuständig. Aber man könne mich mit einer kenntnisreichen Kollegin verbinden und einen Moment später sprach ich mit einer ebenfalls sehr netten und hilfsbereiten IBM-Angestellten.

Langsam klärte sich die Sache: Mit meiner Bestellung „im Internet“ schien ich in die falsche Datenbank gerutscht zu sein, doch schließlich wurden meine Bestelldaten gefunden und mir wurde ein neuer Liefertermin genannt. Diesmal der 28. August. Goethes Geburtstag.

Tags drauf kam ein freundlicher Anruf: Ob mein Notebook eingetroffen sei? Meine frohgemute Auskunft, daß ich es nun für den 28. erwarte, sorgte für hörbare Irritation. Man wolle sich um die Angelegenheit kümmern und mich zurückrufen. Der Rückruf blieb zwar aus, doch dafür brachte keine Stunde später ein Bote einen IBM-Karton, ließ sich den Empfang quittieren und verschwand. Zurück blieb ich mit einem völlig überraschend am 25. eingetroffenem Notebook.

Mein Blick fiel auf den Rechnungsumschlag: „Are you ready for e-business? IBM Deutschland“. Tja. Ich schon.

Zuerst in: Die Zeit, 37/2000


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