Arno wohnt hier nicht mehr

Mittwoch, 19. Oktober 2005, 21.13 Uhr

Es ist in Literatur-Feuilleton-Kreisen zuweilen ein beliebter Sport, an allen möglichen Stellen plötzlich mit dem Namen „Arno Schmidt“ aus dem Gebüsch zu springen. Reinhard Jirgl etwa ist ein Autor, bei dem die Schmidt-Nennung ein gut eingeübtes Ritual der Rezensenten ist und es zum Standeskodex zu gehören scheint, dass in einer Jirgl-Rezension mindestens einmal „… erinnert Jirgl an Arno Schmidt …“ steht oder ein Satz mit „Wie Arno Schmidt hat auch Jirgl …“ beginnt.

Doch in seiner Rezension von Jirgls neuem Roman Abtrünnig in der Literatur-Beilage der Süddeutschen Zeitung vom 18. Oktober hat Lothar Müller dieses Abkommen jetzt unmissverständlich aufgekündigt. Trotzig verweigert er sich allen Schmidt-Nennungen selbst da, wo sie noch nicht einmal falsch gewesen wären:

Der privatsprachliche Umgang, den Jirgl mit Interpunktionszeichen und Rechtschreibung pflegt, soll nicht nur die unwillkommenen flüchtigen Leser fernhalten. „Akademicker“, „Ton-Phall“, „para=Dies-Irae“ oder „Uni-per-versität“ sind nicht Wortspiele, Kalauer, sondern Ernst, Entlarvung, Instrumente der Ideologiekritik. Denn Jirgl ist nicht nur ein Erbe …

Arno Schmidts,

… Nietzsches, des jungen Brecht und Alfred Döblins. Er ist zugleich ein Erbe …

Arno Schmidts?

… der Spießer- und Untertanenkritik von der Romantik bis …

Arno Schmidt.

… Heinrich Mann.

(Zuerst in meinen ersten Blog-Gehversuchen, dem Großen Mülleimer)


Ihr Kommentar Name (erforderlich):

Mail (wird nicht publiziert) (erforderlich):

Website: