Aus aktuellem Anlass

Dienstag, 3. März 2009, 10.04 Uhr

Heute hat die Hölle in Hannover (aka: Cebit) ihre Pforten geöffnet. Da zitiere ich doch einfach mal aus einem älteren Artikel, den ich 2005 für das Schweizer Sonntagsmagazin geschrieben habe:

Irgendwann hat man von all dem übergenug. Man möchte nur noch erschöpft in einen Stuhl sinken und in Griffnähe ein wärmendes Getränk wissen. Hier hat man die Wahl zwischen dem Messe-Restaurant, das jede Pommesbude zum Inbegriff freundlicher Gastlichkeit werden lässt und einiger weniger, auf dem Gelände verteilter Imbissstände, an denen sich die vollends Verzweifelten drängeln.

Flucht in die Stadt Hannover ist ausgeschlossen, zur Cebit-Zeit ist der gesamte Landstrich nur ein Wurmfortsatz des Messe-Molochs mit hoffnungslos überfüllten Kneipen und überteuerten Unterkünften im norddeutschen Niemandsland. Ein normales Hotelzimmer ist zur Cebit praktisch nicht zu bekommen und man ist auf die Unterkünfte bei privaten Vermietern angewiesen, die ihre Kinder für eine Woche aus dem Haus jagen, um deren Zimmer an messemüde Besucher zu verhökern. Auf diesem Geschäftsmodell basieren ganze Neubausiedlungen im Hannoveraner Umland.

Wer nach einigen Tagen Messe endlich wieder nach Hause kommt, macht in der Regel eine finstere Bilanz auf. Als bleibendes Andenken hat man aus Hannover kaum mehr mit gebracht als verletzte Füße, lang anhaltenden Husten, schmerzhafte Heiserkeit und schlecht riechende Kleidung, die man am besten gleich verbrennt.