Aus meinen Backups I: Ein Vortrag zum Internet aus dem Jahr 1996

Mittwoch, 19. Oktober 2016, 15.45 Uhr

Da stöbere ich in alten Backups und stolpere über Notizen zu einem Vortrag zum Thema „Internet“, den ich – damals noch Chefredakteur von pl@net – vor 20 Jahren auf einer von mir längst vergessenen Veranstaltung gehalten habe. 20 Jahre sind eine ziemlich lange Zeit. Doch auch, wenn die ein oder andere Passage von der Realität überholt wurde und manches etwas pathetisch daherkommt – so im Großen & Ganzen hat sich der Vortrag eigentlich auch jenseits des bloßen Dokumenten-Charakters ganz gut gehalten. Der Text ist nur stellenweise ausformuliert, manches ist in Stichworten gehalten, da habe ich wohl frei improvisiert. Ich habe den Text von seinen gröbsten Tippfehlern befreit, die Rechtschreibung aktualisiert und ihn ansonsten unverändert gelassen.

Great Expectations

Meine Damen und Herren,

ich muss Sie enttäuschen: Ich werden Ihnen – im Gegensatz zur Ankündigung im Programmheft – nichts zum Kulturraum Internet erzählen. Es wäre vermessen, glaubte man diesem Thema in 30 Minuten gerecht werden zu können. Doch damit nicht genug: Auch die sich anschließende Frage, ob das Internet Spiegel der Gesellschaft sei, werde ich nicht beantworten. Mein Vortrag könnte sich sonst auf ein einziges Wort beschränken: Nein.

Nein, das Internet ist natürlich kein Spiegel der Gesellschaft. In dieser Frage artikuliert sich weniger der Versuch, in Erfahrung zu bringen, was das Netz ist, sondern nur die völlige Verstrickung im Netz der veröffentlichten Meinungen.

In dieser Frage klingt jene typische Mischung aus Missverständnissen und falschen Hoffnungen an, auf die wir immer wieder und immer häufiger stoßen, wenn’s ums Internet geht.

Dass das Netz ein Spiegel der Gesellschaft sei ist da nur einer und gar nicht mal der größte der populäre Mythen, die zum Thema Internet kursiert.

Ich werde überhaupt keine Frage beantworten, aber dafür um so mehr stellen. Ich habe keine Antworten. Und ich glaube auch nicht daran, dass die einfachen Antworten, die uns die digitalen Heilsbotschaften verkünden, haltbarer sind, als das Computersystem, auf dem ich diese Notizen schreibe.

Statt dessen werde ich mich mit ein paar populären Vorurteilen zum Internet beschäftigen, die inzwischen zu den Gründungsmythen der sich selbst als CyberSociety begreifenden Ansammlung gehören.

Anspruch auf Vollständigkeit wird nicht erhoben.

Dabei ist die allgemeine Hysterie, dieser geballte Willen zum Positiven derart mächtig, dass ich im folgenden manches bewusst über-, aber hoffentlich nicht verzeichne. Man muss in diesem kollektivem Rausch etwas fester auf den Tisch hauen, um den betörenden Stimmen der digitalen Heilspropheten vom Schlag eines Negroponte oder Gates etwas entgegen halten zu können.

Bevor ich mich diesen Mythen widme, zur Einstimmung ein knapper Rückblick auf das Internet als Medienthema und Medienspektakel.

Seit knapp eineinhalb Jahren– also seit Januar 1995 – entdeckt das öffentliche Bewusstsein das INTERNET. Nachdem 1995 immer häufiger das Thema zuerst in der Fachpresse auftauchte, schließlich auch seinen Weg in Tageszeitung und Wochenmagazine fand, signalisierte spätestens das Presse-Echo Ende 1995 auf die sogenannten Newsgroup-Zensur bei Compuserve, dass Online/Internet endgültig zu einem Thema geworden ist, das sein Publikum auch jenseits der kleinen Schar der Fachpresse findet

Anfangs tauchte das Netz – so es nicht ohnehin nur den UNIX-Freaks und der Wissenschaft vorbehalten wurde – am Rande und nur als Kuriosum auf.

Den üblichen Prognose-Artikeln zu Beginn des Jahres ist das Internet entweder nur ein paar Sätze wert oder es taucht erst gar nicht auf. Dafür wurde jedoch der endgültige Durchbruch von Multimedia ebenso prognostiziert wie der Total-Flop von Intels PCI-System eine angeblich sichere Sache war. Heute, 1½ Jahre später, ist PCI das dominierende System und Multimedia noch immer das inhaltsleere Schlagwort, das es seit eh und je ist.

Da, wo man sich vorher für Multimedia und den ConsumerPC begeistern konnte (jener kruden Mischung aus PC und Fernseher, die außer den Markt- und Werbestrategen bei Peacock, Siemens-Nixdorf & Co. niemanden interessiert und schon gar nicht die Konsumenten, die den Schrott gefälligst kaufen sollten), griff immer stärker das Schlagwort vom INTERNET um sich. Plötzlich stolperte man allenthalben über Information-Highway, Datenautobahn, Netz der Netze etc.

Internet – oder genauer: das World Wide Web – tauchte in anfangs nur unter Schlagzeilen wie Online-Absurditäten auf. Das Netz als Tummelplatz allerlei kurioser Gestalten. Typische Meldungen dieser Zeit beschäftigten sich mit den Kaffee-Kameras, der virtuellen Frosch-Sezierung, online Pizzabestellung und so weiter. Im Vordergrund standen eindeutig die Unterhaltung, das Netz war ein kurioses Nebenbei, nichts, was man wirklich kennen muss, aber etwas, was ganz lustig war. Es ist die Zeit, wo der Webauftritt eine Firma noch eine Meldung wert ist.

Im Laufe des Jahres tauchten immer häufiger Direcotries auf (also Web-Wegweiser), die Internet-Yellow-Pages erscheinen (und bekommen prompt eine einstweilige Verfügung: der Begriff „Gelbe Seiten“ ist als Marke geschützt)

Das Thema bekommt einen neuen Unterton. Zur Unterhaltung kommt der schiere Größe und der ein wenig chaotische Charakter des Netzes. Und prompt entsteht ein weiterer Mythos zum Netz: Es ist alles da, man muss es nur finden.

Kaum eine Computer-Zeitschrift kann es sich noch leisten, ohne eigene Internet-Ecke auszukommen, der Focus und Stern richten Computer-Ecke ein,

Allmählich entdecken immer mehr Menschen das Netz und allenthalben bricht die große Sinnsuche aus. Cooles Chaos allein kann’s ja nicht sein, da muss es noch mehr geben. Wo man den Schwerpunkt setzt, hängt von persönlichen Präferenzen ab.

  • Multimedia wieder einmal, diesmal soll das WWW dafür sorgen, dass das Wort einen Sinn bekommt. Zu PC & TV kommt noch online. Set-Top-Boxen. Video on Demand. Es gibt die ersten ernsthaften Experimente mit Liveübertragung im Netz. RealAudio. Rolling Stones.
  • Business Einkaufen übers Internet, das ja für Unternehmen wie Quelle oder Neckermann ohnehin der einzige Sinn einer CD-ROM ist. Das Kaufhaus im Wohnzimmer (fragt sich nur, wo mein Wohnzimmer dann ist)
  • Sicherheit / Paranoia Kreditkarten. Überwachung. Datensicherheit.
  • Schmutz und Schund Kinderpornographie und Neonazis.

Das sind ein paar der wichtigsten Aspekte, die dem Netz in den Medien abgewonnen werden. Heute ist das Internet das große diffuse Etwas, von dem jeder redet, auf das jeder hofft und in das jeder seine Wünsche & Träume projiziert. Und über das eine Reihe von Vorurteilen und Mythen im Umlauf sind.

Mythos 1: Das Netz ist ein Spiegel der Gesellschaft

Das ist aus verschiedenen Gründen falsch und ein wenig unpräzise.

Welche Gesellschaft ist damit gemeint? Unsere? die der USA? gar der Welt?

Aber ganz gleich, welche Gesellschaft wir nehmen – sie wird nicht im Netz gespiegelt. Dafür müsste sichergestellt werden, dass jede Gruppe der Gesellschaft in irgendeiner Form Zugang zu Netz hat (ob direkt oder über eine Lobby ist egal). De facto ist es allerdings so, dass nur ein verschwindend kleiner Teil Zugang zum Netz hat.

Und dieser kleine Teil sitzt außerdem an der Westküste der USA, ist weiß, männlich und so um die 30.

Und exakt diese Gruppe spiegelt sich in der Tat im Netz. Aber das ist wohl nicht gemeint.

Mythos 2: Es steht alles im Netz, man muss es nur finden

Das ist eines der beliebtesten Vorurteile: Das Netz ist schließlich so groß, da muss es einfach zu allem etwas geben. Kaum jemand wendet einen Gedanken daran, dass nur das im Netz ist, was jemand reingetan hat. Bevor Sie einen online-Recherche in, sagen wir mal, Shakespeares Werk starten können, muss sich erst jemand die Mühe gemacht haben, und Shakespeares Werk digitalisiert haben.

Bei Shakespeare haben wir übrigens Glück: Sein Werk gehört zu der – gemessen an der Zahl der publizierten Werke – raren Auswahl an Literatur, die vollständig digitalisiert ist. Dazu gehören noch Klassiker wie z.B. die Bibel oder 1001 Nacht. Aber ansonsten wird’s schon eng. Und dazu muss man gar nicht mal besonders ausgefallene Autoren suchen: Selbst Goethes Werk ist im Internet auch nicht annähernd präsent.

Die Inhalte des Netzes unterliegen der völligen Willkür der Teilnehmer, selten, dass jemand im staatlichen oder kommerziellem Auftrag Inhalte digitalisiert, fast immer stammen die Inhalte von Enthusiasten, von Fans, die in nächtelanger, aufopferungsvoller Arbeit den Inhalt ins Netz hacken.

Und so finden wir eine ganze Menge Material zu populären Kultur, ein paar abseitige Anekdoten, wenig (geistes)wissenschaftliches – und eigentlich nichts wirklich brauchbares.

Denn wer freiwillig eine Arbeit übernimmt, der kann sie auch freiwillig wieder aufgeben. Was zur Konsequenz hat, dass die meisten Sites eher einem ungepflegte Schrottplatz gleichen als einer Bibliothek. Möglichkeiten, die Informationen, die aus dem Netz stammen, zu verifizieren haben Sie kaum: Vertrauen ist der Anfang von allem.

Mythos 3: Im Internet weiß niemand, wer Du bist oder Die Identität kann frei gewählt werden.

Das ist wohl der populärste Mythos übers Netz. Und seltsamerweise auch der beliebteste. Da mich keiner sieht, erkennt mich auch keiner. Wenn ich will, dann kann ich mir ein völlig neues Ich erschaffen, einen neuen Körper, eine neue Biographie.

Sind wir uns selbst derart unerträglich geworden, dass wir uns nichts dringlicher wünschen, als uns neu zu erfinden? Sind wir uns selbst eine derartige Last, dass wir uns danach sehnen, jemand anders zu sein? Ist uns unser Körper so widerlich, dass wir uns vom ihm schleunigst trennen müssen?

Wie auch immer – alles was ich tun muss ist, es den anderen im Netz zu erzählen. Ich schreibe. Und so bin ich.

Bei Gates ziemlich unerträglichem Buch über Den Weg nach vorn findet sich die Vision eines Bildtelefons, bei dem das Bild nicht live abgefilmt wird, sondern vom PC in Echtzeit berechnet. Die Art und Weise, wie Gates davon schwärmt, sagt uns einiges über Billies Neurosen und ziemlich offensichtlicher Körperfeindlichkeit (und nichts über die Netzrealität).

Seine Vision plaudert arglos aus, was der Preis wäre, den wir für die Verwirklichung dieser Vision zu zahlen hätte: Mit unseren Körpern verlieren wir vieles. Und unter anderem auch das Vertrauen in uns und unsere Mitmenschen. Gates Paradiesvision gerät ihm unter der Hand zur Beschreibung einer zwischenmenschlichen Hölle aus Unzufriedenheit, Missgunst, Neid und Lüge:

Genauso einfach wird Ihr Telefon ein Bild senden können, auf dem jemand anders Ihre Worte spricht, oder eine idealisierte Version von Ihnen. Wenn Sie mit einem Unbekannten sprechen und einen Leberfleck oder ein schlaffes Kinn verbergen wollen, wird der Anrufer oder die Anruferin nicht entscheiden können, ob Sie wirklich so große Ähnlichkeit mit Cary Grant (oder Meg Ryan) haben oder ob Ihr Computer ein bisschen nachgeholfen hat.

Und außerdem – aber das verschweigt Gates – können wir es niemals mehr wissen.

Ist der Zweifel erstmal gesät, kann die Ernte nur noch Zwietracht sein.

Glücklicherweise ist aber die ganze Aussage vom Bildtelefon der Zukunft ebenso pubertärer Techno-Quatsch wie die Behauptung, dass man sich neu erfinden könne. Wir nehmen uns immer mit, auch in den Cyberspace. Sein Ich wird man nicht los.

Natürlich kann man einfach behaupten, man sei jemand anders – aber das hält man nicht lange durch: Ein komplettes Leben zu erfinden kann anstrengender sein, als sich mit seinem eigenem abzufinden. Alles andere gehört in die Psychiatrie

Mythos 4: Das Internet ist ein demokratisches Medium und erzieht zur Toleranz

Noch ein Wunschtraum, der mehr über uns als über die Realität sagt. Nein, weit davon entfernt, dass das Netz demokratisch sei, ist es ein Medium, in dem immer noch der Stärkere siegt. Wo es keine Regeln gibt, gibt es auch keine Verpflichtungen. Und wo ich nicht zur Verantwortung gezogen werden kann, kann ich tun und lassen was ich will.

Dementsprechend ist das Netz keine Gemeinschaft (allenfalls in der Arroganz einig, etwas besseres zu sein). Das Netz zerfällt in unzählige egoistische Monaden. Fremdenfeindlichkeit, Hass auf Andersdenkende, Sektierertum etc. sind weit eher für das Miteinander im Netz typisch.

Sicher, es gibt die von Howard Rheingold beschworenen Virtuellen Gemeinschaften, aber sie sind sehr sehr selten. Als Karin Spaink in pl@net über Ihre ausnehmend positiven Erfahrung mit ihrer Newsgroup nl.misc berichtete, über den sozialen Charakter der Gruppe, den Zusammenhalt und über die Sympathiebekundungen, die sie erfahren hatte, bekam sie von deutschen Lesern E-Mails, mit der Bitte, sie in die Newsgroup einzuführen. Offensichtlich hatte Karins Beschreibung einen Wunsch getroffen.

Die Toleranz des Netzes, die vor allem von den selbstverliebten Netzbewohnern behauptet wird, ist meist sofort erschöpft, wenn sich ein paar Leute nicht an die Spielregeln halten. Oder aber wenn sie nicht der aktuellen Mode gehorchen (und z.B. über einen AOL-Account ins Netz gehen). Die Vorurteile blühen im Netz mindestens genauso heftig

Die Gruppe ist nur zu ihren eigenen Mitgliedern tolerant. Wen wundert’s? Mich nicht.

Mythos 5: Das Internet ist ein Meer aus Informationen

Machen wir’s kurz: Aus einem willkürlichem Durcheinander von Einsen und Nullen wird nicht qua Verfügbarkeit Information. Der egalitäre Charakter des Netzes besteht ja recht eigentlich darin, dass es in ihm keine Bedeutungen, sondern nur noch Zeichen gibt. Wo alles – vom Pornofoto bis zum Bibelvers – auf 1 und 0 reduziert wird, ist auch alles wortwörtlich: gleich-gültig.

Informationen sind Daten im Kontext. Nicht Daten auf einem Haufen, durch den ich mich per Hyperlink faul hindurchklicke. Die Information, in deren Erlangung ich nur ein paar müßige Mausklicks investieren muss, ist wertlos. Sie versinkt im ewigen Einerlei des Datenmüllkippe Internet.

Was leicht erreicht wird, wird auch leicht verloren. Was ich ohne Einsatz bekomme, verliert an Wert. Wo jeder Wunsch sofort befriedigt wird, bin ich wunschlos unglücklich. Wo überall etwas ist, ist kein Platz mehr für mich.

Mythos 6: Mit dem Netz wird alles gut

Das traut sich so deutlich fast keiner zu sagen, selbst der Überoptimist Negroponte gibt ein paar Schattenseiten des herbeigewünschten digitalen Paradieses zu. Aber nur, um sie mit hemdsärmeligem Optimismus um so nachhaltiger zu bannen.

Das Internet soll alle Probleme lösen, mit denen wir uns herumschlagen. Das Paradies ist Morgen, wartet’s nur ab. Und immer ist die nächste Generation von Hardware / Software der Glückbringer. Je kürzer die Lebenszyklen, um so hektischer die Prognosen. Manchmal erinnert das ganze an die Situation im frühen Christentum: Jeden Augenblick geht die Welt unter und kommt das Jüngste Gericht. Und wenn nicht heute, dann morgen.

Und so taumeln wir in eine glorreiche Zukunft, die jeden Augenblick anbricht. Reisende in einem ewigen Kreuzzug ins Glück, wie ihn die Toten Hosen besingen: »Mit vollem Bauch / und leerem Kopf, auf einem Auge blind / wir stolpern einfach vorwärts / in ein weiteres Jahrzehnt«.

Derzeit wird das Paradies angeblich noch von den fehlenden Bandbreiten aufgehalten. Der Ausbau der digitalen Straßen werde zur Erfüllung führen. Das ist völliger Quatsch. Als hätte der Straßenausbau jemals zu einer Regulierung des Verkehrs geführt. Das ist eine regressive Phantasie, die allerdings in der gegenwärtigen Lemming-Gesellschaft Hochkonjunktur hat. Ein kindisches Augen-Verschließen: Vor den realen Problemen. Vor den realen Möglichkeiten. Vor den eigenen Fähigkeiten. Und vor allem: Vor den Grenzen.

So, wie die nahe Zukunft das Leben der Gegenwart verdrängt, so lenkt die schon zwanghafte Fixierung auf den globalen Charakter des Netzes von den lokalen Möglichkeiten ab.

Menschen, die es nicht fertigbringen, sich mit ihren realen Nachbarn zu unterhalten, brennen angeblich nur so darauf, sich mit virtuellen Geistesverwandten in Japan auszutauschen. Da fragt man sich, was schlimmer ist: Diese ahnungslose Überzeugung – oder unsere fatale Ahnung, dass das tatsächlich so sein könnte.

So wurde mir in einer Online-Diskussion zum Thema »Cyberpolitik« allen Ernstes entgegengehalten:

BTX selber halte ich nun nicht für der Weisheit letzten Schluss, vor allem weil es ein nationales Konzept ist. Das Internet hingegen ist international und damit den Vorstellungen der SPD deutlich näher.

Wer über die Zukunft nachdenkt, der kann sich nun mal nicht mehr um den Kleinkram des Alltags kümmern. Wer das Große Globale Ganze in den Blick nimmt, der verliert die lästigen lokalen Lappalien aus den Augen. Das mag mancher vorausschauend & planend nennen. Das kann man aber auch als infantile Fluchtbewegung interpretieren und für durchaus typisch halten.

Es wird Zeit, die Erwartungen etwas nach unten zu stimmen. Wenn wir nicht mehr das Paradies anpeilen, könnte es uns vielleicht gelingen, den Alltag zu bestehen. Wer vom Web nicht gleich die Lösung seiner Probleme erwartet, kann das enorme Potential von E-Mail oder dem Usenet nutzen.

Wir leben heute, nicht morgen. Unser Leben muss in der Gegenwart gelingen, nicht in der Zukunft. Das Leben ist jetzt. Oder gar nicht.

Abschließend ein Leserbrief zur Kündigung des Abo:

Ich möchte mein Abo der Zeitschrift »pl@net« hiermit kündigen. Der Grund liegt nicht in der Qualität des Magazins, sondern darin, dass ich meinen langjährigen Online-Account nicht mehr habe. Er hat mir außer leidenschaftlich tiefer Frustration und hoher Telefonrechnungen ohnehin nie etwas gebracht.

Mit freundlichen Grüßen
….


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Ein Kommentar zu „Aus meinen Backups I: Ein Vortrag zum Internet aus dem Jahr 1996“

Hach ja, die pl@net. Ich kann mich noch an die erste, gekaufte Ausgabe erinnern, da hatte ich noch gar keinen eigenen Internet-Zugang. Irgendwo in meinem Archiv fahren auch noch ein paar Ausgaben herum, auf irgendeiner CD habe ich auch noch PDF-Versionen, die dankenswerterweise in regelmäßigen Abständen beigelegt wurden. Dein Editorialfoto war allerdings legendär schlecht. 😉