Ausgerechnet Brandenburg

Dienstag, 7. Juni 2005, 20.09 Uhr

Ausgerechnet aus Brandenburg, dem Bundesland, in dem Innenminister Jörg Schönbohm mit eiserner Hand für Zucht und Ordnung sorgt, kommt ein Plädoyer für den Einsatz von Pretty Good Privacy und anderer starker kryptographischer Methoden. Nicht, dass man sich dort an höchster Stelle plötzlich zum Fürsprecher von PGP & Co. machen würde – schließlich scheint man in Politikerkreisen zu glauben, dass nur Schurken und Gesindel Daten verschlüsseln und man dergleichen am besten gleich verbieten sollte. Nein, es ist eine jener alltäglichen Pannen, die jedem passieren können, die den Sinn und Zweck verschlüsselter Datenspeicherung sinnfällig macht. Durch einen blöden Zufall (oder kriminelle Absicht, aber das spielt eigentlich keine Rolle) gelangte eine Festplatte aus den Beständen der Brandenburger Polizei nach E-Bay, wo sie ein Student aus Potsdam ersteigert – und mit dem Datenträger auch gleich jede Menge interne Polizei-Daten bekam. Dabei reichten die Datenbestände von internen Alarmplänen über diverse Namenslisten und Einsatzbefehle bis hin zu streng vertraulichen Daten, die nur für die Augen der LKA-Spitze bestimmt waren. In Brandenburg rätselt man nun, wie die Festplatte nach E-Bay gelangte. Doch wie gesagt, das ist gar nicht so wichtig, interessanter ist die Frage: Warum sind sensible Daten auf Festplatten der Polizei eigentlich im Klartext vorhanden? Lassen Sie sich die Panne der Polizei eine Mahnung sein und verschlüsseln Sie Ihre Daten. Es ist schließlich nur eine Frage der Zeit, bis sie in falsche Hände geraten. Oder bei E-Bay auftauchen.

Zuerst erschienen in: Internet Professionell, 6 / 2005