Bob Dylan, München, 4. April 2009

Sonntag, 5. April 2009, 12.27 Uhr

Vor jedem Konzert die bange Frage: wie heiser ist er heuer? Doch die Sorge war unbegründet. Zwar sang er gewohnt rau & heiser (kein Wunder, bei mehr als 100 Konzerten pro Jahr), doch war er exzellent bei Stimme. Und überhaupt gut drauf. Zumindest sah es so aus, als würde er sich gut amüsieren. Allerdings stand ich ein wenig unglücklich und etwas weit entfernt, so dass ich Dylan und seine Band nie wirklich im ganzen Überblick hatte – und obendrein ist die Akustik im Zenith eher bescheiden. Trotzdem: es war ein durch und durch großartiges Konzert, mit einer Setlist einmal quer durchs Werk.

Überrascht haben mich die sehr zurückgenommenen Songs „Hattie Carroll“ und „Hollis Brown“; „Workingman’s Blues #2“ war göttlich; bei „Just like a woman“ sang das Publikum den Refrain mit (bzw. sang ihn vor, Dylan kam immer erst hinterher); „Highway 61“, „All along the watchtower“ und, natürlich, „Like a rolling stone“ spielte die Band in der gewohnt rockigen, schnellen Version mit heftigstem Schlagzeugeinsatz. Bei „Some of these bootleggers, they make pretty good stuff“ („Sugar Baby“) gab es den erwartbaren Applaus, und bei „You think I’m over the hill / You think I’m past my prime“ („Spirit on the water“) rief man natürlich „No!“.

Das obligatorische Foto-Verbot wurde dieses Mal nicht allzustreng überwacht, beim Einlass wurde man gefragt, ob man eine Kamera dabei habe – was man natürlich mit „Nein“ beantwortete. Ich hatte mein iPhone sicherheitshalber daheim gelassen, um mich herum wurde fleißig mit dem Handy fotografiert.

Dylan stand etwas deutlicher im Vordergrund als im letzten Jahr. Er hob sich nicht nur durch die Kleidung ab – die Band in schwarz, er in einem hellen Anzug –, er scheint auch seine Gitarristen Stu Kimball und Denny Freeman etwas gebremst zu habe, dafür trommelt Schlagzeuger George Recile was das Zeug hält. Auch verlässt Dylan immer mal wieder seinen Platz am Rand, geht in die Mitte der Bühne und spielt (wieder) Gitarre  oder auch nur Mundharmonika.


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wen intressierts?

mich interessiert’s. und wenn ich zeit habe, notiere ich meine eindrücke vom berliner konzert. Martin

kann nur zustimmen
war mega geil gestern

Wenn ich hier schon zu einer Expertenrunde stoßen kann, versuche ich mal einen Tipp zu bekommen: mit welchem Album kann man denn erfahrungsgemäß am besten Zugang zu „His Bobness“ finden?
Mit kaum einem anderen „Dauerbrenner“ (ich will ja nicht Oldie sagen, s.u.) habe ich mich so schwer getan wie mit ihm. Andere, wie Neil Young, fand ich viel „unproblematischer“, wobei ja gerade auch Young diverse Stile für sich erprobt hat.
Ich will mich nicht damit abfinden, dass er eben „dieser Typ“ ist, der immer zielgruppengerecht halbseitig in „konkret“ beworben wird – so jung will ich mich selbst dann auch nicht fühlen müssen.

Lothar Hofmann schrieb am 6. April 2009, um 10.36 Uhr

Manchmal muß man sich doch fragen,ob man auf dem gleichen Konzert war.
60.- Euro ließ sich der Meister bezahlen. Man muss sich da mal vorstellen, was das für ein Preis für Jugendliche ist um sich das Denkmal einmal anzuschauen. Da werden für diesen Abend so rund 350.000.- Euro eingesammelt.
Dafür, denke ich, kann man wenigstens einen ordentlich abgemischten Sound verlangen, einen Typen, der am Mischpult weiss, was er macht. Oder wenigstens ein Computerprogramm zur Hand hat, das seine Unfähigkeit überdeckt.
Und ich denke, der Meister sollte sich vorher anhören, was da beim Publikum ankommt. Er hört auf der Bühne am Abend nicht mehr, welch erbärmlicher Musikbrei da rauskommt. Und so einen Brei hat er uns am 4. April präsentiert, seine Band kurz auch mal. Hat da irgendjemand verstanden, wer da für ihn gespielt hat, auch wenn er nuschelt wie der Schollatur ?
Stücke und Versionen – ok – Geschmacksache – aber iregndein Funke kam von diesen Herren nicht rüber –
Nein – ein einziges Ärgernis. Ich rate zur Rente.

@D: Da gibt es natürlch viele Antworten. Ich bleibe lieber gleich ganz subjektiv und empfehle für den Anfang: „Highway 61 Revisited“, „Blood on the Tracks“ und „Modern Times“. 🙂

@Lothar Hofmann: Tja, da kann ich nur sagen – to each his own. Niemand verlangt, daß man Dylan „den Raben“ anno 2009 mögen muß, wie er uns da jenseits von Entertainment und Spaßgesellschaft durch das Absurdistan der Welten und Zeiten geleitet, mal heiser bellend, mal mit sanfter Reibeisenstimme – gleichsam als Sprachrohr einer oralen Traition, in der er selbst mit seinen Rollen ganz und gar aufgegangen ist. Weit weg vom sterilen, angepaßten DSDS-glatten Plattschall der Kulturindustrie. Für mich sind Dylans Platten und Konzerte eine Wohltat.

Ganz kurz: für Dylan-Einsteiger hat derzeit Amazon ein gutes Angebot. Das rote 3er-Album „Dylan“, eine Art offizielles „best of“, als MP3 für knapp 7 Euro.
http://www.amazon.de/Dylan/dp/B001SGSHF0/

Danke für die Tipps. Die Compilation ist sehr interessant (mal sehen, ob der Amazon-Loader auch mit Linux will) ansonsten werde ich mal in den 60ies anfangen.

Abzuraten ist auf jeden Fall von Slow Train Coming, Shot of Love, Saved. Das ist nur was für gefestigte Menschen, nichts für Einsteiger. Die kommen da nur auf ganz dumme Ideen ;-). Und die frühen Sachen – nunja, das sind halt frühe Sachen. Exzellent auf jeden Fall: Bringing it all back home, Highway 61, Blonde on Blonde, New Morning, Planet Waves, Blood on the tracks.

Naja, aber „Freewheeling …“ würde ich schon zu den ganz großen (frühen) Dylan-Klassikern zählen, die man kennen sollte. 🙂 Nicht zu vergessen das kantig-konzentrierte „John Wesley Harding“, das zu meinen stillen Favoriten gehört. Aber das dürfte wohl eher was für Fortgeschrittene sein? – Direkt „abraten“ würde ich auch von allen Veröffentlichungen aus den 80ern (ausdrücklich ausgenommen nur „Oh Mercy!“). Selbst das gelobte „Infidels“ ist in meinen Augen man nur so la-la (d.h. zum Teil wirklich gut, zum Teil eher bescheiden inspiriert).

Die drei ersten Alben sollte man natürlich auch kennen (na gut, das allererste vielleicht nicht, aber die nächsten 2) – nur als Einstiegsdroge sind sie vielleicht nicht unbedingt zu empfehlen. Obwohl — meine Liebe zu Dylan habe ich entdeckt, als ich im Radio zufällig ein Feature über die frühen Jahre gehört habe. Das ging mit „Come gather ‚round people“ los, dann kam ein Sprecher und meinte, damit könne man heute wohl niemand mehr hinter dem Ofen hervorlocken, dann wurde ein wenig über Dylans Wirkung in den frühen 60er erzählt, und gezeigt, wie sehr sich seine Songs von den anderen seinerzeit üblichen Folk-Songs unterschieden. Only a Pawn in theire game, Masters of War, The Lonesome Death of Hattie Carroll … soviel Wunderbares und so wenig Zeit. — Mein erster Dylan-Song war übrigens Like a rolling stone, da hatte man ein Bruder die Single.

Wobei mir einfällt: Wer mal in jeden Song reinhören möchte, der kann das auf BobDylan.com tun (manche sind auch komplett vorhanden, aber das scheint ein Bug zu sein). Das ist überhaupt eine beeindruckend gute Site und eines der raren Beispiele für sinnvollen Flash-Einsatz.

Nachtrag: Ich habe das noch mal ausprobiert – man kann sogar sehr viele und vermutlich alles Songs komplett durchhören und die Site als Dylan-Radio benutzen 8-). Was ich derzeit mache.

Ich war zum ersten Mal auf einem Dylan Konzert, eigentlich meinem Mann zuliebe der seit seiner frühsten Kindheit ( er ist jetzt 52) Dylan-Fan ist. Mir hat es sehr gut gefallen, und jeder Dylan-Fan weiß doch vorher was ihn erwartet. Wer ne Super-Show will, der sollte zu Madonna gehen. Da wirds würde es mir schlecht.
Nix für ungut.