Bob Dylan, Salzburg, 11. Juni 2008

Samstag, 14. Juni 2008, 17.54 Uhr

Lange Zeit begannen Bob Dylans Konzerte nur mit einem nüchternen »Ladies and Gentlemen, Columbia recording artist: Bob Dylan.« Seit dem 9. 12. 2002 zitiert der Ansager den Rock-Journalisten Jett Miers von den „Buffalo News“. So auch am 11. Juni 2008 in der Salzburgarena, Salzburg, pünktlich um 20.00 Uhr:

Please welcome the poet laureate of rock ’n‘ roll, the voice of the promise of the ’60s counterculture, the guy who forced folk into bed with rock, who donned makeup in the ’70s and disappeared into a haze of substance abuse, who emerged to ‚find Jesus,‘ who was written off as a has-been by the end of the ’80s, and who suddenly shifted gears and released some of the strongest music of his career beginning in the mid-’90s. Ladies and Gentlemen, Columbia recording artist: Bob Dylan!

Und kaum waren diese Worte verklungen, zeigte das Publikum der fast ausverkauften Arena, was es von der Idee einer »bestuhlten Arena« bei einem Bob-Dylan-Konzert hielt: Gar nichts. Die Fans stürzten nach vorn, schoben die wenigen und völlig überforderten Security-Männer kurzerhand zur Seite und platzierten sich dichtgedrängt zwischen Bühne und erster Sitzreihe.

In kürzester Zeit stand das Publikum in den Gängen und wer etwas sehen wollte, musste nolens volens ebenfalls aufstehen. Immerhin, die Stuhlreihen waren großzügig angeordnet, so dass man problemlos stehen oder auch sich einfach auf die Lehne des Stuhls setzen konnte.

Na toll, grummelte ich, da gibt man 100 Euro für einen Spitzensitzplatz aus – und dann so etwas. Aber man kann das natürlich auch ganz anders sehen: Die Jugend – es waren viele junge und sehr junge Leute im Publikum – überrannte die saturierten Säcke auf den teuren Plätze. Und wenn ich auch anfangs etwas genervt war: das war auch gut so. Trotz allem war es immer noch der beste Platz, den ich je bei einem Dylan-Konzert hatte.

Es blieb ohnehin kaum Zeit, sich zu ärgern, denn Dylan und seine fünfköpfige Band machten von Anfang an klar, dass es ein sehr gutes Konzert werden würde. Dylan war bemerkenswert gut bei Stimme und anscheinend sehr gut gelaunt. Er verließ zwar nie sein Keyboard, aber dafür, man glaubt es kaum, tanzte er. Und lachte zwei oder drei Mal. 

Wenn auch die Bestuhlung vielleicht keine so gute Idee war, so entschädigte die großartige Akustik für alles. Einen so präzisen, transparenten und klaren Klang habe ich noch bei keinem Live-Konzert gehört. Es gab keine Übersteuerung, keine Verzerrung (außer der musikalisch gewollten, versteht sich). Vom knochentrockenen Schlagzeug über die lässigen Gitarrensoli bis zu Dylans Keyboard war jedes musikalische Detail ganz wunderbar  präsent. Vielleicht war das ja der Grund für die bei einem Rock-Konzert nicht unbedingt zu erwartende Aufmerksamkeit und Sensibilität des Publikums: bei Nettie Moore hätte man eine Stecknadel fallen hören.

Ich hatte meinen Fotoapparat und mein iPhone sicherheitshalber daheim gelassen, aber das wäre wohl nicht nötig gewesen. Die Aufnahmeelektronik ist inzwischen so klein und portabel geworden, dass Kontrollen fast sinnlos sind. So sah man immer wieder Handy-Displays aufleuchten, gelegentlich blitzte es und neben mir schnitt jemand anscheinend das komplette Konzert auf einem handflächengroßen Rekorder mit.

Was einen wieder einmal daran erinnert, dass es von diesen Konzerten immer noch keine offiziellen Live-CDs gibt. Das ist mehr als schade, das ist sehr ärgerlich: Wenn man es nicht gehört hat, glaubt man nicht, was da musikalisch auf der Bühne passiert. Selbst ein so abgenudelter Lagerfeuer-Song wie Blowin’ in the wind (mit dem Dylan das Konzert beendete) wirkte wie extra für Modern Times geschrieben.

Kurz: Es war ein fantastisches Konzert.

Die Setlist, Besetzung und Reviews von Konzertbesuchern findet sich wie immer bei Bob Links, die Salzburger Nachrichten haben eine für meinen Geschmack sehr treffende Konzertrezension gebracht.