Computer feiern leise

Sonntag, 30. Januar 2005, 20.31 Uhr

Wenn unsereins einen runden Geburtstag hat, sagen wir mal: den dreißigsten, dann lässt er es in der Regel krachen. Dann werden Freunde eingeladen, es wird für das leibliche Wohl gesorgt, für Unterhaltung, Spiel & Spaß. Und wenn sich dann die Nachbarn beschweren, weist man darauf hin, dass man schließlich nur einmal im Jahr Geburtstag hat. Kurz: Wenn Ihr Nachbar 30 wird, dann hören Sie davon eine ganze Menge.

Wenn ein Computer 30 Jahre alt wird, dann hören Sie davon: Gar nichts. Oder haben Sie etwa mitbekommen, dass der PC heuer seinen dreißigsten Geburtstag feiert? Aber keine Sorge: Grabe, wo Du stehst ist die Devise und in vernetzten Zeiten sind die Quellen nur einen Mausklick entfernt.

In diesem Fall steuern wir einfach die Webseite des Heinz Nixdorf Museums in Paderborn an und erfahren dort, dass 1975 der Hinterhofhändler »Ed Roberts mit dem von ihm entwickelten Altair 8800« den »ersten Personal Computer« verkaufte. Das Gerät hat mit heutigen PCs allerdings nicht viel zu tun. Der Kasten mit Kippschaltern, Leuchtdioden und Reglern – auf Tastatur und Monitor musste man verzichten – erinnert eher an die Ausrüstung der USS Enterprise als an einen Computer.

Der erste echte PC, mit Monitor, Tastatur, Betriebssystem und was man so braucht, kam später. Erst 1981 stellte IBM seinen »PC model 5150« vor, der auf Jahre hinaus das Aussehen von Computer definieren sollte. War also ein findiger Tüftler dem trägen Konzernkoloss um Jahre voraus, siegte hier ein pfiffiger David über einen tumben Goliath im Rennen um den ersten PC?

So was hörte man gern, aber so einfach ist dann leider doch nicht: Denn auch die IBM stellte bereits 1975 ihren ersten PC vor. Zwar kam das Model 5100 ein paar Monate nach dem Altair 8800, aber es handelte sich unzweifelhaft um einen echten, vollwertigen PC – auch wenn man das Gerät heute den ersten Blick für eine Schreibmaschine mit eingebauten Minidisplay halten würde. Als Massenspeicher diente ein Magnetbandlaufwerk, der integrierte Monitor hat eine Diagonale von 5 Zoll und wer wollte, konnte den Computer in BASIC programmieren. Das Gerät wog rund 25 kg und wurde von IBM auch prompt als »Portable PC« angepriesen. Nunja.

Dass dieser erste IBM-PC im öffentlichen Bewusstsein weitgehend unbekannt geblieben ist, liegt sicherlich auch am Preis. Die günstistge Variante kostete rund 9.000, für die volle Leistung musste man fast 20.000 US-Dollar hinlegen. Da griff man doch lieber zum Altair 8800, der als Bausatz bereits für rund 400 Dollar zu kriegen war.

Dieser günstige Preis sorgte schließlich dafür, dass der »Personal Computer« tatsächlich persönliches Eigentum werden und sich eine sehr lebendige Szene aus Tüftlern und Bastlern entwickeln konnte, der wir die gesamte weitere Entwicklung verdanken. Zu dieser Szene gehörte übrigens auch ein gewisser Bill Gates, der am Altair 8800 seine ersten Programmen schrieb.

So siegt am Ende also doch David über Goliath: Mag IBM immerhin die Großraumbüros dieser Welt mit den ersten PCs versorgt haben – es war der Altair 8800, der den PC zu dem machte, was er heute ist: Ein Massenmedium, wie es die Welt noch nicht gesehen hat.

Zuerst erschienen in: Sonntagsblick Magazin (CH), 30. Januar 2005


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