Danke, Microsoft!

Montag, 9. September 2002, 1.02 Uhr

In Zeiten, in denen es zum guten Ton gehört, Microsoft als den monopolistischen Moloch des Bösen zu verteufeln, ist es eine Frage des simplen Anstands, an die unleugbaren Verdienste des Unternehmens zu erinnern. Mit der seinerzeit verlachten Vision eines PCs auf jedem Schreibtisch in jedem Haus, definierte Bill Gates die Zielsetzung einer ganzen Branche und bestimmte maßgeblich den unglaublichen Siegeszug der digitalen Technik. Doch Microsoft ruht sich auf ihren Lorbeeren nicht aus, sondern beweist auch nach der Erfüllung des visionären Auftrags weiterhin Weitsicht. Auf dem Höhepunkt des Erfolgs macht man Platz für die nächste Generation und schickt sich an, die Fackel der digitalen Erleuchtung weiter zu reichen. Das glauben Sie nicht? Na, dann schauen Sie doch mal genau hin. Mag es dem flüchtigen Blick auch so scheinen, als sähe Microsoft im Open-Source-Gedanken einen geradezu obszönen Frontalangriff auf die freie Weltwirtschaft, dieser erste Eindruck täuscht. In Wahrheit hat die Open-Source-Szene keinen wichtigeren Verbündeten als den Konzern in Redmond. Von der seltsamen Aktivierung seiner Produkte, über dubiose User-IDs in Office-Dokumenten und obskuren Sicherheitslöchern in Standardsoftware bis hin zum jüngsten Mediaplayer-Update, mit dem der Anwender sein System zum Dump Terminal an der Nabelschnur der Redmonder Server macht: es vergeht kaum ein Tag, an dem Microsoft nicht ein neues Argument für den Wechsel zu Open-Source-Software liefert. In diesem Sinne: Danke, Microsoft!

Zuerst erschienen in: Internet Professionell, Septemer 2002