Das Netz ist schuld. Natürlich

Samstag, 9. Oktober 2004, 17.15 Uhr

Kürzlich bekam ich eine Mail von »SZ Epaper«. SZ steht für »Süddeutsche Zeitung« und Epaper ist das, was man sich in den großen Verlagshäusern hierzulande als webtaugliche Aufbereitung von Inhalten vorstellt. Dabei sieht man eine verkleinerte 1:1-Darstellung einer Zeitungsseite, bei der so gerade noch die größeren Schlagzeilen lesbar sind, und kann in der digitalen Zeitung Seite für Seite blättern. Möchte man einen Artikel lesen, klickt man ihn an und der Text wird (mit eher zweifelhafter Typographie und Formatierung) in einem Fenster angezeigt. Das Verfahren ist reizvoll und technisch beeindruckend, nur eines ist es nicht: webtauglich. Statt die Möglichkeiten der digitalen Form zu nutzen, zwingt man das neue Medium in das Korsett des alten und erhält ein hybrides Etwas, bei dem die Nachteile beider Formen eine ärgerliche Mesalliance eingehen. Doch damit ist jetzt Schluss. In der erwähnten Mail teilte man mir mit, dass die bislang kostenlose E-Paper-Version jetzt kostenpflichtig werde, wobei man besonders den »zusätzlichen Service« rühmte, den Inhalt auch in »der neuen, noch schnelleren Textversion!« anzubieten. Schade, dass ich das nicht mehr sehen kann, geht man doch nicht nur mit der neuen Version zurück zu den Anfängen, auch die Preisvorstellungen stammen aus der vergangenen Boomphase der New Economy: für 6 Monate E-Paper soll man bis zu 90 Euro berappen. Ich fürchte, dieses kostenpflichtige Modell wird nicht allzu gut funktionieren. Und wer wird wieder mal Schuld sein? Das Internet natürlich. Wer auch sonst.

Zuerst in: Internet Professionell, 10/2004


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