Das, nicht: der Blog

Freitag, 2. November 2007, 11.33 Uhr

Es muss so vor zwei, höchstens drei Jahren gewesen sein, als einige ahnungslose Marketingfuzzis sich anschickten, die Blogosphere als Werbeplattform zu entdecken, prompt alles falsch verstanden und als Ausweis ihrer insidermäßigen Hippheit von »der Blog« schwafelten. Aus den Etagen der Marketingfuzzis sickerte die absurde Wortfügung in die Köpfe allseits verwirrter Verlagsmitarbeiter, von dort in die Zeitungen und jetzt haben wir den Salat.

Dabei tut der Gebrauch von »der Blog« mitunter fast schon körperlich weh:

Der Weblog nämlich verdankt seine Bezeichnung der Seefahrt, dem Logbuch, denn er ist nur das Journal einer individuelle Anstrengung.

schlingert sich Jean-Michel Berg in der SZ vom 2. 11. auf S. 15 durch die Artikel.

Das ist ein Virus, dem es Einhalt zu bieten gilt! Helfen Sie mit! Sagen auch Sie in Zukunft: das Blog.


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Der Virus ist inzwischen Standard – ebenso wie Dummheit ja inzwischen Weltstandard ist –:

Blog, das, auch der; -s, -s (kurz für Weblog)

weiß jedenfalls der aktuelle Duden zu berichten.

Der Duden protokolliert, wenn’s sein muss, auch den falschen Sprachgebrauch, der sich da heimlich von hinten ranschleicht. Wehret den Anhängen, quatsch: Anfängen!

Paraphrasieren wir mal ein bißchen flapsig Villon (in der Zech-Version): Ich schrie(b) mir schon die Finger wund … Darüber vor allem, was an Sprachverunfallungen (auch gerne aus der Schweiz übernommen, ebenso en vogue wie «schlußendlich») alleine über die Nachrichtensendungen derer geht, denen viele Menschen vertrauen, da ihnen nach wie vor etwas Seriöses anhaftet: der Öffentlich-Rechtlichen. Wenn die’s sagen, muß es ja wohl richtig sein. (Über inhaltliche «Falschheiten» schweigen wir lieber.) Wer einen lebenden Menschen nicht von einem lebendigen unterscheiden kann, der hält die deutsche Grammatik für eine Sprachhaarspalterei, also spielt es auch keine Rolle, ob es der oder das Logbuch heißt. Er sollte strafversetzt werden in die Duden-Redaktion, um den kranken Sprach-Virus zu pflegen. Und dabei vielleicht den Wikipedianern erklären, daß peu à peu ein terminus technicus ist, dem man unbedingt eine gesonderte Rubrik einrichten muß.

À propos pflegen: Früher gab es in Rundfunkanstalten mal (in der Regel ehrenamtliche!) Sprachpfleger. Sie wurden gerne belächelt. Ich würde lächeln, kämen sie zurück.

Mit leidenden Grüßen

Jean Stubenzweig

[…] ich die Leser dieses Blogs noch auf, sich dem unseligen Trend zu „der Blog“ zu verweigern und bei „das Blog“ zu bleiben. Damit stand ich zwar nicht allein, aber auf verlorenem Posten. Was wir immer schon geahnt haben, […]