Denk ich an deutschland.de …

Sonntag, 1. Dezember 2002, 1.04 Uhr

Am 17. September war es soweit: Kein Geringerer als der Bundespräsident Johannes Rau schaltete die Website www.deutschland.de online und ließ sich von seinen Redenschreibern den erstaunlich dummen Satz in den Mund legen, „Deutschland“ habe nun „eine offizielle Adresse im World Wide Web.“ Seit diesem Tag weiß die Welt, was man hierzulande vom Internet verstanden hat: Gar nichts. Denn hinter dem nach zweijährigem Rechtsstreit und mit so viel Tamtam ins Netz gehievtem Projekt, verbirgt sich nichts weiter, als ein gänzlich überflüssiger Webkatalog, der technisch so vergammelt ist wie die zentrale Grundidee, mit der Site ein „Portal der Portale“ zu den „deutschen Informationsangeboten im Internet“ zu bieten. Mögen sich die Macher auch selbstgefällig auf die Schulter klopfen und bescheinigen, die „Aufnahme in das Deutschlandportal“ sei „ein Qualitätsmerkmal“ – es hilft der nüchternen Erkenntnis nicht auf, dass Deutschlands „offizielle Adresse“ eine Peinlichkeit auf ganzer Linie ist: konzeptionell, technisch, inhaltlich. Dass ein derart altbacken hingestümperter Auftritt in all seiner beschämenden Einfallslosigkeit und mit all seinen Fehlern und Unzulänglichkeiten nun ausgerechnet als „neue Visitenkarte Deutschlands“ gepriesen wird: Das wäre fast ein Skandal, wäre das ganze Unternehmen nicht von vornherein so hanebüchen lächerlich. Glücklicherweise wird wohl kaum jemand auf der Suche nach Informationen zu Deutschland auf die Idee kommen, nun ausgerechnet unter www.deutschland.de nachzuschlagen. Oder haben Sie schon mal www.usa.us, www.france.fr, www.espana.es oder www.italia.it eingegeben? Eben.

Zuerst erschienen in: Internet Professionell, Dezember 2002