Der Anfang vom Ende

Sonntag, 9. Juni 2002, 1.05 Uhr

Wenn dermaleinst die Geschichte der Telekommunikation geschrieben wird, dann wird ein Datum besonders markiert werden: Der 17. August 2000 – der Tag, an dem die Telcos starben. An diesem Tag ging nach 173 Runden die Versteigerung der UMTS-Lizenzen zu Ende und sechs verblendete Telcos verpflichteten sich zur Zahlung von jeweils rund 8,4 Milliarden Euro. Insgesamt sollte die Auktion mehr als 50 Milliarden Euro in die Staatskassen spühlen. Doch es kam anders: Die Telcos hatten sich übernommen, der Markt brach zusammen (Miesepeter munkelten gar, er habe außerhalb der formschönen Executive Summaries nie existiert) und ein Finanzminister, der an die Wertschöpfung aus dem Nichts glaubte, wandte sich wieder einmal an die Steuerzahler, die am Schluss bekanntlich noch immer die Zeche zahlen, wenn es den Machern besonders visionär zu Mute wird. Zwar schillerte die Seifenblase UMTS noch kurz vor ihrem Ende verführerisch bunt und Schwerstdenker vom Schlage eines Karl-Heinz Rummenigge konnte man problemlos davon überzeugen, dass Millionen Menschen keinen sehnlicheren Wunsch haben, als bundesdeutsche Fußballgurken auf dem Handydisplay zu erleben – spätere Generationen werden lapidar feststellen, dass der forsche Manager einfach ein paar Kopfbälle zu viel abgekommen hat. Denn die Nachgeborenen werden wissen, was für ein kolossaler Unfug der milliardenschwere UMTS-Hype gewesen ist und in ihm den Anfang vom Ende erkennen. Nur schade, dass man immer erst hinterher klüger ist.

Zuerst erschienen in: Internet Professionell, Juni 2002


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