Der angebliche Zwang zur Autorisierung von Interviews

Dienstag, 14. Juli 2009, 13.42 Uhr

Die Süddeutsche Zeitung überrascht heute auf der Medienseite mit einer verblüffenden Behauptung:

Bei Interviews in Printmedien haben die Politiker weitreichende Möglichkeiten zur Korrektur, weil ihnen der gedruckte Wortlaut zur Autorisierung vorgelegt werden muss.

Kein Mensch muss müssen und ein Printmedium muss? Nein, muss es natürlich nicht. Aber sie tun es trotzdem. Freiwillig und im vorauseilenden Gehorsam. Weil Journalismus hierzulande sich zwar gar zu gern als aber so was von kritische Instanz und als Wächter im Staate begreift, in der Praxis aber kaum mehr als eine servile Veranstaltung ist, bei der sich unsere selbsternannte Vierte Macht willentlich und wissentlich vorführen lässt.

Denn der Zwang zur Korrekturvorlage ist ein hausgemachter. Weil man sich einmal auf den Deal eingelassen hat, Interviews zur Autorisierung vorzulegen, gibt es da jetzt eine üble Art Gewohnheitsrecht, auf das sich die Politiker gern berufen und das die Presse erpressbar macht: Keine Autorisierung? Dann kein Interview.

Ließen sich die großen Printmedien, sagen wir mal: SZ, FAZ, Spiegel, Focus und meinetwegen auch Bild darauf nicht nehr ein, dann würden die Politiker zwar erst mal zickig und Interviews verweigern. Doch – so what? Dann kommen sie halt nicht in die Presse und die Zeitungen könnten ihren Lesern erklären, warum das so ist. Und dann warten wir einfach mal ab, wer mehr darunter leiden würde – die Presse oder die zwanghaft publikumsgeilen Typen, die es in die Politik treibt.

Statt dessen tut man lieber so, als müsse man Interviews vorlegen und suggeriert, es gäbe da so etwas wie einen Rechtsanspruch der Interviewten.

Wie soll man das nennen? Heuchlerisch?


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Keine Kommentare zu „Der angebliche Zwang zur Autorisierung von Interviews“

Ich freue mich jedes mal wieder, wenn ich ein explizit als „echt“ gekennzeichnetes Interview finde. Aber das ist leider sehr selten. Von Michel Friedman geführte Interviews wurden häufig mit dieser eigentlichen Selbstverständlichkeit beworben. Seine Interviews finde ich aber generell sehr interessant, weil er sich mit seinem Partner im Vorfeld auch wirklich zu beschäftigen scheint.

[…] draußen regen sich gerade ein paar Leute über die “Süddeutsche Zeitung” auf, die ihre Medienseite heute mit folgendem […]