Der Bundestrojaner, die Taz und die Gegenaufklärung

Sonntag, 11. Februar 2007, 17.06 Uhr

Früher, als bekanntlich alles noch besser war, da haben sich Gruppen wie der CCC und Zeitungen wie die Taz die Losung „Aufklärung!“ prangend auf die Fahnen geschrieben. Da wurde das Informationsmonopol der Mächtigen bekämpft und die Information unters Volk gebracht.

Doch das, was sich Taz & CCC in Sachen „Bundestrojaner“ leisten, gehört wohl eher zur Gegenaufklärung. Da wird nicht mehr informiert & aufgeklärt, sondern der Einzelne als ohnmächtiges Opfer halluziniert, das hilflos dem „BKA“ (oder wem auch immer) ausgeliefert ist. (Also genau das, was der Herr Schäuble gerne hätte und der „Die da oben machen mit uns, was sie wollen“-Stammtisch immer schon gewusst hat).

Ein typisches Beispiel liefert hier Die trojanische Kriegserklärung, in der Daniel Schulz und Astrid Geisler den Taz-Lesern die wilde Computerwelt weniger erklären als mystifizieren, um am Ende zu dem Schluss zu kommen, dass nur politischer Protest … wirksam gegen PC-Schnüffeleien sein soll.

Dieser 11-Punkte-Plan verquirlt nicht nur munter Halbwahrheiten und Nicht-Verstandenes und warnt vor allerlei eher theoretischen Gefahren, sondern er winkt ausgerechnet an der einen Stelle, an der es tatsächlich ganz konkret gefährlich werden könnte, beruhigend ab. Gehörte ich zu der Kirche der Gläubigen des Bundestrojaners, könnte ich hinter diesem Fehler eine gezielte Fehlinformation vermuten. Aber ich glaube eher daran, dass das Autorenduo einfach nicht so recht weiß, was es da schreibt.

Schon Frage 1 bekommt eine eher skurrile Antwort. Wie die Polizei meinen Computer überhaupt lokalisieren wolle, wird da gefragt. Und geantwortet, dass man dazu nur den Namen und Adresse bräuchte. Denn dann

können [die Beamten] die Firmen abtelefonieren, die Internetanschlüsse bereitstellen, die so genannten Provider. Und dann ist es meist vorbei.

Ah ja. So stellt sich Kleinfritzchen also das BKA vor, wie ein großes Call-Center, in dem man die Provider abtelefoniert. „Guten Tag, hier Müllerzwo vom BKA. Ist bei Ihnen ein gewisser Giesbert Damaschke, München, Kunde? Ja? Danke schön.“ Und dann ist es meist vorbei. Sowas. (Um den Jungs vom BKA die Mühe zu sparen – kostet ja schließlich alles meine Steuern –: ich bin Kunde bei Alice).

Die Fragen 2, 3 und 4 widmen sich Viren & Trojanern und erklären, dass man sich dagegen praktisch nicht schützen kann. Weil die Polizei diese fiesen Programme nur an beliebten Plätzen im Netz unterbringen muss und schwuppdiwupp landen sie auf praktisch allen Computern. Einfach so. Ist der Bundestrojaner erst einmal platziert, dann muss er nur noch nach Bedarf von den Schnüfflern aktiviert werden.

Was die gesammelte kriminelle Energie im Netz nicht schafft, das schaffen die Jungs vom BKA mit links. Gell, da staunen Sie?

Antiviren-Programme sind übrigens nutzlos, da die ja immer nur hinterher wissen können, wovor sie vorher hätten schützen sollen. Ei der Daus! Da wird es aber mal Zeit, dass die Taz-Experten bei Kasperski & Co. vorstellig werden und denen erklären, dass deren Programme völlig nutzlos sind.

Aber nicht alles ist Unfug, was in der Taz steht. Es stimmt z. B., dass man sich ein Schadprogramm einfangen kann (und also auch einen Bundestrojaner) wenn man wahllos alle E-Mail-Anhänge anklickt, die einen vor den Mauszeiger kommen. Solche Leute soll’s ja wirklich geben, es gibt ja auch immer wieder Virenwellen, die durchs Netz schwappen.

Warum nun allerdings ein Bundestrojaner gefährlicher sein soll, als ein üblicher Wald- und Wiesentrojaner, wie er etwa täglich mehrfach von meinem Mailfilter erkannt und entsorgt wird, bleibt ebenso das Geheimnis der Taz, wie man dort den simplen Hinweis verschweigt, dass man den Klickfinger verdammt noch mal still halten soll. Aber vielleicht gehören die Taz’ler zu den Leuten, die einfach alles in den Mund stecken müssen, was sie auf der Straße finden. Nunja.

Doch genug davon – kommen wir zur Frage 6, bei der das Autoren-Duo auf so fatale Weise daneben liegt und ihre Leser mit den besten Wünschen dem nächstbesten Datendieb in die Arme treibt.

Die Frage lautet:

Wenn ich meine privaten Daten auf einer externen Festplatte deponiere – bringt das was?

Und dies ist die erstaunliche Antwort:

Ja. Aber nur, falls Sie die Festplatte nie anschließen, wenn der Computer online ist. Sobald Sie ins Internet gehen, kann der Trojaner auch die externe Festplatte auskundschaften.

Wer bislang nicht gemerkt hat, dass die beiden Autoren es zwar gut meinen, aber leider völlig ahnungslos sind – spätestens hier wird es offenkundig. Denn sonst wüssten sie, dass die Antwort Nein lauten müsste und der Ratschlag – externe Platte abklemmen, wenn man online ist – genau zu der Sorte von Pseudohilfestellung gehört, mit denen man die Betroffenen fälschlich in Sicherheit wiegt und damit erst recht in Gefahr bringt.

Schließlich ist ein Schadprogramm auch dann aktiv, wenn ein Rechner nicht online ist. Spielen wir das Szenario für die Taz-Leser doch kurz einmal durch:

  1. Rechner ist online, externe Festplatte steht ausgeschaltet im Schrank. Der Rechner fängt sich den Bundestrojaner ein. Das geht ja offensichtlich vollautomatisch. Die Schadprogramm-Programmierer der Welt blicken alles schon neidisch zum BKA: „Einmal so gut sein wie die!“, raunt man anerkennend in Schadprogramm-Programmiererkreisen.
  2. Der Rechner ist wieder offline, die externe Festplatte wird angeschlossen und eingeschaltet. Und jetzt passiert’s: Der Bundestrojaner schnüffelt und wühlt sich durch alle Daten, die er kriegen kann – auch durch die auf der externen Festplatte.
  3. Der Rechner ist wieder online, die externe Festplatte steht wieder ausgeschaltet im Schrank, der Benutzer fühlt sich sicher. Und im Hintergrund überträgt der Bundestrojaner die von der externen Platte eingesammelten Daten.

Die restlichen 5 Fragen können wir uns schenken, es geht auf diesem Niveau weiter.

Übrigens – das Stichwort „Firewall“ fällt an keiner Stelle.