Der Kampf um Augäpfel

Dienstag, 6. Februar 2007, 12.46 Uhr

Zum Jahresende erhielten rund 90 IT-Blogger in den USA ein Geschenk von Microsoft und AMD – ein nagelneues Acer-Ferrari-Notebook mit Windows Vista Ultimate und Office 2007. Einfach so. Man wollte der wachsenden Bedeutung von IT-Blogs Rechnung tragen und der Szene Gelegenheit geben, Vista und Office ausgiebig zu testen. Diese PR-Aktion sorgte für erhebliche Unruhe: »Microsoft will Blogger kaufen!« hieß es in unzähligen empörten Beiträgen und Kommentaren und immer wieder tauchte die Frage auf, wie einem Unternehmen ein derartiges PR-Debakel unterlaufen konnte. Denn dass der Bestechungsversuch nach hinten losgegangen war, stand für die Szene fest. Und eine Erklärung dafür hatte man auch: Microsoft hat halt immer noch nicht verstanden, wie die Bloggerszene funktioniert. Doch ist es wirklich so einfach? Sind die Leute in Redmond einfach nur zu blöd? Ich habe da so meine Zweifel. Nicht nur, weil die angebliche Bestechung arg ärmlich wäre – ein Blogger, der sich durch ein Notebook kaufen lässt, ist es nicht wert, dass man ihn kauft. Nein, bei Microsofts Aktion gehörte das scheinbare Scheitern zum Plan. Schon vor rund 10 Jahren predigte Intel-Chef Andy Grove, dass die mediale Zukunft ein »fight for eyeballs« werden würde, ein Kampf um Augäpfel und Aufmerksamkeit. In der stetig wachsenden Flut aus Meldungen, News und Gerüchten, die das Internet mit sich bringt, wird nur noch der Erfolg haben, dem es gelingt, die Headlines zu bestimmen. Und genau das ist Microsoft eine Zeitlang gelungen. Der Konzern aus Redmond hat keine Blogger gekauft – sondern Aufmerksamkeit.

Zuerst in: Internet Professionell, 3 / 2007


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