Der Oscovirus

Samstag, 3. April 2004, 17.18 Uhr

Vor einiger Zeit kursierte ein Text im Netz, der als »Ossivirus« bekannt wurde. Darin stellte sich »en Hägga aus Leipzsch« vor, der seinen ersten Virus programmiert habe. Da er aber noch nicht so gut programmieren könne, handele es sich um einen »manuellen Virüs«, der Empfänger möge die Mail also bitte selbst weiterleiten und anschließend seine Festplatte löschen. Am 1. Februar 2004 wurde dieser Witz als Oscovirus, aka MyDoom, Wirklichkeit. Denn ihm gelang nicht nur, woran andere scheiterten – die Website einer umstrittenen Firma, SCO, aus dem Netz zu bomben –, sondern er schaffte dies als »manueller Virüs«. Damit der Oscovirus aktiv werden konnte, musste der Empfänger erstens eine als Mailattachment eintreffende ZIP-Datei entpacken und zweitens das darin enthaltene Programm manuell starten. Doch damit nicht genug: der Empfänger musste außerdem alles beharrlich ignoriert haben, was zum Thema Viren & Würmer in den letzten Monaten selbst durch die Tagespresse ging und alles geflissentlich nicht zur Kenntnis nehmen, was über MyDoom schon etliche Tage vorher bekannt war. Obwohl der Oscovirus als dümmster anzunehmender Virus durchs Netz kursierte, wurde er aus dem Stand zu einem der erfolgreichsten digitalen Schädlinge. Der Oscovirus beweist damit einmal mehr, das Computersicherheit kein Problem der Technik, sondern des Anwenders ist. Und so lange der auf alles klickt, was ihm in die Mailbox plumpst, so lange werden wir ein Virusproblem haben.

Zuerst in: Internet Professionell, 4/2004