Die Anti-Spam-Spam-Falle

Montag, 1. September 2003, 13.52 Uhr

Da sage noch einer, die Industrie sei nicht lernfähig: Seit AOL und andere Branchenriesen Spammer kurzerhand vor den Kadi schleppen, vergeht kaum ein Tag, an dem nicht ein neuer Anbieter stolz der funkelnagelneuen und imagefördernden Anti-Spam-Koalition beitritt. Nur der Lebensmittelhändler Hormel tanzt da ein wenig aus der Reihe und sieht durch die diversen Anti-Spam-Kampagnen den Markennamen seines Dosenfleisches „Spam“ gefährdet. Doch das hält die Firmen, die sich gerade vom Spam-Saulus zum Sauber-Paulus wandeln, natürlich nicht auf und so landen neuerdings nicht nur die üblichen Spam-Mails in meinem Postfach, sondern auch jede Menge Pressemitteilungen, in denen das jeweils neueste und nun aber wirklich todsichere Mittel gegen den Werbemüll beworben wird. Ist diese Werbung mit der Anti- Werbung schon störend genug, so erreichen die unerwünschten Nebenwirkung der betriebsamen Anti- Spammer problemlos den Nervfaktor traditioneller Werbemails. Etwa dann, wenn alle Welt glaubt, mir mitteilen zu müssen, ich möge mich doch mit ein paar Mausklicks in das Adressbuch des jeweiligen Absenders eintragen, auf dass in Zukunft meine Post als spamfrei und erwünscht erkannt würde. Als ob ich mit den Absendern je auch nur eine Mailzeile gewechselt hätte – und über die Dreistigkeit, mit der man die Pflege seiner privaten Whitelist einfach an die potentiellen Mailpartner delegiert, will ich besser gleich schweigen. Spam ist böse, da sind wir uns alle einig. Doch das macht Anti- Spam-Spam noch lange nicht gut.

Zuerst erschienen in: Internet Professionell, 9/2003

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