Die drei ???: Live in München, 12. März 2014

Samstag, 22. März 2014, 23.15 Uhr

Die drei ??? Olympiahalle München 12. März 2014

Für Kinder- bzw. Jugendbücher wie Die drei ??? bin ich jenseits der 50 vielleicht ein wenig zu alt, aber ich habe die Bücher als Kind gelesen und höre bis heute beim Einschlafen immer mal wieder ein Hörspiel aus der Serie (neben anderen Hörspielen aus den 50er/60er Jahren wie „Paul Temple“, „Gestatten, mein Name ist Cox“ und ähnliche leichte Krimikost, mit der ich Kindheitserinnerungen verbinde).

Als Ende letzten Jahres für den 12. März 2014 ein „Live-Hörspiel“ der drei ??? angekündigt wurde („Phonobia, Sinfonie der Angst“), habe ich daher auch nicht wirklich lange überlegt oder gezögert: sondern eine Karte gekauft. Nicht nur aus Sentimentalität, sondern auch, weil ich einfach neugierig war: Wie muss man sich das vorstellen, ein „Live-Hörspiel“? Obendrein war als Veranstaltungsort die Olympiahalle genannt – und die ist nicht gerade klein. Bei Bestuhlung bietet sie Platz für über 12.000 Besucher. Glaubten die Veranstalter wirklich, diese Halle füllen zu können? Ich wusste zwar, dass es eine sehr rege Fanszene gibt – aber 12.000 schien mir doch etwas arg ambitioniert.

Entsprechend neugierig traf ich mich am 12. März mit einem Freund vor der Olympiahalle und schon beim Warten auf den Einlass dämmerte uns, dass die Halle wenn nicht voll, so doch sehr gut gefüllt sein würde.

Und sie war es auch, nach meiner groben Schätzung waren gut 8.000 Menschen gekommen, die das Live-Hörspiel nicht verpassen wollten. Als die drei Sprecher Oliver Rohrbeck (Justus Jonas), Jens Wawrczeck (Peter Shaw) und Andreas Fröhlich (Bob Andrews) die Bühne betraten gab es frenetischen Beifall, wie man ihn eigentlich von Rockkonzerten erwartet. Die drei sprechen ihre Rollen seit den Anfängen der Serie im Jahr 1979 – und da Stimmen nur sehr langsam altern, nimmt man ihnen auch jetzt noch, wo sie alle drei um die 50 sind, die jugendlichen Detektive problemlos ab.

Das, was sich dann in den nächsten zweieinhalb Stunden auf der Bühne ereignete, übertraf meine Erwartungen. Die Story selbst ist auf gewohntem Jugendbuch-Niveau mit manchmal etwas, nun, sagen wir: einfältigen Passagen – aber das macht nichts, dazu war die ganze Show einfach zu gut inszeniert. Man war als Zuschauer und -hörer live bei der Produktion eines Hörspiels dabei. Die riesige Bühne bot hinreichend Platz für eine kleine Musikgruppe, einen Geräuschemacher, weitere Sprecher und zahlreiche Mikrofone. Wie es sich für ein Hörspiel gehört, wurde natürlich überwiegend gesprochen und für Musik- und Geräuschkulisse gesorgt. Die Sprecher gestikulierten ein wenig, es gab einige Licht- und Videoeffekte, auch angedeutete Spielszenen, aber nichts lenkte davon ab, dass das, was da geboten wurde, ein Hörspiel war.

Die Sprecher waren gut gelaunt, das Hörspiel, die Hörspielsituation und auch die lange Geschichte der Serie wurde immer wieder ironisch gebrochen, ohne dass die Veranstaltung in Albernheiten oder eine Travestie umgekippt wäre. Ein hübscher Einfall: In einer Szene wurden die Originalstimmen der drei aus der Anfangszeit vor 35 Jahren als Echo eingespielt. Es wurde viel gelacht und es herrschte eine rundum angenehme und entspannte Atmosphäre.

Da mich der enorme Andrang doch etwas überraschte, habe ich später dann einmal in der Wikipedia nachgelesen. Und siehe da: Die Hörspielserie Die drei ??? ist mit „über 45 Millionen verkauften Tonträgern … die erfolgreichste Hörspielproduktion der Welt“. Und auch geschätzten 8.000 Besucher waren wohl nichts besonderes:

In insgesamt 19 Shows haben rund 120.000 Zuschauer die Tournee zur weltweit erfolgreichsten Umsetzung eines Live-Hörspiels gemacht.Mit der Show am 5. November 2009 wurde in der Kölner Lanxess Arena vor 11.183 Personen ein Guinness-Weltrekord aufgestellt. Aufgrund des großen Erfolgs dieser Tournee wurde am 21. August 2010 Open-Air auf der Berliner Waldbühne ein letztes Mal das Live-Hörspiel … „und der seltsame Wecker – Live and Ticking“ aufgeführt und so zum größten Live-Hörspiel aller Zeiten. Mit 15.211 Zuschauern überbot das Ensemble seinen in Köln aufgestellten eigenen Guinness-Weltrekord.

Bis zum 5. April tourt das Live-Hörspiel übrigens noch durch die Gegend, die Veranstaltungen sind aber bereits fast vollständig ausverkauft. Für den 9. August ist dann noch einmal die Waldbühne in Berlin vorgesehen – da gibt es noch Karten. Ich vermute mal: Nicht mehr lange. Die Chancen, den Record von 2010 zu knacken, stehen wohl nicht schlecht.