»Die Hesse komme«

Dienstag, 9. November 2004, 17.34 Uhr

»Erbarmen, die Hesse komme« – an den Schlachtengesang des 1. FC Frankfurt musste ich kürzlich bei einem Abstecher zur Website des Landes Hessen denken. Gesucht hatte ich die 10-Punkte-Begründung zur Rechtschreibreform, die laut Pressemitteilung unter www.hessen.de zu finden sein sollte. Doch fand ich nur eine Website, die allem spottete, was unter »Informations-Design« verstanden wird. Dann entdeckte ich die gesuchte Meldung gleich unter dem dominierenden Foto des Ministerpräsidenten. Ein frohgemuter Klick – und ich landete bei der Pressemitteilung, die mich, klick, zurück zur Startseite schickte. Hm. Was nun? Links ein verwirrend ausuferndes Menü, rechts die üblichen Werbebann… – Moment, eine Landes-Site mit Werbung? Was vom trainierten Surferblick als Werbung ausgefiltert wurde, entpuppte sich als buntes Gemisch aus Texttafeln zu verschiedenen Themen. Unter anderem auch, Knallrot auf Gelb, nunja, zur gesuchten Information. Also noch ein Klick – und die Texte erwiesen sich als unverlinkte Hinweisschilder. Doch zwischen ihnen fanden sich in winziger Schrift »<mehr>«-Links. Als ich erst einmal herausbekommen hatte, welcher Link zu welcher Tafel gehörte, war ich nur noch einen Klick von den gesuchten Informationen entfernt. Allein – es kamen keine 10 Punkte, es kam ein Seite, auf der sich einsam verloren nur ein weiterer Link fand, diesmal zu einem PDF-Dokument, das endlich die versprochenen 10-Punkte bot – und selbstverständlich problemlos in HTML hätte umgesetzt werden können. Da bleibt dem Surfer nur ein Stoßseufzer: »Erbarmen! Zu spät – die Hesse komme!«

Zuerst in: Internet Professionell, 2/2004