Die Knut-Killer; oder: wie man eine Meldung macht

Montag, 19. März 2007, 18.00 Uhr

Heute morgen an der Bushaltestelle hab ich die Schlagzeile der Bild-Zeitung gesehen

Tierschützer wollen Knut totspritzen

oder so ähnlich. Der Anreißer dieser reißerischen Meldung berief sich auf eine Spiegel-Meldung.

In der Tat findet sich bei Spiegel Online ein Artikel Menschwerdung der Bestie, in dem es allerdings allgemein um die Probleme geht, die man sich mit der Aufzucht eines Raubtieres einhandelt. Darin heißt auch:

Doch während die Verantwortlichen des Berliner Zoos den ersten Eisbärennachwuchs im eigenen Haus seit 33 Jahren feiern, meldeten sich über die Presse besorgte Experten zu Wort, die dem possierlichen Geschöpf schier das Existenzrecht rauben wollen: Wegen der wenig artgerechten Aufzucht per Hand forderten Tierschützer den Tod des kleinen Bären.

Welche Presse das war, in der sich besorgte Experten zu Wort meldeten, verrät einem Google, wenn man nach den Stichworten Knut totspritzen sucht. Dann nämlich stößt man auf einen Artikel vom 26. Januar in der Schweizer Boulevardzeitung Blick: Tierschützer wollen Knuddel-Knut töten!. Darin heißt es:

Und jetzt auch noch dies: Ausgerechnet ein Tierschützer fordert den Tod von Eisbär-Baby Knut! Frank Albrecht begründet dies in der «Bild»-Zeitung: «Ich zeige den Zoo an. Eisbären-Handaufzucht ist nicht artgerecht, sondern ein grober Verstoss gegen das Tierschutzgesetz». Deswegen müsste das Bärenjunge eigentlich getötet werden.

Fassen wir also zusammen:

  1. Die Bild-Zeitung bringt Ende Januar eine Skandal-Meldung über die abstruse Meinung eines angeblichen Tierschützers.
  2. Spiegel Online bezieht sich Mitte März am Rand auf diese Meldung
  3. Und zack: Schon kann Bild die eigene windige Meldung noch mal neu aufkochen und sich auf den Spiegel als Quelle berufen.

Da Knut heute ein bundesweiter Liebling ist, sorgt die selbst erzeugte und nochmal aufgekochte Meldung nun für ordentlichen Rummel und schreibt sich fort und fort.

Natürlich denkt niemand daran, Knut totzuspritzen. Aber darum ging es ja auch nie.

UPDATE, 20. 3.

Während Spiegel Online das dumm Spiel eifrig mispielt, steckt hinter der FAZ tatsächlich mal ein klügerer Kopf. Hier hat man die ganze, von Anfang an erstunken und erlogene Geschichte, einmal gründlich nachrecherchiert.


Ihr Kommentar Name (erforderlich):

Mail (wird nicht publiziert) (erforderlich):

Website:

Keine Kommentare zu „Die Knut-Killer; oder: wie man eine Meldung macht“

Ja, da sieht man mal, was tierschützer doch für böse menschen sind. ??? Wenn ich der Bär währe währe mir eine Unartgerechte Aufzucht noch lieber, als Abgekillt zu werden.

Mögen diese Tierschützer in der Hölle schmorren!