Die RSS-Erfahrung

Freitag, 2. September 2005, 20.12 Uhr

Kürzlich habe ich es getan, ich habe meine Website um einen RSS-Feed bereichert. Wenn meine schlichte Textsite schon ohne Flashflunkereien auskommen muss, eine nahezu grafikfreie Zone ist und auch sonst ohne Bells & Whistles im Netz steht, dann, so dachte ich mir, soll sie wenigstens einmal ganz vorn in Sachen netzgestützter Kommunikation dabei sein. Oder, weil RSS so neu ja nun auch wieder nicht ist, doch zumindest im ersten Drittel. Das Ergebnis dieser Änderung war verblüffend: die Serverzugriffe gingen in kürzester Zeit durch die Decke. Für einen Moment schmeichelte ich mir mit der schlagartig gestiegenen Beliebtheit meiner Website und sonnte mich in meinen 15 Minuten Ruhm. Doch schon bald machte sich Ernüchterung und die Erkenntnis breit, dass mein eingebildetes Publikum leider nur genau das war: eingebildet. Hier waren nicht Menschen, sondern fast ausschließlich Maschinen am Werk. Schließlich genügt es ja schon, wenn eine Handvoll Besucher der Website den RSS-Feed in ihren Reader einträgt, um nie wieder vorbeizuschauen. Den Rest machen die Rechner unter sich aus. Da werden dann emsig Webseiten abgerufen und Daten ausgetauscht, ohne dass ein Mensch auch nur im Vorüberhuschen einen Blick darauf wirft und man schon mal auf die Idee kommen kann, das gesamte Netz einfach den Maschinen zu überlassen: Sollen die Bots & Reader sich doch gegenseitig füttern und die Hitcounter nach oben treiben. Ich sitze dann doch lieber mit einem Buch im Biergarten. Prost auch.

Zuerst erschienen in: Internet Professionell, 9 / 2005

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