Dorothy L. Sayers …

Samstag, 10. März 2007, 1.21 Uhr

gilt, so belehrt mich ein Klappentext, als eine der größten englischen Kriminalautorinnen. Ihre Figur des Lord Peter Wimsey, der gewissermaßen aus Jux und Dollerei und weil er nichts besseres zu tun hat (Aristokraten halt) hobbymäßig Morde aufklärt, sei einer der berühmtesten Detektive der Kriminalliteratur. Das ist zweifellos richtig. Sayers gilt, Wimsey ist.

In meiner Krimi-Phase (so zwischen 14 und 16) las ich meterweise Edgar Wallace, Conan Doyle, Agatha Christie & Co. An Sayers habe ich mich damals auch versucht, aber außer dem vagen Gefühl zäher Langeweile ist mir kaum etwas im Zusammenhang mit dem Namen Sayers in Erinnerung geblieben.

Später stieß ich gelegentlich auf seltsam frömmelnde Zitate von ihr, erfuhr, dass sie eine der ersten Studentinnen Oxfords war, in einer Werbeagentur gearbeitet und neben Krimis auch Erbauliches für die Christenheit geschrieben hat.

Aber zu dem Zeitpunkt hatte ich schon längst Raymond Chandlers epochalen Essay Die simple Kunst des Mordes gelesen und war für die „englische Schule“ verloren. Einzig Agatha Christie und Conan Doyle lese ich gelegentlich in sentimentalen Anwandlungen ganz gern, alles andere ist ungenießbar.

Ab und an überprüfe ich dieses Urteil und versuche es erneut. Vor zwei, drei Jahren las ich Sayers‘ Der Glockenschlag (The nine tailors, 1934), der als kunstvollster ihrer Romane gilt und im Nachwort von immerhin Walther Killy über den grünen Klee gelobt wird. Wird wohl stimmen, dass der Roman kunstvoll konstruiert und nach alten Glockenschlagmotiven und obskuren liturgischen Vorschriften strukturiert ist. Das macht ihn vielleicht zu einem Puzzle, aber nicht zu lesbarer Literatur.

An die Lektüre habe ich kaum Erinnerungen, alles sehr blass, langweilig, unglaubwürdig und durch und durch retortenhaft. Keine der dort auftretende Figuren hat mich auch nur im entferntesten interessiert, entsprechend gleichgültig war es mir, wer warum wann und wie umgebracht wurde. Oder auch nicht.

Als ich vorhin das Buch aus dem Regal nahm, stellte ich verblüfft fest, dass da noch ein Sayers-Krimi steht: Die Akte Harrison (The documens in the case, 1930, ein Krimi, aber kein Wimsey-Roman), von dem ich nur noch weiß, dass ich ihn wohl gelesen habe.

Derzeit probiere ich es noch einmal und lese ihren ersten Wimsey-Roman Der Tote in der Badewanne (Whose Body, 1923). Dort beschreibt Sayers einen Detektiv – nicht Wimsey, sondern einen richtigen – folgendermaßen:

Parker saß in einem ältlichen, aber zärtlichen Lehnstuhl; die Füße stützte er auf den Kaminsims, während er seinen Geist mit einer modernen Deutung des Galaterbriefes entspannte.

So schlecht kann dieser Satz gar nicht übersetzt worden sein, dass er im Original-Ton auch nur halbwegs akzeptabel klänge. Wäre der Roman nicht sehr kurz und ich fast durch, hätte ich ihn bei diesem Satz endgültig weggeworfen. Aber durch die letzten 80 Seiten langweile ich mich jetzt auch noch. Und schon jetzt kann ich wohl sagen, dass ich selten einen dämlicheren Quark las als diesen Roman von Dorothy L. Sayers. Die Prognose, dass ich ihn bald genau so vergessen haben werde, wie die beiden anderen genannte Romane, scheint mir nicht allzu verwegen.

Wenn Ihnen mal jemand vorschwärmt, wie grandios und geistreich die Wimsey-Krimis wären: Glauben Sie kein Wort. Die sind ein grauenhaft ödes Zeug, mit den grusligsten Dialogen, die Sie je gelesen haben. Verschwenden Sie damit nicht Ihre Zeit. Reicht doch, dass ich es getan habe.


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Hey!!!!
Ich muss die Inhaltsangabe von „der glockenschlag“ für die schule haben. Kann mir mal bitte jemand sagen wo ich das finden kann?????? danke

Sina??? genau die suche ich auch…^^ naja haste sie gefunden?

ne leida net….brauch die aber dringend! kann mir das ma bitte jemand sagen wo ich die finden kann!!!??????

ey sina, marieke ich brauch die auch, habt ihr die gefunden??

ne….bis jetzt noch net….toll morgen müssen wir die abgeben^^ nein ich lass die denn einfach weg…wenn mir hier das niemand sagt!!!! 😉

Kann es sein, das es die „falschen Übersetzungen“ waren.

Es gibt alte Übersetzungen, die grottenschlecht sind (Scherz Verlag)

Amsonsten kann ich die Einschätzung, die Romane seien langweilig, absolut nicht teilen. Für Freunde des englischen Humors und der feinen Ironie sind sie einfach göttlich.

Katharina schrieb am 2. Juni 2009, um 20.01 Uhr

Lieber und aber auch guter Giesbert,

du magst Sayers‘ Lord Peter für Quark halten und ihre Bücher langweilig finden – das ist dein gutes Recht, denn du bist ein Junge. Sayers‘ Krimis sind Mädchenbücher, und du bist durch und durch Junge, so mit Karl May und so.

Ich blicke großzügig über die schrecklicheren Sätze hinweg, nehme in Kauf, dass mir da Retorte geboten wird und freue mich – an den Dialogen, die so wirklichkeitsfremd wie nur irgendwas sind, an der Figur des Peter Wimsey (der erstaunlich menschlich wird, je näher er seiner Harriet kommt), an der Figur der Harriet, die erstaunlich emanzipiert ist, die Herzoginwitwe, Jerry und Bunter und wie sie alle heißen. Kunstvoll konstruiert sind sie auch, ja. Aber so was war mir schon immer egal. ich lernte Dorothy Sayers in der Schule kennen – „Murder Must Advertise“, und das ist durchaus mitunter witzig zu lesen. und dann verfolgte ich die Geschichte von Peter und Harriet, so wie ich auch die Geschichte der anderen Kommissare, ehren- oder Yard-halber, immer gern verfolge, und darüber vergesse ich, wer wen warum gemordet hat, dasi st mir nämlich auch egal. So, wie ich mich bei Star Trek in eine künstliche und realitätsferne Zukunft entführen lasse, so lasse ich mich von Sayers in die 20er und 30er Jahre im adeligen England entführen. Dass Sayers versucht hat, ihre christlichen ethischen Grundsätze und Fragestellungen in Krimis zu packen, verzeihe ich ihr nur allzu gern, ihre Dialoge dazu sind künstlich und trotzdem nachzuvollziehen. Achja, das hat mich auch immer fasziniert: das zwei so erwachsene Menschen (ich bin wieder bei Peter und Harriet) sich … so erwachsen unterhalten, Keine Kleinlichkeiten, kein Alltag, einfach wunderbar – so ganz und gar am Leben vorbei. Das will ich so haben, das ist gut so.

Sagen wir’s mal so: du hast halt keine Ahnung! 😉

[…] Sondern ein Krimi: „Die geheimnisvolle Entführung“ von Dorothy L. Sayers. Die mag ich eigentlich nicht, aber als Hörspiel wollte ich das doch einmal […]