Dr. May erklärt die Welt (13): Wie man eine Fährte liest

Sonntag, 1. Mai 2011, 13.56 Uhr

Jetzt stieg ich ab. Wer einigermaßen Übung besitzt, kann unschwer erkennen, von wie viel Pferden eine solche Spur gemacht wurde, falls es nicht gar zu viele gewesen sind. Ich sah, daß fünf Reiter hier geritten seien […]. Aus der bereits abgestumpften Schärfe der Ränder an den Hufeindrücken entnahm ich, daß diese Leute vor ungefähr sieben Stunden hier vorübergekommen seien.

Bei einer solchen Schätzung hat man sehr Vieles zu berücksichtigen: die Witterung, die Art des Bodens, ob er hart oder weich, sandig oder lehmig ist, ob er kahl liegt oder mit Pflanzen bewachsen, vielleicht dünn mit Laub bedeckt ist. Auch auf die Luftbewegung und die Tageswärme hat man Obacht zu geben, da die Sonne oder scharfe Luft die Spuren schnell austrocknet, so daß die Ränder eher bröckeln, als wenn es kalt und windstill ist. Der Ungeübte kann bei einer solchen Beurtheilung sehr leicht ein höchst irriges Resultat erzielen.

Karl May: Der Schut. Freiburg i. Br.: Fehsenfeld 1892, S. 3 f.

Weitere Welterklärungen von Dr. May.


Ihr Kommentar Name (erforderlich):

Mail (wird nicht publiziert) (erforderlich):

Website:

Keine Kommentare zu „Dr. May erklärt die Welt (13): Wie man eine Fährte liest“

Mayfreund schrieb am 2. Mai 2011, um 16.47 Uhr

Wieder ein vortreffliches Gleichnis … May erklärt die Welt, in der Tat.