Dreht euch nicht um, der Lächler geht herum

Montag, 4. Dezember 2006, 11.21 Uhr

Wie nennt man eigentlich jemanden, der einem dreist grinsend ins Gesicht lügt? Von dem man genau weiß, dass er lügt. Der seinerseits weiß, dass man sehr genau weiß, dass er lügt. Der aber auch weiß, dass man weiß, dass man ihn nicht einfach einen Lügner nennen darf, weil man sich ansonsten im Handumdrehen vor Gericht wiederfände. Wegen Beleidigung, übler Nachrede und dergleichen. Wie nennt man jemanden, von dem einem glaubwürdig versichert wird, er habe ein paar Hundert Online-Shops abgemahnt – und manche davon gleich mehrfach? Das geht aber gar nicht, sagen Sie jetzt, da gibt es doch Gesetze, die genau so etwas verbieten? Da haben Sie einerseits natürlich Recht. Doch andererseits handelt der Mann, von dem ich nicht weiß, wie man ihn nennen soll, im Auftrag eines sehr großen Handelskonzerns, der sich selbst, Wunder der ökonomischen Zellteilung, in so viele juristische Einheiten aufgeteilt hat, dass eine massenhafte Serienabmahnung juristisch nicht nachweisbar, aber für jeden offensichtlich ist. Wie also nennt man jemanden, der gezielt im Monopol-Interesse eines Großkonzern agiert und behauptet, sein Handeln folge einzige dem Streben nach Wahrheit und diene dem Wohl des Verbrauchers, der schließlich nicht blöd sei? Wie bitte? Wie würden Sie so jemanden nennen? Einverstanden. Aber das darf ich nicht schreiben. Nennen wir ihn also einfach den Lächler. Und hüten wir uns davor, ihm auch nur die Hand zu geben.

Zuerst erschienen in: Internet Professionell, Januar 2007