Düsseldorfer Domino

Mittwoch, 9. April 2003, 13.53 Uhr

Angefangen hat alles Mitte 2001 als minderbegabte Provinzposse. Da überlegte sich die Düsseldorfer Bezirksregierung, was man gegen den Schmutz und Schund tun könne, der, grenzüberschreitend und Düsseldorf nicht achtend, aus dem erdballumspannenden Internet auf unschuldige Landeskinder herniedergeht und man verfiel auf die Lösung, auf die bislang noch jeder gekommen ist, der sich mit einem hemdsärmligen „Na, dann woll’n wir mal“ an die Arbeit machte: Die Provider sollten das Zeug gefälligst aussperren, das ginge doch ganz einfach, man müsse da nur ein paar Domaineinträge auf den Nameservern löschen, ein paar IPs blocken und fertig. Und so erhielten rund 80 Provider und Universitäten eine entsprechende Verfügung zugestellt. Diesen netzpolitischen Offenbarungseid konnte man als distanzierter Beobachter anfangs noch amüsiert zur Kenntnis nehmen, doch inzwischen nimmt das Provinzgeplänkel bedenkliche Formen an. Diverse Verwaltungsgerichte haben die Düsseldorfer Dummheit gut geheißen, jetzt beschäftigt sich das Oberverwaltungsgericht Münster mit dem Fall. Hoffen wir, dass der selbstgerechte und gänzlich wirkungslose Aktionismus der Düsseldorfer gestoppt werden kann. Ansonsten könnten die Jecken am Rhein noch Dominio mit den Grundrechten spielen. Die ersten Kollateralschäden sind bereits zu erkennen: Der WDR nahm eine spöttische Kolumne, die sich über die Posse und ihren Hauptakteur, den Regierungspräsidenten Jürgen Büssow, lustig machte, aus seinem Online-Angebot. Wegen „handwerklicher Mängel“. Natürlich. Honi soit qui mal y pense.

Zuerst erschienen in: Internet Professionell, 4/2003

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