DVDs im Dezember

Freitag, 1. Januar 2010, 13.01 Uhr

The Incredible Hulk (2008)
Nach Ang Lees enttäuschender Filmversion der Hulk-Comics aus dem Jahr 2003 muss man schon von seinem Sujet überzeugt sein, um es noch einmal zu versuchen. Louis Leterrier (der mir bislang nur durch Danny the dog/Unleashed bekannt war – und auch das erst, als ich ihn gerade in der IMDB nachgeschlagen habe) ist zumindest dem Comic-Ursprung näher als Lee. Er hält sich nicht lange mit einer Vorgeschichte und Erklärungen auf, sondern setzt voraus, dass die Zuschauer zumindest in groben Zügen mit der Figur Hulk vertraut sind. Es gibt eine amüsante Anspielung auf Lees Film und auch Robert Downey Jr. hat einen kleinen Gastauftritt als Tony Stark aka Iron Man (der Film lief im gleichen Jahr an wie The Incredible Hulk). Es gibt ein paar nette Actionsequenzen und ziemlich gute Tricks. Was es leider nicht gibt ist eine Story oder einen Spannungsbogen, der der Rede wert wäre. Aber das macht nichts. Man sollte den Film nicht ernster nehmen als er selbst tut, dann kann man sich zwei Stunden ganz gut amüsieren. Kann man sehen, muss man nicht.

You Don’s Mess With The Zohan (2008)
Wenn man Punch-Drunk Love (2002) als wohl eher untypisch außen vor lässt, war Zohan mein erster Adam-Sandler-Film. Der Film erzählt die schräge, überwiegend alberne Geschichte des Mossad-Top-Agenten Zohan, der aber lieber Friseur sein würde. Also inszeniert er seinen eigenen Tod und versucht sein Glück in New York. Der Film hat jede Menge wirklich schlechter Witze, allerlei Geschmacklosigkeiten, aber auch einige ziemlich gute und witzige Einfälle. Er thematisiert mit erfrischender Selbstverständlichkeit Sex im Alter, ohne die Liebesbedürftigkeit älterer Menschen lächerlich zu machen (nach dem Haarschnitt geht Zohan mit seinen Kundinnen, die allesamt die 50 deutlich hinter sich haben, ins Hinterstübchen des Friseursalons).

The Contract (2006)
Bruce Beresford, Morgan Freeman, John, Cusack, Alice Krige. Klingt gar nicht so schlecht. Ist der Film auch nicht, aber auch nicht weiter aufregend. Ein recht solider Action- und Verfolgungsfilm, mit dem man gut 90 Minuten verbringen kann. Aber nicht unbedingt muss.

Star Trek (2009)
J. J. Abrams hat Star Trek kräftig renoviert und den doch deutlich in die Jahre gekommenen Star-Trek-Kosmos ordentlich aufgemöbelt. Die Effekte sind sehr sehenswert, das Tempo ist hoch, die Story ordentlich und es gibt jede Menge Anspielungen auf TOS. Was kümmert es einen da, dass die Schauspieler eher ausdruckslos in den Kulissen herumstehen und das Flair der alten Serie vollständig flöten gegangen ist? Für Star-Trek-Fans ein klares „sollte man gesehen haben“, für alle anderen ein etwas flacher, aber wohl unterhaltsamer SciFi-Film. Nach wie vor ist First Contact (1996) allerdings ungeschlagen. Es geht doch nichts über einen guten Bösewicht – und gegen die Borg haben die anderen einfach keine Chance.

Eagle Eye (2008)
Überwachungs-/Verfolgungs-Thriller aus der Kategorie „Kann man gucken“. Es kracht ordentlich und das Tempo ist, nach einer gewissen Anlaufphase (die allerdings für die Handlung notwendig ist), sehr hoch. Der Grundeinfall ist gut, wird aber leider durch übertriebene KI-Inszenierung verwässert und nicht konsequent durchgezogen. Das hätte ein ziemlich guter Film werden können, ist aber halt nur ganz ok geworden. Der deutsche Titel ist wie gewohnt dämlich und gibt den entscheidenden Plottwist eigentlich schon preis.

Frost/Nixon (2008)
Nach den ganzen „Kann man sehen“-Filmen ist Ron Howards Filmversion von Peter Morgans Theaterstück ein wirklich sehenswerter Film. Es geht um das legendäre Mammut-Interview – legendär unter Leuten, die sich auskennen, mir war das neu 😉 –, das David Frost mit Richard Nixon führte und in dem dieser unter anderem erklärte, wenn der Präsident etwas tue, dann sei das per se nicht illegal: „Are you really saying the President can do something illegal?“ – „I’m saying that when the President does it, that means it’s not illegal!“ (mit einer ähnlichen Formel verteidigte Condoleezza Rice übrigens auch die Regierung Bush). Das Interview, das Nixon als lukrative Gelegenheit zur Aufbesserung seines Images geplant hatte, geriet – wohl für alle Beteiligten überraschend – zum Fanal. Er gestand seine Schuld an Watergate ein und dass er das amerikanische Volk und die Demokratie beschädigt habe. Ein epochales Interview, das (zumindest in Howards Film) aus denkbar eogistischen Motiven entstand: Frost brauchte dringend Einschaltquoten, Nixon wollte Geld und glaubte, er könne Frost, der bislang nur Unterhaltungs-Moderator und Gastgeber von TV-Shows war, locker in die Tasche stecken. Ein spannender und intelligenter Film, der mit hervorragenden Darstellern aufwartet und sich nebenbei auch noch kluge Gedanken zum Fernsehen und der medialen Öffentlichkeit macht.

Harry Potter and the Half-Blood Prince (2009)
Der sechste Film der Harry-Potter-Serie hat mindestens zwei Probleme. Er basiert auf einem eher schwachen Roman und er ist für Zuschauer, die die übrigen fünf Filme nicht kennen, ziemlich unverständlich. Die Handlung tritt weitgehend auf der Stelle und die Spieler beziehen ihre Position für das große Finale in Teil sieben. Mehr passiert eigentlich nicht. Wie bei allen Filmen der Serie werden auch die Vorgaben aus dem Buch ein wenig atemlos und pflichtschuldig abgehakt, eine eigenständige, filmische Umsetzung des Stoffs ist so natürlich unmöglich. Wie immer sind die Tricks beachtlich und die Optik mitunter beeindruckend. Nicht mehr, nicht weniger.

Jurassic Park (1993)
Nach dem eher enttäuschenden Harry Potter war es Zeit für einen guten Film. Jurassic Park funktioniert auch beim wiederholten Sehen immer noch tadellos, er ist ziemlich perfekt inszeniert  – ich wüsste jetzt kein Szene zu nennen, die nicht nahtlos ins Große Ganze eingepasst und Suspense-geladen ist. Spielberg erweist sich hier einmal mehr als legitimer Nachfolger von Alfred Hitchcock. Ein Klassiker, den ich sicherlich noch lange nicht zum letzten Mal gesehen habe.

Lost World: Jurassic Park (1997)
Die Dinosaurier sind noch beeindruckender als im ersten Teil, die Handlung relativ ähnlich („Oh, yeah. Oooh, ahhh, that’s how it always starts. Then later there’s running and screaming“), was Spielberg durch gleich zu Beginn deutlich macht, wenn er von der in Großaufnahme schreienden Mutter auf den gelangweilt gähnenden Ian Malcolm schneidet. Der Film zitiert allerlei Monster-Movies von Nosferatu (die Ankunft des Totenschiffes in San Diego) über King Kong bis Godzilla, was ihn aber auch nicht wirklich rettet. Er ist immer noch sehenswert und bietet einige wirklich sauspannende Szenen – aber im Großen und Ganzen fehlt ihm die Frische und Geschlossenheit des ersten Teils. Vielleicht sollte man sich die beiden Filme nicht in so kurzem Abstand anschauen, aber sieht man Lost World direkt nach Jurassic Park, kann der Film nur abfallen.

I Am Legend (2007)
Ein trostloser Film mit einem überzeugenden Will Smith als letzten Überlebenden in einem von genetisch mutierten Menschen behausten New York. Viele ruhige Szenen, einige wenige, aber effektvoll beklemmende Action-Sequenzen. Vielleicht nicht unbedingt der Film, den ich mir Silvester hätte ansehen sollen ;-).

Eureka (Staffel 1, 2006)
Play.com bietet die erste Staffel (3 DVDs) für gerade knapp 6,50 Euro inklusive Versand an – eine willkommene Gelegenheit, den britischen Versandservice auszuprobieren. Das hat gut funktioniert und Play.com sich als empfehlenswerte Quelle für DVDs und CDs erwiesen. Die Serie um eine geheime Stadt voller hochkarätiger Wissenschaftler und seltsamen Erfindungen blieb allerdings hinter meinen Erwartungen zurück. Es beginnt ein wenig mühselig und lahm, wird aber im Verlauf dann sehenswerter. Eureka nimmt sich selbst nicht wirklich ernst und ist alles in allem recht amüsant. Die Staffel 2 werde ich mir wohl nicht zulegen.