DVDs im Oktober

Sonntag, 1. November 2009, 12.27 Uhr

The Spirit (2008) – Ich hatte nach den Trailern schon befürchtet, dass mir der Film nicht gefallen und mit Will Eisner nur den Namen gemein haben würde. Frank Millers Version der Eisner-Geschichten zitiert viele typische Szenen, versucht sich an ihrem ebenso typischen Humor, fährt praktisch das gesamte Personal auf, bietet mitunter beeindruckende visuelle Einfälle und ist doch langweilig, fad und ganz fundamental humorlos. Er bleibt deutlich hinter seinem Anspruch zurück, etwas zu zeigen, was man noch nie gesehen hat und die Kunst des digitalen Kinos weiter voranzubringen. Ein ärgerliches Product Placement tut ein übriges. Der gesamte Film ist stark stilisiert und abstrakt, dann wird ein Handy kurz bildschirmfüllend in die Kamera gehalten. Man sieht das Logo „Nokia“ und alles ist hin. Das passiert nur ein einziges Mal, aber es reicht, um den Film zu ruinieren. Andererseits gibt es nicht wirklich viel zu ruinieren. Dafür, dass die Beteiligten im „Making of“ so sehr die Imagination und die Fantasie beschwören, ist der Film ziemlich einfalls- und völlig leblos. „Wenn man keine Geschichte hat“, sagt Frank Miller zurecht, „dann hat man gar nichts.“ Leider hat er für seinen Film keine, die zu erzählen sich lohnen würde.

Jericho (Staffel 1, DVD 1–4) – In der Nähe der Kleinstadt Jericho geht eine Atombombe hoch. Man weiß nicht warum und auch nicht, was da los ist. Krieg? Terroranschlag? Oder ganz etwas anderes? Spannende Serie und eine interessante Reaktion auf 9/11. Aber wer weiß, vielleicht stürzt das doch noch in die Enttäuschung ab wie Lost oder Heroes. Nun, man wird sehen.

Gran Torino (2008) – Zum letzten Mal, so Eastwood, habe er die Hauptrolle in einem Film gespielt. Da überrascht es nicht, dass der Film so wirkt, als wolle er das Dirty-Harry-Image gegen den Strich bürsten. Das gelingt ihm auch ganz gut, doch im Ganzen wirkt der Film unausgewogen, und die Entwicklung seines Walt Kowalski vom bisweilen karikierend übertriebenen griesgrämigen Rassisten zum Retter ist nicht wirklich überzeugend gelungen. Ein guter Film, keine Frage – aber wer ein weiteres Meisterwerk wie Mystic River (2003) oder Million Dollar Baby (2004) erwartet, wird enttäuscht sein.

Watchmen (2009) – Zack Snyders hat es sich mit der Verfilmung des legendären Comics von Alan Moore nicht leicht gemacht und sie ist ihm auch über weite Strecken sehr gut gelungen. Aber das hilft der eher belanglosen, überfrachteten und arg prätentiösen Story leider auch nicht sehr viel auf (die sich in der Zusammenfassung übrigens sehr viel besser anhört, als sie es dann tatsächlich ist). Ich habe den Comic seinerzeit mit großer Begeisterung gelesen und war auf den Film einigermaßen gespannt. Aber mit gut 20 Jahren Abstand finde ich sowohl die Geschichte als auch ihre Umsetzung nur noch mäßig interessant. Nach wie vor mein Lieblingssatz: „What happend to the American Dream?“ – „It came true. You’re looking at it“.

Knowing (2009) – Alex Proyas verdanken wir so interessante Filme wie The Crow (1994), Dark City (1998) oder den etwas routinierteren, aber immer noch ansehnlichen I, Robot (2004). Auf Knowing war ich also neugierig. Über weite Strecken wurde ich auch nicht enttäuscht, die düstere Geschichte entfaltet sich rasant und Proyas gelingen immer wieder eindrucksvolle Szenen. Wäre da nicht der Schluss, der einen üblen Nachgeschmack hinterlässt. (Nebenbei: Proyas verfilmt die Tripods-Trilogie von John Christopher. Die gehörte in meiner Jugend zu meiner Lieblingslektüre, und ich bin schon wieder neugierig.)

The Devil wears Prada (2006) – Mode und Modejournalismus sind nun wirklich nicht meine Welt, aber der Film hat mir trotzdem gefallen. Was vor allem an der großartigen Meryl Streep liegt, die als Miranda Priestly tatsächlich so gut ist, wie alle behaupten. Auch die restliche Besetzung ist sehr gelungen. So banal und vorhersagbar letztlich die Story ist, so nett und amüsant ist dieser Film. Nichts, was man nun partout gesehen haben muss, aber doch etwas, das man sich ansehen sollte, wenn sich die Gelegenheit bietet.


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Gerade „The Spirit“ angeschaut. Leider hast Du sehr recht! So schade. Ich werde mir nun auch „Sin City“ nochmal anschauen. Habe den Verdacht, dass „The Spirit“ auch rückwirkend einiges verdirbt. So schade.