Ein garstig Lied…

Sonntag, 30. Juli 2006, 23.51 Uhr

Es ist entsetzlich, wenn gerade die Unschuldigen in diesem Krieg getötet werden; die, die zu jung oder nicht mehr jung genug sind, um wegzulaufen. Es ist grauenvoll, wenn Israels Raketen die Zivilbevölkerung im Libanon treffen.

Ich fühle mich angesichts der Informationslage schlicht überfordert und wage es hier noch viel weniger als sonst, zwischen gut und böse zu unterscheiden.

Die Situation übersteigt definitiv meinen Horizont und ich bin immer wieder erstaunt, wieviele Nahost-Experten plötzlich überall auftauchen. Manchmal habe ich den Eindruck, meine Mitmenschheit studiert den lieben langen Tag intensiv die Weltgeschichte, hat Zugang zu Informationen, die mir verschlossen bleiben, wägt umsichtig die Argumente, kann messerscharf Fakt von Fiktion trennen, Meldung von Propaganda, um dann abends beim Bier ganz entschieden Stellung zu Dingen beziehen, die ich in meinem popeligen Alltagstrubel oftmals überhaupt nicht mitbekommen habe.

Wo nehmen die nur die Zeit her? Ich finde es schon kompliziert genug, mein bisschen Alltag geregelt zu kriegen und schaffe es beim besten Willen nicht, mich auch noch um die Weltlage zu kümmern.

Dabei kann alles so einfach sein. Kennt doch das Time Magazine

The Way out
… of this mess. The six keys to peace in the middle east.

Na also, Time Magazine lesen und a Ruh’is.

Ein garstig Lied! Pfui! ein politisch Lied!
ein leidig Lied!

beschwert sich Brandner in Goethes Faust bei einem Zechgelage in Auerbachs Keller, doch dieses Lied wird in den meisten Medien nach meiner Wahrnehmung derzeit recht einstimmig gesungen.

Als notwendigen Gegenpart mögen daher diese drei Texte dienen:

„Für die Toten ist nur die Hisbollah verantwortlich“
Israel hat das Recht, das Leben seiner eigenen Bürger über das Leben der Bürger im Gebiet des Aggressors zu stellen.
Kommentar von Alan M. Dershowitz
Süddeutsche Zeitung, 28. 7. 2006

Warum Israel richtig reagiert
Auf den aktuellen militärischen Konflikt Israels mit der Hisbollah reagiert die Öffentlichkeit in Deutschland mit den Emotionen und Feindbildern von gestern. Doch Israel streitet für eine gerechte Sache. Pazifismus hilft im Moment nicht weiter, meint der Publizist Matthias Küntzel.
Spiegel Online, 23. 7. 2006

Vokabular der Unwahrheit

Der letzte Link führt zu einem längerem Eintrag vom 30.6. im Blog »Lizas Welt«, der sich mit dem Vokabular der Kriegsberichterstattung beschäftigt. Diesen Eintrag finde ich zwar bedenkenswert, bin bei dem Blog ansonsten aber eher skeptisch – so ganz ohne Person & Impressum macht das doch einen etwas seltsamen Eindruck. Aber das muss jeder selbst entscheiden.


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Das ist eben der Sinn von Meinung: Man kann auch zu Dingen sprechen, von denen man nicht das ganze Bild sieht.

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