Ein Heiratsantrag Anton Bruckners

Mittwoch, 17. August 2011, 12.23 Uhr

Anton Bruckner an Josefine Lang, 16. August 1866:

Sehr geehrtes, liebenswürdiges Fräulein!

Nicht als ob ich mich mit einer Ihnen befremdenden Angelegenheit an Sie, verehrtes Fräulein, wenden würde, nein in der Überzeugung, daß Ihnen längst mein zwar stilles, aber beständiges Harren auf Sie bekannt ist, ergreife ich die Feder um Sie zu belästigen. Meine größte und innigste Bitte, die ich hiermit an Sie, Frl. Josefine zu richten wage, ist, Fräulein Josefine wollen mir gütigst offen und aufrichtig ihre letzte und endgültige auch auch ganz entscheidende Antwort schriftlich zu meiner künftigen Beruhigung mitteilen und zwar über die Frage: Darf ich auf Sie hoffen und bei Ihren lieben Eltern um Ihre Hand werben? oder ist es Ihnen nicht möglich aus Mangel an persönlicher Zuneigung mit mir den ehelichen Schritt zu tun? Fräulein sehen, daß die Frage ganz entscheidend ist, das eine oder andere bitte ich inständigst mir so bald als möglich eben so entschieden, aber gewiß, ebenso entschieden zu schreiben. Bitte, sagen Fräulein Josefine dies Ihren lieben Eltern aber sonst Niemanden (bitte das strengste Geheimnis bewahren zu wollen) und wählen Sie einen aus den zwei vorgelegten zwei Punkten der Frage im Einverständnis mit Ihren lieben Eltern. Mein treuer Freund Ihr Herr Bruder hat bereits mich auf alles vorbereitet und wird auch Sie schon seinem Versprechen gemäß verständigt haben. Nochmal meine Bitte: wollen Fräulein ganz offen und aufrichtig und ganz entschieden schreiben entweder: ich darf um Sie werben, oder gänzliche ewige Absage, (kein Mittelding etwa vertrösten oder umschreiben, da bei mir die höchste Zeit bereits vorhanden ist) (zudem wird sich Ihr Gefühl nicht leicht verändern, weil Fräulein sehr vernünftig sind). Fräulein dürfen die reine Wahrheit mir unbesorgt sagen, weil selbe in jedem Falle mir Beruhigung gewähren wird. Mit Handkuss einer möglichst baldigen entschiedenen Antwort entgegenharrend

Anton Bruckner

Gehört bei BR Klassik, um einen Tippfehler korrigiert und zitiert nach Bastian Schick.


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Keine Kommentare zu „Ein Heiratsantrag Anton Bruckners“

Ja, ich kenne diesen und ähnliche Briefe von ihm. Es hat etwas Herzergreifendes, die tapsige Unbeholfenheit und Unsicherheit Bruckners in „weltlichen“ Dingen zu sehen. Man fühlt sich fast wie ein Voyeur. Mahler hat in seiner zuspitzenden Art Bruckner mal „halb Gott, halb Trottel“ genannt (nunja, er durfte das, weil er den Künstler Bruckner wirklich liebte). Ich finde solche Briefstellen eigentlich im höchsten Grade erschütternd und habe nie verstanden, daß manche Leute dergleichen amüsant finden oder gar überlegen belächeln. (Aus der gleichen Unsicherheit resultiert dann auch, daß Bruckner sich von seinen sogenannten „Freunden“ in seine Symphonien hat dreinreden lassen, was oft zu weitreichenden Über- und Umarbeitungen geführt hat.)