Ein mächtiger Nutzer

Montag, 1. Dezember 1997, 22.19 Uhr

Wer glaubt, es gäbe intelligente Software, der sollte gelegentlich einen Blick in die Dokumentation seiner Programme werfen.

Der Alltag eines Kolumnisten ist weit weniger amüsant, als mancher denken mag. Im Kampf für das Gute, Wahre, Schöne und im selbstlosen Dienst am Leser jagt unsereins atemlos Mißständen hinterher, geißelt im Vorübereilen rasch ein paar Programmpeinlichkeiten und kämpft gegen die Zumutungen, die das an ekligen Widrigkeiten nicht gerade arme CAL (Computer Aided Life) bereit hält.

An manchen Tagen aber hat man Glück, da meint es das Schicksal gut und läßt einen unversehens über Prachtexemplare wie die Dokumentation zu einer monströsen Clipartsammlung namens Masterclip stolpern. Eigentlich hatte ich diese Sammlung in der Hoffnung erstanden, etwas Brauchbares für meine privaten Homepagebasteleien zu finden*. Das habe ich bislang zwar nicht, aber dafür stieß ich auf einen Text, der so recht dazu angetan scheint, der naiven Begeisterung um vorgeblich intelligente Software einen Dämpfer zu verpassen.

Und so geht’s los:

Begrüßen Sie je zu Masterclips der massivsten clipart-Sammlungen, setzte in einer Kiste zusammen.

Ein starker Anfang! Hier zeigt sich, zu welchen Leistungen Software in der Lage ist, wenn man sie nur läßt. So pflügt sich das Programm weiter durch den Text und verblüfft mit Sätzen, die man in dieser konsequenten Mißachtung von Grammatik, Semantik oder Sinn noch nicht gelesen hat:

Vor dem Anfangen irgendeiner Installations-Marke sichere total andere Programme wird geschlossen.

Wer fragt da schon nach Sinn und anderen Kleinigkeiten! Erst recht nicht, wenn einem als Entschädigung solches geboten wird:

Masterclips besteht von 2.000 wahre Art-Taufbecken, 20 Video und Lebhaftigkeit-Filme, 500 Klang bewirkt, 1.400 Spinnwebe-Kunst in GIF-Format.

Wem angesichts dieser ragender Leistungen schwindlig zu werden droht, der mag Trost in den »gesunden Wirkungen« finden, von denen versichert wird, man könne sie »in irgendeiner Anwendung benutzen«. Allerdings scheint deren Einsatz – der Text bleibt hier leider etwas dunkel – an gewisse Bedingungen geknüpft zu sein:

Sie müssen Masterclips Gesunder Kontrolleur behalten, öffnen Sie oder minimierte für das gesunde Verband-Merkmal um zu arbeiten.

Gelegentlich blitzt so etwas wie verständlicher Text auf, mitunter scheint es, als seien dem Programm einfach nur die Texte durcheinander geraten und unversehens ist von einer »Ballabwehr-Führung« die Rede. Doch gehen solche Momente so schnell unter, wie sie aufgetaucht sind:

Einmal sind Sie sicher, alles wird geschlossen, gehen Sie zu das bearbeiten Sie Speisekarte und wählen Sie Suche. Die Suche-Kiste wird erscheinen.

Wem die Suche-Kiste nicht reicht, der greife zum »Suche-Motor« der »durch sein Sitte-Register gehen« wird. Wie? Das verstehen Sie jetzt nicht? Kein Grund zur Sorge, nicht verzweifeln, Hoffnung ist nah:

Wenn Sie eine Suche versuchen, und Sie finden nichts, verläßt keine Hoffnung. Versuch, der von anderen Wörtern denkt, die das beschreiben, für das Sie sehen.

Wer jetzt immer noch nicht von der Nützlichkeit der Sammlung überzeugt ist, dem wird versichert:

Der Masterclips Mediapaq Browser ist ein mächtiger Nutzer, der Sie läßt.

Damit haben Sie jetzt aber Schwierigkeiten? Aber nicht doch:

Wenn Sie irgendwelche Schwierigkeiten haben, die diesen Nutzen benutzen, bitte benutzen Sie die üblichen Taufbecken-Installations-Nutzen.

Doch wie gesagt, Glücksmomente dieser Art sind leider rar, und auch die schönste Dokumentation geht einmal zu Ende:

Dies mag Ihnen eine Idee einiger Wörter geben

– in diesem Sinne, bis zum nächsten mal.

* Das steht jetzt nur da, weil der verantwortliche Redakteur für diese Seite partout einen Bezug zum Internet haben wollte. Das hat er jetzt davon.

Zuerst erschienen in: Internet Professionell, Dezember 1997