Eine ruhige Woche: Montag, 27. 11. 2006

Samstag, 2. Dezember 2006, 16.09 Uhr

Schon beim Weg ins Büro fühle ich mich eher matt und ausgelaugt. Keine Frage, die Erkältung, die in den letzten Tagen herangekrochen kam, hat mich erwischt. Am Sendlinger Tor muss ich die U-Bahn wechseln, ich gehe die Rolltreppe im gewohnten Tempo hinauf. Und bekomme einen Schrecken. Nämlich keine Luft mehr. Ich gehe möglichst langsam bis zum nächsten Geländer und stütze mich ab. Allmählich geht’s wieder. Die U-Bahn kommt, ich steige ein und fühle mich übel.

Im Büro warne ich meinen Kollegen, ich hätte mir da was eingefangen, er solle mir bloß nicht zu nahe kommen. Er rät mir zum Arztbesuch und sucht sogar zwei praktische Ärzte in der Nähe raus. Also mache ich mich auf den Weg.

Der eine Arzt ist gleich um die Ecke, nur ein paar hundert Meter entfernt. Ich laufe zuerst um die falsche Ecke, ein paar hundert Meter in die falsche Richtung. Als ich meinen Irrtum bemerke, kehre ich um. Das Gehen fällt mir zusehends schwerer. Gleich werde ich ohnmächtig, denke ich, halte mich kurz an einem Telefonkasten fest und gehe dann weiter. Schritt. Für. Schritt.

In der Praxis spreche ich die erstbeste Person an, die mir begegnet, habe aber wegen Luftmangels erhebliche Probleme mit der Artikulation. Die Person ist zufälligerweise die Ärztin, zu der ich wollte. Ich bin ein wenig außer Puste, japse ich so nach und nach, aber da sitze ich schon auf einer Liege, habe Sauerstoffstöpsel in der Nase und einen Tropf am rechten Arm.

Nach wenigen Untersuchungen ruft die Ärztin einen Krankenwagen. Aber nicht doch, sage ich. Aber sicher doch, sagt sie. Verdacht auf Lungenembolie, höre ich noch, als mich die beiden Sanitäter zum Wagen bringen.

Im Krankenhaus macht eine Ärztin kurz ein EKG und ordert ein Bett mit Monitor. Ich bleibe doch nicht hier, sage ich. Aber sicher bleiben sie das, sagt sie und lässt mich zum Röntgen schieben. Was möchten Sie denn zum Abendessen, fragt man mich. Gar nichts, sage ich, ich geh doch gleich wieder nach Hause. An diesem Abend bekomme ich nichts zu essen.

Allmählich wird mir klar, dass ich wohl doch im Krankenhaus bleiben muss. Ich habe Glück im Unglück und bekomme ein Einzelzimmer. Ich werde an den Monitor angeschlossen. Ich rufe ein paar Freunde an, später kommt meine Freundin und bringt die nötigste Wäsche. Auf dem Monitor tanzt mein Herzschlag. Wie im Kino. Nur schneller. Ich pfeife das Motiv von Daryl Hannah aus Kill Bill und wir müssen lachen.

Keine Sorge, sage ich, morgen bin ich wieder draußen.