Erst als der Schnee verschwunden war, fand man seine Leiche und auch die Brote.

Mittwoch, 30. Dezember 2015, 17.56 Uhr

Karl Mays Autobiographie „Mein Leben und Streben“ ist ein anrührendes Dokument der Selbsterforschung und ein Stück unverächtlicher Prosa, dessen lakonischen Beginn ich nicht ohne Erschütterung lesen kann:

Ich bin im niedrigsten, tiefsten Ardistan geboren, ein Lieblingskind der Not, der Sorge, des Kummers. Mein Vater war ein armer Weber. Meine Großväter waren beide tödlich verunglückt. Der Vater meiner Mutter daheim, der Vater meines Vaters aber im Walde. Er war zu Weihnacht nach dem Nachbardorf gegangen, um Brot zu holen. Die Nacht überraschte ihn. Er kam im tiefen Schneegestöber vom Wege ab und stürzte in die damals steile Schlucht des „Krähenholzes“, aus der er sich nicht herausarbeiten konnte. Seine Spuren wurden verweht. Man suchte lange Zeit vergeblich nach ihm. Erst als der Schnee verschwunden war, fand man seine Leiche und auch die Brote.

Karl May, Mein Leben und Streben, 1910

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