Fortschrittsfragen

Dienstag, 18. April 2006, 6.44 Uhr

Phrase schlägt Logik:

Als das Boot vor rund 130 Jahren den Meeresgrund vor Panama erforschte, war die berüchtigte Taucherkrankheit noch weitgehend unbekannt. Das Leiden kann bei zu schnellem Auftauchen aus tiefem Wasser einen jämmerlichen Tod verursachen. Der technische Fortschritt hatte den medizinischen auf fatale Weise überholt – und im Fall der „Explorer“ ihre Mannschaft wie auch ihren Erfinder Gesundheit und Leben gekostet.

heißt es in einem Artikel über die »Sub Marine Explorer« (eines der ersten U-Boote, gebaut 1865) beim Spiegel.

Das klingt zwar immer nett gedankenschwer und bedächtig, das mit „technischer Fortschritt hat xy überholt“ – ist aber hier einfach nur Phrase.

Schließlich kann die „berüchtigte Taucherkrankheit“ von der Medizin erst dann untersucht werden, wenn sie autritt. Und sie konnte erst auftreten, als man daran ging, die ersten U-Boote (und Tauchapparaturen) zu konstruieren, mit denen der Mensch in jenes „tiefe Wasser“ hinabtauchen konnte, aus dem ein „zu schnelles Auftauchen […] einen jämmerlichen Tod verursacht“. Der „medizinische“ wurde also nicht durch den „technischen Fortschritt“ überholt, sondern überhaupt erst ermöglicht.


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