Funkverkehr

Montag, 9. Oktober 2006, 20.39 Uhr

»Schon gehört? Lukas Grunwald hat auf der Blackhat-Konferenz in den USA den RFID-Chip im deutschen Reisepass geknackt!« – »Nein, das hat er nicht.« – »Wie? Aber das steht doch, Moment, hier, in der Welt: ›Deutscher Sicherheitsexperte knackt Funkchiptechnik‹. Oder hier, Tagesschau: ›IT-Sicherheitsexperte knackt Reisepass-Chip‹. Na also.« – »Stimmt trotzdem nicht. Grunwald hat nicht geknackt, nur kopiert.« – »Ja und? Kommt doch aufs Gleiche raus.« – »Nein, Grunwald hat mit dem RFID-Chip das gemacht, wozu er da ist: er hat ihn ausgelesen. Die Dinger haben überhaupt keinen Kopierschutz, sagt das Innenministerium.« – »Ach, es ist geplant, dass man den Chip kopieren kann?« – »Nein, das ist natürlich nicht geplant.« – »Na also.« – »Ach was. Mit dem kopierten Chip kann man nichts anfangen, der ist wertlos.« – »Wie, man kann damit nicht einen Ausweis fälschen?« – »Natürlich nicht. Naja, zumindest nicht so einfach. Das Innenministerium sagt jedenfalls, dass das nicht geht.« – »Na weißt Du, ob ich nun ausgerechnet denen in diesem Punkt glauben würde …« – »Dann glaub’s halt dem CCC, der sagt das nämlich auch.« – »Na, dann bin aber beruhigt, also viel Lärm um Nichts.« – »Je nun, so weit würde ich nun auch wieder nicht gehen wollen.« – »Warum? Ich denke, es gibt kein plausibles Missbrauchsszenario mit den geklonten Chips?« – »Gibt es auch nicht … « – »Aber?« – »Aber das ist bekanntlich nur eine Frage der richtigen Mischung von Einfallsreichtum, krimineller Energie und Gelegenheit.« – »Besteht bei den Funkchips im Ausweis am Ende doch Anlass zur Unruhe?« – »Tja. Das hängt wohl vom persönlichen Paranoia-Level ab. Ich jedenfalls kann noch ruhig schlafen« – »Na dann gute Nacht.«

Zuerst erschienen in: Internet Professionell, 10/2006


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