Geisterjäger

Freitag, 21. Januar 2011, 12.26 Uhr

Viele, wenn nicht fast alle Webseiten arbeiten mit Trackingcodes, um die Zugriffe statistisch nach allen möglichen Aspekten auswerten zu können. Der populärste Dienst ist hier fraglos Google Analytics, in Deutschland binden praktisch alle Verlagswebseiten die Zählpixel der IVW ein. Auch die unzähligen Anzeigennetzwerke von AdWords bis Doubleclick sammeln natürlich fleißig Daten und legen Benutzerprofile an. Der Boom von Facebook, Twitter & Co tut ein übriges, viele Seitenbauer fügen die entsprechenden Scripts in ihren Code ein, damit die Besucher mit einem Mausklick ihre Kontakte in den sozialen Netzwerken auf die Seite aufmerksam machen und so für weitere Besucher sorgen können.

Dagegen wäre so auf Anhieb vielleicht kaum etwas zu sagen, blieben die erfassten Daten auf die jeweilige Website beschränkt und böten kaum mehr Informationen als das Logfile des Servers. Doch das ist nicht der Fall. Wer verschiedene Webseiten besucht, bei denen zum Beispiel Anzeigen aus dem Doubleclick-Netzwerk eingespeist werden, hinterlässt im Datenpool von Doubleclick(*) eine klare Spur. Auch wenn man keinem Link folgt und die Adressen händisch einträgt, bleibt man für das Anzeigennetzwerk die ganze Zeit über sichtbar und anhand von IP-Adresse, Cookies oder dem Fingerabdruck des Browsers mehr oder weniger eindeutig identifizierbar.

Man kann das achselzuckend zur Kenntnisnehmen und gelegentlich die Cookies ausmisten. So lange es nur eine Handvoll Anbieter gab und die Seiten, auf denen diese Scripts eingebunden waren, sich an fünf Fingern abzählen ließen, war mir das auch mehr oder weniger egal. Doch die Zeiten sind lange vorbei. Es gibt inzwischen ein paar Hundert Anbieter und kaum noch eine Webseite, die auf deren Dienste verzichten möchte.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, mir wird bei den wachsenden Datenbergen inzwischen eher mulmig zumute weshalb ich vor einiger Zeit bei meinen Blogs Google AdWords und Analytics rausgeworfen habe.

Doch wo Gefahr ist wächst das Rettende bekanntlich auch und parallel zu den Trackingdiensten tauchte Blockingsoftware auf, die die allzuneugierigen Datensammlern aussperrt. Hierzulande sorgte etwa 1999 das Progrämmchen Webwasher für Proteste der Seitenbetreiber, inzwischen gehören Anzeigenblocker zur Standardausrüstung vieler Anwender.

Selbst manchen Marketingleuten ist die grenzenlose Sammelwut anscheinend ein wenig unheimlich geworden: das Online-Werbeunternehmen Evidon hat nun eine Browsererweiterung für Chrome, Firefox,Internet Explorer und Safari namens Ghostery vorgestellt, mit denen sich die Trackingcodes, die eine Webseite benutzt, erkennen und blockieren lassen. Zusätzlich bietet Ghostery Informationen über den Anbieter des jeweiligen Trackincodes und zitiert aus deren Datenschutzrichtlinien. Natürlich hat man bei Evidon nicht prinzipiell etwas gegen Anzeigen und das Tracking der Kunden, plädiert aber für mehr Transparenz und Offenheit.

Wie auch immer: Die Erweiterung Ghostery ist auf jeden Fall einmal einen Test wert  – und sei es nur, um zu erkennen, wieviele Trackingdienste die Lieblingswebsites so einsetzen. Dabei erkennt Ghostery auch die Dienste, die über externe Javascripts eingebunden werden und im Quellcode einer Seite nicht auf Anhieb zu erkennen sind. Mein bisheriger Spitzenreiter ist übrigens AppleInsider.com. Hier findet Ghostery sage und schreibe 14 (!) Trackingcodes.

(*) Jetzt wollte ich bewusst nicht Google nennen, um nicht ins billige Google-Bashing zu verfallen, da muss ich feststellen, dass Doubleclick inzwischen auch von Google aufgekauft wurde.


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Mehr Transparenz ist auch bitter nötig. Als Benutzer neuer Technik steht man ohne hin zwischen den Stühlen. Auf der einen Seite versucht die Regierung einen an die Leine zu legen und auf der anderen Seite wollen Unternehmen alles über dich wissen. Ich wüsste gerne wo das noch enden wird.