Genug ist genug

Donnerstag, 14. April 2005, 0.20 Uhr

Nun ist es amtlich: „Tiger“, die neue Version von Apples Betriebssystem Mac OS X wird am 29. April ausgeliefert werden und 129,00 US-Dollar kosten. Auf seinen Webseiten bewirbt Apple das neue System aufs Verführerischste und meine erste Reaktion war denn auch prompt: „Will ich haben!“ Schließlich bietet Tiger eine ganze Reihe netter und nützlicher Erweiterungen, die ich gerne hätte.

Doch nach dieser ersten, spontanen Reaktion meldete sich eine Stimme, die mir zuraunte: „Rund 130,00 Dollar für Update? Ist das nicht ein bisschen happig?“ – „Ist ja kein Update“, raunte ich zurück, „das ist das komplette System. Ist doch günstig!“ Aber die Stimme gab keine Ruhe, sondern fragte nur: „Und? Brauchst Du das wirklich?“

Tja, das sind so Fragen – brauche ich das wirklich? Wenn ich ehrlich bin: Nein, ich brauche das nicht, eigentlich reicht mir mein Apple-Notebook, so, wie es derzeit ist. Warum sollte ich also rund 130,00 Dollar für etwas ausgeben, was zwar ganz nett ausschaut und von Apple auch verlockend vermarktet wird, aber das ich eigentlich gar nicht brauche?

Apples überarbeitetes Betriebssystem kann symptomatisch für den gesamten Soft- und Hardwaremarkt stehen, nicht nur für die rund fünf Prozent, die Apple von diesem Markt besitzt.

Wenn Sie einen Nagel in dien Wand schlagen wollen, dann nehmen Sie dafür einen Hammer. Es gibt leichte und schwere Hämmer, große und kleine, solche, die gut in der Hand liegen und solche, mit denen man eher den Daumen als den Nagel trifft. Vielleicht wählen Sie eine Zeitlang aus, probieren verschiedene Hämmer durch und sammeln Erfahrung, aber irgendwann wissen Sie, welchen Hammer Sie benötigen und werden sich erst dann einen neuen Hammer zulegen, wenn Sie nicht nur Nägel in die Wand schlagen wollen.

Ganz ähnlich ist es mit Hard- und Software. Auch hier handelt es sich um Werkzeuge, die angeschafft werden, um ganz bestimmte Aufgaben damit zu erledigen. Da probiert man eine Zeitlang herum, wechselt auf neue Versionen und kauft sich das ein oder andere Zubehör. Aber irgendwann ist es auch hier so, dass das Werkzeug für die Aufgabe, die damit erledigt werden soll, ausreicht: Genug ist genug und mehr braucht es nicht. Heute ist es fast immer so, dass ein neu gekaufter Computer sowohl in Sachen Hard- also auch Software genügend Leistung bietet, um so ziemlich alles erledigen zu können, was Sie jemals damit erledigen möchten.

Die Entwicklung der Hard- und Software hat einen bestimmten Grenzwert erreicht, bei dem die verfügbaren Lösungen für fast alle alltäglichen Aufgaben genügen und die Weiterentwicklung nicht mehr zwingend notwendig ist. Verstehen Sie mich nicht falsch, natürlich kann jedes Programm immer noch besser werden, natürlich kann man jeden Computer immer noch ein Stückchen leistungsfähiger machen und natürlich sollten die Firmen nicht aufhören, in Forschung und Entwicklung zu investieren – aber es gibt kaum noch einen Grund, jedes Update mitzumachen und sich jede neue Version sofort nach Erscheinen zu kaufen. Mit der Anschaffung neuer Versionen und Geräte kann man warten, bis sich die Aufgabenstellung oder die eigenen Ansprüche ändern und andere Hard- oder Software benötigt wird.

Für einen privaten Käufer, für den der Computer nicht nur Arbeitswerkzeug, sondern auch technisches Hobby ist, mag es ja von ausschlaggebender Bedeutung sein, wenn der Prozessor ein paar Takte schneller ist oder die neue Version der Textverarbeitung noch ein paar Tricks mehr auf Lager hat – aber für, sagen wir mal: 95 Prozent aller Büroaufgaben genügen ein normaler Computer, die aktuelle Version von MS Office (oder einem vergleichbaren Programm) und Windows XP. Ich kenne sogar Unternehmen, da wird seit Jahr und Tag mit Windows 98 und alten Office-Programmen gearbeitet und jede neue Version einfach ignoriert, ohne dass das Tagesgeschäft der Unternehmen darunter litte.

Aber was ist nun mit Tiger? Kaufen oder nicht kaufen? Wie gesagt: ich brauche es nicht wirklich – aber ich hätte es gern.

Nur gut, dass ich mich heute noch nicht entscheiden muss, sondern erst in rund zwei Wochen. Bis dahin kann ich die Frage noch ein wenig vor mir her schieben.


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