Grausam

Sonntag, 30. September 2007, 23.53 Uhr

Paris Hilton ist, keine Frage, eine überaus nervtötende Person, der man am besten einfach aus dem Weg geht. Vielleicht ist sie auch eine sehr dumme, so genau weiß ich das nicht (es ist dies aber auch keine Frage, die mich sonderlich umtreibt).

Beide Eigenschaften teilt sie mit gefühlten 95 Prozent der Weltbevölkerung. So weit ich sehe, hat sie noch nie etwas schlimmeres getan, als das ästhetische Empfinden der Zuschauer zu beleidigen – wozu allerdings, wie so oft, zwei gehören. Das Publikum wäre nicht so entrüstet, wäre diese Entrüstung nicht auch gleichzeitig lustvoll besetzt.

Kurz: Paris Hilton ist blond, meinetwegen blöd – und vollkommen belang- und harmlos, kaum der Rede wert, ein Achselzucken genügt.

Warum also glauben Hinz & Kunz, an der blonden Millionenerbin ihren Witz beweisen zu müssen, der sich nur zu oft als exakt der schlechte Geschmack erweist, den sie Hilton unterstellen? Mit dem Unterschied allerdings, dass die hämischen Berichte über Hilton nicht nur schlecht, sondern oft genug auch sadistisch sind und sich in ihnen nichts als das Rudelinstinkt der Killermeute meldet.

Natürlich ist Hilton selbst schuld. Wer sich an die Öffentlichkeit begibt, kann darin umkommen. Doch es ist nichts als ärgerlich, wenn die Kläffer der Klatschspalten über Hilton lästern – fatal und peinlich wird es, wenn ein Großmeister der Zunft wie David Letterman sie in seiner Show gnadenlos vorführt. Das ist einfach ein zu ungleicher Kampf, als dass man ihm amüsiert folgen würde:

Letterman will wissen, was Hilton im Gefängnis gegessen hat („Es gab eine Orange zum Frühstück? Na, dann kriegt man wenigstens keinen Skorbut“). Dann fragt er sie, ob sie überhaupt wisse, weshalb sie im Gefängnis gewesen sei. Hilton guckt verwirrt. Sie wirkt völlig hilflos, weiß nicht, ob diese Fragerei ernst gemeint ist, überlegt offenbar, wie lange sie noch gute Miene zum bösen Spiel machen muss.

Schließlich verzieht sie das Gesicht, fängt fast an zu weinen und haucht: „Wenn ich gewusst hätte, dass Sie mir all diese Fragen stellen, wäre ich gar nicht gekommen.“

Frauen zum Weinen zu bringen ist keine Kunst und selbst dann nicht lustig, wenn es eine blonde Heulsuse namens Paris Hilton ist.

Letterman habe, so heißt es bei Spiegel Online, vor Beginn des Hilton-Auftrittes Reklame für deren neues Parfüm gemacht. So seien nun einmal die Regeln im Showbusiness.

Und für »diese Marktschreiertätigkeit« so heißt es vielleicht treffender, als es dem Autor bewusst ist, habe Letterman dann »grausame Rache« genomen. Grausam. Ja, so kann man Lettermans Vorgehen durchaus stimmig auf den Begriff bringen.


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Keine Kommentare zu „Grausam“

Also ich fand die Nummer saukomisch …

http://www.youtube.com/watch?v=koH0sDec2-k

[…] nur zu oft als exakt der schlechte Geschmack erweist, den sie Hilton unterstellen?” (Giesbert Damaschke,  Link im Zitat von […]

[…] “pad” ist ein Spiegel-Online-Tag, der erhöhte Aufmerksamkeit gebietet. Denn dann schrieb Patricia Dreyer. Bisher hatten wir uns verschiedentlich über ihre “Nachrichtenauswahl” und -aufmachung wundern müssen. Nun wundern wir uns über ihren erklärten Humor – aber (wenigstens für den Moment) nicht mehr über das, was sie daraus macht. Denn extrem witzig findet sie ein David Letterman Solo mit Paris Hilton als Sidekick. Die Humorkritik finden Sie ausnahmsweise nicht in der Titanic, sondern bei Giesbert Damaschke. […]

bolte witwe schrieb am 18. Oktober 2007, um 13.56 Uhr

lettermans interview war witzig und durchaus angebracht. derartige „grausamkeiten“ gehören zum show-geschäft wie fußpilz zu turnschuhen. man versucht es zu vermeiden, aber gelgentlich passierts doch. dass herr gamaschke ernstliche grausamkeit am werk sieht, is mir unverständlich.

gruß

(„gamaschke“ find ich übrigens ein super nachname)