Hier hackt der Chef

Sonntag, 18. Februar 2007, 0.47 Uhr

Was immer man beim BKA auch lernen mag – mit den Themen, zu denen man sich dann öffentlich äußert, scheint das wenig zu tun zu haben. Anders lässt es sich kaum erklären, dass der BKA-Chef Jörg Zierke im Interview zu den sog. „Online-Durchsuchungen“ folgenden Blödsinn zu Protokoll gibt:

Wir werden eine spezielle, hoch professionelle Software entwickeln, die sich nicht mit Hacking oder Trojanern vergleichen lässt. Die Ermittler dürfen nur einzelfallbezogen arbeiten und müssen vorab eine Umfeldanalyse der betroffenen Person vornehmen. Die Programme sollen bestimmte Signalwörter zur Suche enthalten. Die Privatsphäre wird dadurch geschützt.

Zierke schient nicht ein einziges Mal auf die Idee zu kommen, dass ein Krimineller nicht nur darauf achten könnte, keine Fingerabdrücke zu hinterlassen, sondern auch darauf, seine Online-Spuren zu verwischen und dafür sorgt, dass keine noch so hoch professionelle Software vom BKA in seinen Rechner kommt.

Auch wenn es in Minister- und BKA-Kreisen offensichtlich als schick gilt, mit der eigenen Ignoranz in Internet- und Computerdingen öffentlich zu kokettieren – man sollte sich vielleicht mit dem Gedanken anfreunden, dass nicht jeder so naiv wie der Herr Beckstein ist, der treuherzig erklärte:

Ich hätte diese Mitteilung des BKA

(gemeint ist der BKA-Trojaner, der kürzlich kursierte und von jedem, der einigermaßen lesen kann, auch ohne sonderliche Spezialkenntnisse als Betrug zu durchschauen war)

mit hundertprozentiger Sicherheit geöffnet, wenn meine Frau mich nicht vor der schlimmen Mail gewarnt hätte, weil sie darüber in der Zeitung gelesen hatte.

Wie schön für den Herrn Beckstein, dass er eine Frau hat, die in der Zeitung liest, was für schlimme Mails auf Herrn Becksteins Computer landen können. Wie der Herr Beckstein nun allerdings aus seiner Unkenntnis und der Zeitungslektüre seiner Frau den Schluss zieht, deshalb seien „Online-Durchsuchungen“ notwendigt, wird wohl hoffentlich sein Geheimnis bleiben.

Es macht ja nichts, wenn die Herren Beckstein und Zierke so gar nicht wissen, worüber sie da reden, unsereins erzählt abends beim Bier ja auch so allerlei Unfug. Aber unsereins ist ja auch nicht bayerischer Innenminister oder Deutschlands oberster Kriminalbeamter.


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