High Noon in Brandenburg

Mittwoch, 1. November 2006, 20.40 Uhr

Bei der Brandenburger CDU geht’s hoch her. Da wird der Vorsitzende der Jungen Union von, äh, Parteifreunden als »Kameradenschwein« beschimpft, eine Ministerin muss sich »parteischädigendes Verhalten« vorwerfen lassen und ihren Internetprovider nennt die CDU einen »windigen Typ«. Der nämlich hat den Wirbel ausgelöst, als er öffentlich machte, was man in der Landeszentrale für ein »transparentes und offenes System« beim Umgang mit fremder Leute E-Mail hält: Über Monate hinweg seien die an führende CDU-Politiker adressierten Mails heimlich und systematisch vom Generalsekretär der Partei und ihrem Landesgeschäftsführer mitgelesen worden. »Stimmt gar nicht«, sagen die Beschuldigten und sprechen von einem »normalen Prozess« im Büroalltag. Das nun sahen die Ministerin und der JU-Vorsitzende doch ein wenig anders, die meinten, ihre persönlichen E-Mails läsen sie doch bitte auch nur persönlich. Vielleicht, so ihre Anregung, sollten die beiden Beschuldigten einfach mal ihr Amt ruhen lassen, woraufhin sie die erwähnten Titulierungen zu hören bekamen. Provider und CDU verklagten sich derweil gegenseitig und als Außenstehender fragt man sich schon ein wenig verwundert, was da wohl los sein mag. Er könne seine Behauptungen mit rund 400.000 Datensätzen beweisen, sagt der Provider. Alles Lug und Trug und eine Verzerrung der Tatsachen, kontert die CDU. Wie auch immer. Um E-Mails muss ich die CDU Brandenburg derzeit jedenfalls keine Gedanken mehr machen – ihr Provider hat sie aus dem Netz gekickt.

Zuerst erschienen in: Internet Professionell, 11/2006