Hobby, das Magazin der Technik

Donnerstag, 21. September 2000, 18.13 Uhr

Bei Umzügen gerät naturgemäß alles mögliche in Bewegung, da wird das Unterste zu oberst gekehrt und wenn einem der Zufall eine längst verschollen geglaubte Kiste mit alten Zeitschriften in die Hände spielt, wird aus der Räumerei unversehens eine Zeitreise in die Zukunft von Gestern.

Hobby Cover Hobby. Das Magazin der Technik erschien 1953 erst monatlich, seit Mitte 1960 vierzehntäglich im Ehapa-Verlag. Anfänglich war es im DIN-A5-Format, ab Ende der 60er-Jahre wurde das Format etwas vergrößert, später erschien das Magazin im üblichen Zeitschriften-Format; Anfang der 80er-Jahre wurde das Magazin eingestellt.

Zumindest dann, wenn es sich dabei um einen Stapel alter „Hobby“- Hefte aus den fünfziger Jahren handelt. „Hobby. Das Magazin der Technik“ lautete der vollständige, ebenso nüchterne wie vielversprechende Titel, der eigentlich schon alles sagt, was es zu sagen gibt.

Technik & Hobby: Damit wird nicht nur das menschlich Machbare als ultima ratio aller Probleme angeboten – noch heute orakelt die Besatzung der USS Voyager von obskurer „fortgeschrittener Technologie“ wenn den Drehbuchautoren ein deus ex machina fehlt –, sondern auch gleich das Versprechen abgegeben, diese Technik fiele in den Wirkungsbereich des Jedermann.

Denn „Hobby“ – das meint Bastel- und Heimwerkerstunden, in denen Knaben jeden Alters und ruhig auch mit Rauschebart und Pfeife, an der heimatlichen Arbeitsplatte mit Hammer, Zange und Lötkolben sich die Welt ein wenig untertan machen. Wer ein „Strahltriebwerk im Eigenbau“ (Dezember 1957) erschafft – was kann den noch schrecken?

Bastel- und Bauanleitungen hatten eine festen und umfangreichen Platz im Heft. Was wurde da nicht alles in autochtoner Heim- und Handarbeit gebaut: Jede Menge Modellflugzeuge, -autos, -eisenbahnen, und -schiffe, ein veritabler Aluminiumschmelzofen, diverse Lampen, ein „Kleinroboter fürs Fotolabor“, eine Dampfrakete, Klein- und Kleinstmöbel jeder Art und so weiter und so fort, Monat für Monat, Jahr um Jahr: Es schien nichts auf der Welt zu geben, das dem zielsicheren Griff bastelnder Männerhände entzogen blieb.

Kein Wunder, daß der Redaktion die subversiveren Spielarten der Science-fiction, mit denen sich die so entschieden geleugneten gesellschaftlichen Ängste vor der bejubelten Technik drastisch und genretypisch Bahn brachen, ein Dorn im Auge war. So wetterte man im Oktober 1957 über die „Dilettanten, Nichtskönner und Schmierfinken“, die in ihren Romanen monströse Apparaturen, Roboter und Maschinen auf die Menschheit loslassen: „Wer ein reales Verhältnis zu Technik und Wissenschaft hat, dem kann solche science fiction nichts anhaben. Aber wer ist so gefeit!“

Da sei „eine saubere Schriftstellerei“ vor, die mindestens so sauber und zukunftsgewiß ist, wie die Apotheose der Technik, die „im Bau befindlichen Atomreaktoren“, gegen die bekanntlich nur mit „unsinnigen Argumenten polemisiert und prozessiert“ werden kann.

Nichts scheint Mitte der fünfziger Jahre die technischen Machbarkeitsphantasien stärker entzündet zu haben, als die Atomenergie. Ob „Atom-Flugzeuge keine Utopie mehr“ waren, die Autoren „auf Bahnsteig 3“ schon den „Atom-D-Zug“ einfahren ließen, den „Tanz auf dem Atomvulkan“ beschrieben, eine „Olympiade der Atomtechnik“ ins Leben riefen oder man den mit „radioaktiven Strahlen gedüngten Zaubergarten von Long Island“ bestaunte: Kein Thema ist in den frühen Hobby-Jahren so präsent wie „das Atom“.

Allenfalls das Auto konnte da noch mithalten und je stärker sich zeigte, daß die anfangs erträumte Symbiose vom „Atom-Auto“ nicht realisiert werden konnte – „Atomkraftanlagen sind also einfach für Autos, zumindest für Personenwagen, zu schwer“ – desto mehr Raum nahm es ein, bis es schließlich zum einzigen, alles dominierenden Heftinhalt avancierte.

Doch das war schon der Anfang vom Ende – in den späteren Jahren mutierte „Hobby“ immer mehr zum Auto-Magazin für Bastler, bis es nach rund 25 Jahren vom Kiosk verschwand –, im ersten Jahrzehnt feiern Auto & Atom Heft für Heft ungeahnte Triumphe. Da träumten sich Redaktion und Leser ein angstfreies Technikparadies zusammen, in dem „eine sinnvolle Entwicklung von Wissenschaft und Technik“ der „Traumwelt aus Wahn- und Angstvorstellungen“ all jener trutzig Paroli bot, die „das Staunen über echte technische Glanzleistungen verlernt“ hatten.

Je dröhnender der selbstsichere Gestus der Texte, desto verräterischer das Gewischel und Gemurmel im Anzeigenteil. Hier wurden zielsicher die Ängste der Leser adressiert. Die Kehrseite der redaktionellen Omnipotenz-Phantasien sind die verkappten Ohnmachtserklärungen der Anzeigen. Es wimmelt von allen möglichen Kursen und Angeboten, dubiosen Verdienstmöglichkeiten, männlichen Kosmetika, Muskelpräparaten, und ähnlichem mehr.

„Auch wenn ihr Herz der Technik gehört – Männer haben es gern, wenn sie von Frauenblicken aus schmalen Augen gestreift werden“, weshalb den „Männern einer neuen Zeit“ der Pfeifentabak „Harvard“ ans Herz gelegt wird. Fürs geistig Wohlbefinden sorgt „mein Fernstudium“, das den Hobby-Mann „1-2-3-im-Handumdreh’n“ vorwärts bringt: „Jetzt hab‘ ich ’ne anständige Stellung und es reicht zum eigenen Wagen!“.

Im Innersten jedoch, wer wollte das leugnen, nagt der Zweifel am Mann – schrecklichster der Schrecken aller Männer: Kein Mann zu sein. „Kraftvoll neu! Männlich!“ verspricht daher prahlend ein Muskelprotz, der sein Geheimnis – „Super Muscula“ für 11,70 DM pro „Original-Packung“ – gern mit den Hobby-Lesern teilt:

Sie können es am eigenen Körper erleben. Wie glücklich es macht, wenn man das stolze Gefühl hat, es mit jedem anderen Mann aufnehmen zu können. Nicht nur geistig, sondern auch körperlich überlegen zu sein. So, wie es ja jeder Mann von Natur aus eigentlich ist!

Das muß man mehrfach lesen, um es zu glauben: Jeder Mann ist jedem andern Mann von Natur aus geistig und körperlich überlegen. So amüsant dieses paradoxe Werbeversprechen auch ist, so verräterisch ist es: Stimmiger läßt sich der ambivalent zerrissene Baugrund der technischen Hobby-Welt kaum auf den Begriff bringen.

Doch Zurück in die Zukunft, auch in der Gegenwart gibt’s Männer – die Möbelpacker warten und der Umzug muß weitergehen. Da wandern die Hefte wieder in ihre Kiste. Die muß mit. Vielleicht schau‘ ich in 50 Jahren wieder rein.

Zuerst erschienen bei: Die Zeit im Internet, 38/2000


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Hobbyfreund schrieb am 12. Oktober 2007, um 9.37 Uhr

Hallo lieber Hobbyzeitschriftendiffamator (-in?)..

Nee, lass es bleiben, Du liest sie sicher nicht mehr..
Die Zeitschrift scheint eh nichts für dich zu sein (nimm die Kiste, und schenke sie jemand der damit was anfangen kann) und widme Dich wieder Deinen Reichraniczki-Ergüssen, die sind ja sooo viel geistreicher…

vielleicht gehörst Du ja auch zu den „Dilettanten, Nichtskönner und Schmierfinken“ & fühlst Dich daher angesprochen ?? Haben wwohl nicht geklappt, Deine Basteleien & bist jetzt frustriert ?? Macht nix, is halt nicht für jeden was, kannst Dir ja heute deine Kleinmöbel auch schon bei IKEA kaufen..

Konstruktive Kritik =oK,diese nicht.Bin vielseitig interressiert,las Hobby gerne.Es gab positive Zukunftsprognosen usw.Die traten nicht ein. Könnte es daran liegen :zuviele multilaterale Konzerne=Lohndiktatur;Verlust des Grundrechtes = frei Wahl des Arbeitsplatzes;gewaltsame Entfernung der DM=Euro =Fall des Dollars =evtl. weltweite Rezession;schlechte Politiker die auch noch für viele Millionen falsch beraten werden?

Wolfgang Kutscherauer schrieb am 17. Dezember 2007, um 18.25 Uhr

Jede Zeitschrift gibt auch etwas von der Zeit wieder in der diese entstand.
Ich persönlich bin auf der Suche nach einem Heft von 1986. Ich weiß nicht welcher Monat, aber da wird über ein Elektorauto berichtet, das u.a. von den RWE finanziert wurde. Auf dem Titelbild ist das Auto, weiß, mit Flügeltüren.

Marc B. schrieb am 3. Juli 2008, um 8.51 Uhr

Also sooo schlimm ist der Beitrag ja nun auch nicht zumal sicherlich nicht alles Bierernst gemeint war.

Hr. Damaschke: Sollten Sie der Hefte überdrüßig sein so wäre ich ein dankbarer abnehmer, denn ich sammle diese Hefte und habe inzwischen schon hunderte zusammengetragen und einige Jahrgänge komplett.

Bei Interesse: email at cobra71.de (natürlich das at in der Mitte durch ein @ ersetzen und die Leerzeichen weglassen)

MfG

Marc B.

Hallo!

Auch ich kann mich meinen Vorrednern nur anschließen, denn die Hefte sind sowas von interessant und in heutiger Zeit einfach ein Genuss, die Ansichten und Visionen unserer Väter und Großväter zu lesen.

Und noch eine Korrektur: Das Magazin gab es nicht 25 Jahre, sondern immerhin 38 Jahre (von 1953-1991), obwohl ich dem Schreiber recht geben muss, dass die letzten Jahrgänge immer uninteressanter wurden.

Gruß Kai

Hallo,
liebe Hobby Fans,
wer Interesse an Ausgaben der Zeitschrift hat – bitte kurze Mail oder ein Blick in unsere Website – wir haben sehr viele Jahrgänge lagernd!
Mfg Ralf Kunicke

Bernd G schrieb am 12. Juni 2009, um 10.45 Uhr

Hallo Hobby Fans,
ich habe eine Hobby Hefte Sammlung aus dem Nachlass meines Vaters übernommen. Schon als Kind haben mich diese Hefte fasziniert. Die Heftinhalte von 1953 bis 1960 kannte ich wohl auswendig. Mit Begeisterung bin ich dabei die Sammlung zu erweitern. Mein Sammlerziel beschränkt sich bis zum Jahrgang 26/1980. Die Hefte nach 1980 hatten ihren Reiz irgendwie verloren.
Durch den Aufkauf ganzer Sammlungen habe ich viele Hefte mehr als doppelt.
Kann ich auf diesem Wege Tauschpartner finden?
Gruß Bernd G

Roland G. schrieb am 21. Juni 2009, um 8.56 Uhr

Hallo Hobby und Technik Fans

Ich finde es schade, daß es dieses Heft (oder ein gleichartiges) heute nicht mehr gibt. Der Kaufpreis von DM 1,80 hat damals ein großes Loch in mein Taschengeldkonto
gerissen. Trotzdem war ich lange Zeit treuer Leser von „HOBBY“.

Vielleicht ist eine derartige Publikation heute nicht mehr zeitgemäß, denn von der damaligen Begeisterung für Technik ist, gerade bei Jugendlichen, ist leider nicht mehr viel übrig geblieben.

Natürlich wird man heute schmunzeln über den Stand der Technik, wie er damals in den Heften beschrieben wurde. Schließlich bleibt die Technik nicht stehen und es gibt fortwährend neue Entwicklungen. Ich denke, daß gerade solche Veröffentlichungen mit dazu beigetragen haben.

Erst gestern habe ich 3 Ausgaben von 1968 wieder gefunden und habe mit der gleichen Neugier wie vor 41 Jahren darin belesen.

Glück Auf!

Roland G.

Anonymous schrieb am 27. Juli 2009, um 22.27 Uhr

hallo, liebe Gleichgesinnte, irgendwann, zwischen 1956 und 1958 gab es mal eine Bauanleitung für ein 2 – Meter-Röhren-tranciever mit Senderöhre DC 90. Hat jemand das Heft ?

Maximilian schrieb am 29. August 2009, um 14.55 Uhr

Hi

Ich bin auf der Suche nach einer Ausgabe von 1986 (ich glaube es war entweder die Mai, Juni oder Juli-Ausgabe von 1986), die u.a. von dem legendären Achterbahn-Bauer Anton Schwarzkopf berichtet hat. Es wurde u.a. von Seinem damaligen neuesten Werk, den Vier-Fach-Looping darin geschrieben und bebildert.

Ich bin verzweifelt auf der Suche nach der o.e. Ausgabe von Hobby-Das Magazin der Technik von 1986.

Ich würde mich über Resonanz sehr freuen!:-)
Grüße, Max

thomas ahrendt schrieb am 3. Oktober 2009, um 16.24 Uhr

wer noch hobby-Hefte übrig hat, nicht mehr braucht o. bei wem sie verstauben etc. Bitte an obige Email-Adresse
vielen dank

Karl-Heinz Guckenbiehl schrieb am 12. November 2009, um 0.51 Uhr

Liebe Hobby-Freunde,
Lieber Thomas Ahrendt,

ich die Kommentare und Anmerkungen mit großem Interesse gelesen und bin erstaunt welches Interesse dieses TEchnik- Magazin hat.
Aus dem Besitz meines Vaters kenne ich diese Hefte auch all zu gut.
Leider müssen wir uns aus Platzgründen von der Sammlung meines Vaters trennen, da ich es jedoch nicht übers Herz bringen konnte die Hefte einfach im Altpapier zu vernichten möchte ich diese auf diesem Wege Interessenten zum Erwerb anbieten. Es ist mir ein besonderes Anliegen die Sammlung in guten Händen zu wissen.

Die Sammlung umfasst die gesamten Jahrgänge beginnend von 1953 bis einschließlich 1968.

Bei Interesse bitte an die Email-Adresse oder Handy 0171-3038297 wenden.

vielen Dank

Helmut Höltl schrieb am 3. Februar 2010, um 12.03 Uhr

Tja, HOBBY!

Ich bin Jahrgang 1941 und habe mir in den 50er Jahren als Kind, später Jugendlicher, immer wieder mal vom gestiebitzten Kleingeld aus Mutters Haushaltskasse HOBBY gekauft (Das Delikt ist mittlerweile verjährt).

Hobby hat mich damals zum „Radiobasteln“ angeregt und ich habe darauf hin in Wien Radio- und Fernmeldetechnik studiert.

Ohne HOBBY wär das wahrscheinlich nicht passiert.

Also, ein jedes Ding hat seine Zeit und jede Zeit hat ihr Ding…

Liebe Hobbyfans!

auch ich besitze eine komplette gut erhaltene Sammlung der Jahrgänge 1954 bis 1962 (wahrscheinlich auch noch spätere Jahrgänge, habe die Kiste noch nicht ganz durchgestöbert).

Bei Interesse bitte melden unter jennifer.goetz@linklaters.com

Viele Grüße!

Oliver schrieb am 6. Mai 2010, um 20.49 Uhr

Ich bin im besitz der Zeitschriften Hobby Das magazin der Technik, mit Sammelordner von 1981 (Heft 1-26). Ich wäre daran Interressiert diese zu verkaufen……meist Bietend natürlich. Möchte einfach mal wissen, ob man für die Hefte was bekommt, oder sollte man diese einfach in den Altpapiercontainer werfen.
Vorerst mal danke für ihr interresse.
MfG.

Peter Gutsche schrieb am 20. Oktober 2010, um 18.26 Uhr

Ich habe folgende hobby-Hefte zu vergeben:
07/59 – 12/59
01/65 – 27/66 (Nr 20/66 fehlt)
12/68
01/72 – 12/89 (4 Hefte fehlen)

Gibt es dafür noch Interessenten?

Bernd Große schrieb am 28. Juli 2011, um 23.31 Uhr

Hallo,meine lieben Freunde,vor an die in den alten

Norbert Schwarz schrieb am 20. Januar 2012, um 15.43 Uhr

Hallo ihr Hobby-Liebhaber!

Es wird Zeit, mich von meiner fast kompletten Sammlung zu trennen: Jahrgänge 1953-1989! + einige Bücher
1953: 2 Hefte; 1954 fehlen 2 Hefte, dann komplett bis 10/1989, insgesamt also 746 Hefte + einige Bücher-

Bei Interesse bitte melden:
09153-7933
nt-schwarz@web.de

EINMALIGE GELEGENHEIT

hallo,
kennt jemand das Magazin hobby das magazin der Technik für 3 D Druck??? Hab die links immer nur auf diesen Seiten gelesen.
Gab es dies nur früher???