Ich, Dilettant

Mittwoch, 15. Januar 2014, 14.11 Uhr

Bei der Vorbereitung der nächsten Beiträge in meinem Blog Gespräche mit Goethe brachte mich diese Bemerkung Goethes zu Eckermann vom 21. Januar 1827 ins Grübeln:

Das ist aber eben das Wesen der Dilettanten, daß sie die Schwierigkeiten nicht kennen, die in einer Sache liegen, und daß sie immer etwas unternehmen wollen, wozu sie keine Kräfte haben.


Recht hat er, der alte Rechthaber. Ich habe in den letzten rund 15 Jahren zahlreiche Projekte frohgemut gestartet und bin immer wieder gescheitert. Dieses Notizen-Blog ist ein Beispiel, die Mist-Sammlung ebenfalls und natürlich auch das Eckermann-Blog selbst. Auch der Briefwechsel zwischen Schiller und Goethe droht mir immer wieder über den Kopf zu wachsen. Das Blog zu Arno Schmidt ist nur ein Schatten dessen, was ich mir dabei gedacht habe, die Website zu Kaff auch Mare Crisium (an der ich seit einer Ewigkeit nichts mehr getan habe) ebenfalls. Als Ruine schleppe ich auch das seit 1997 geplante Lucky Luke Lexikon mit mir herum. Der Versuch, ein via Anzeigen kommerziell verwertbares Blog zu starten, ging ebenfalls schief.

Einige Projekte wie die beiden Twitter-Accounts zu Arno Schmidt und Bob Dylan habe ich zu Beginn des Jahres gecancelt, die Fanseite zu Arno Schmidt bei Facebook habe ich auf Eis gelegt. Einen ähnlichen Account zu Donald Duck habe ich schon vor längere Zeit eingestellt.

Ein anderes seit mehreren Jahren immer mal wieder in Angriff genommenes, aber nie sonderlich weit gediehenes Projekt: Selfpublishing. Seit es Books on demand gibt, trage ich mich mit dem Gedanken, als Autor nicht von Verlagen abhängig zu sein, sondern meine Bücher in Eigenregie zu veröffentlichen. Das Unterfangen ist bislang an diversen Problemen gescheitert, aber so ganz gebe ich die Hoffnung nicht auf.

Wenn ich mal Revue passieren lasse, warum keines der zahlreichen Projekte je die Kurve gekriegt hat, fallen mir einige Gründe ein:

Wissen: Das Erlernen der notwendigen technischen Grundlagen für Publikationen im Netz und anderswo, braucht Zeit. Ziemlich viel Zeit sogar. Mit Baukastensystemen kann ich mich nicht anfreunden, also bleibt nur die Handarbeit: HTML, CSS, Javascript, PHP, MySQL. In allen Bereichen weiß ich inzwischen allerdings genug, um ein Internet-Projekt tatsächlich auch realisieren zu können (sag ich mal so als Dilettant, der, s.o., dergleichen überhaupt nicht abschätzen kann). Bei eBooks sieht die Sache schon wieder anders aus. Ganz anders. Da müsste ich mich erst noch einarbeiten.

Verzettelung: Statt bei einem Projekt zu bleiben und das vernünftig durchzuziehen, mache ich viel zu viele Baustellen gleichzeitig auf und kriege natürlich prompt überhaupt nichts fertig. Das ist der Grund, warum ich die Twitter- und Facebook-Aktivitäten zu Arno Schmidt und Dylan beendet habe.

Interessen: Manche Projekte werden mit viel Verve und Begeisterung gestartet, aber im Laufe der Zeit verliert ein Thema oder eine Idee dann den Reiz und die Arbeit an ihrer Umsetzung dümpelt nur noch zäh vor sich hin. Die Interessen verschieben sich, und das Projekt bleibt eine Ruine. Aber gut, Ruinenbaumeister ist man Netz ja immer, und mitunter kommt das Interesse später wieder zurück.

Aufwand: Ich bin ein langsamer Schreiber – für ein simples Blogposting wie dieses hier brauche ich zwei bis drei Stunden (mal mehr, mal weniger). Da ist es sehr viel einfacher und schneller, etwa bei Twitter den sexistischen Dreck von Radio Arabella zu dokumentieren, als dazu ein Blogposting zu schreiben, das sehr viel ausführlicher und ausgefeilter sein müsste, um dann im Nichts des Internets zu verschwinden. Was mich zum nächsten Punkt bringt.

Motivation: Zwar mache ich das alles in letzter Instanz für mich – aber wenn man lange genug das Gefühl hat, allein ins Dunkel zu rufen, wo alles ungehört verhallt, sinkt die Motivation, überhaupt öffentlich zu werden, gegen Null. Das ist wohl der Hauptgrund, warum ich mich in Mailinglisten, Foren oder bei Twitter entschieden wohler fühle als hier in meinem Blog.

Ökonomie: Letztlich scheitert vieles ganz banal am Geld: Wenn ich mal rausbekomme, wie ich rund drei Monate an einem Projekt arbeiten kann, ohne anschließend in die Privatinsolvenz gehen zu müssen, sieht die Sache vielleicht anders aus.

(Und warum habe ich das jetzt überhaupt alles geschrieben? Ganz einfach: Weil ich mich von der überaus unangenehmen Aufgabe ablenken wollte, meine Unterlagen für die Steuerberaterin zusammenzustellen. Alas.)